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Donnerstag, 8. Juni 2006

 


Morgen ist endlich das Eröffnungsspiel und endlich steht das Spiel im Mittelpunkt und nicht seine Nebenwirkungen. Hier in Berlin konnte man gestern abend schon ein Gefühl dafür bekommen, was sich in den nächsten Wochen aus Anlass der Fußball -WM 2006 abspielen wird.


Jörg Radek, Mitglied des Geschäftsführenden GdP-Bundesvorstandes und verantwortlich für das GdP-WM-Betreuungskonzept. Foto: Zielasko
 
Unsere Kolleginnen und Kollegen waren bereits mitten im Geschehen. Ich konnte beobachteten, dass sich viele angeregte Gespräche zwischen Polizei und WM-Gästen entwickelten.

Ich möchte mit diesem Eintrag einige Informationen, die von Interesse sein könnten, zu Verfügung stellen.

Sind die Sicherheitsmaßnahmen übertrieben?
Nicht jede Frage der Sicherheit hat einen Polizeibezug. Die FIFA ist verpflichtet, für die Sicherheit und Ordnung bei der Veranstaltung zu sorgen. Dafür setzt das OK WM 2006 vor Ort private Sicherheitsunternehmen ein.16 000 Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste bewachen Mannschaftsquartiere, Trainingsplätze, Hotels und Stadien. Die Kosten werden auf 30 Millionen Euro geschätzt. Kosten, die der Veranstalter trägt.

Ist die Polizei vorbereitet?
Die Erfahrung aus dem Ligaalltag ist eine gute Basis für diesen Einsatz. Zu dieser Erfahrung gehört auch, zwischen "Randale" und "Ritualen" unterscheiden zu können . Und: Nicht jeder, der bunt gekleidet ist und in einer Gruppe grölt, ist ein Sicherheitsrisiko. Doch es bleibt das Dilemma und die polizeiliche Herausforderung gleichzeitig das sichere und unbeschwerte Erleben dieses Ereignisses zu gewährleisten und anderseits konsequent und bereits im Ansatz Störungen zu verhindern bzw. zu unterbinden.

Einsatz der Bundeswehr im Inneren ?
Die Diskussion um den Einsatz der Bundeswehr war der notwendigen Gelassenheit zur Vorbereitung auf die Fußball – WM abträglich. Sie ist Ausdruck puren politischen Opportunismusses. Erst Stellen streichen und anschließend die Bundeswehr einsetzen wollen. Diese Absicht würde zu einer Militarisierung der Inneren Sicherheit führen.
Auch der immer wieder zitierte Vergleich "Attentat bei den Olympischen Spielen 1972" ist nicht zu treffend. 1974 wurde ein WM-Turnier mit politisch brisanten Spielen und in der Zeit der RAF ausgespielt. Die deutschen Polizeien haben es damals hervroragend gemeistert. Natürlich hat sich die Welt seit dem verändert. Doch die Polizeien haben sich den veränderten Herausforderungen angepasst. Die neue Herausforderung besteht in der Gleichzeitigkeit der Ereignisse. Wärend ein Live-Spiel ausgetragen wird, findet zeitgleich nur wenige hundert Meter entfernt ein Fanfest statt. Diese Parallel- WM wird für die eigentlich Partystimmung sorgen.

Zahlen und Fakten:
88 Kooperationspartner arbeiten Tag und Nacht im Nationalen Informations- und Kooperationszentrum (NICC) im Bundesinnenministerium in Berlin zusammen. Das NICC koordiniert und überwacht die Umsetzung des am 25. Mai 2005 verabschiedeten Nationalen Sicherheitskonzeptes von Bund und Ländern für die Fußball-WM.

135 Objekte sind nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden in besonderem Maße zu schützen. Bundesweit etwa 400 öffentliche Plätze mit TV-Übertragungen auf Großleinwänden, das so genante Public Viewing, stellen die Verantwortlichen vor zusätzliche Herausforderungen.

250.000 Polizisten werden zur Sicherung der WM eingesetzt, davon etwa 30.000 von der Bundespolizei .

73 bis 90 Prozent der Deutschen (je nach Umfrage) gingen Ende Mai 2006 davon aus, dass die Sicherheitsbehörden gut auf die WM vorbereitet sind.

Diese Zustimmung sollte uns Mut und Kraft für die nächsten Wochen geben. Ich wünsche uns allen einen guten Einsatzverlauf und ein tolles Turnier in entspannter Atmosphäre.

Jörg Radek