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Konrad Freiberg im Interview mit der Thüringer Allgemeinen:

Mit Integration anfangen

Erfurt.

Bildungs- und Arbeitsplatzfragen, und dann erst Fragen der Integration, sind nach Auffassung des GdP-Vorsitzenden die wichtigsten Ursachen der steigenden Jugendgewalt.

Konrad FREIBERG (56), Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, befürchtet, die Debatte um Jugendgewalt könnte jetzt einschlafen.

Thüringer Allgemeine: Roland Kochs Jugendgewalt-Wahlkampf ist beendet - wird das die Debatte beruhigen?
Konrad Freiberg: Ich würde mir wünschen, dass wir darüber intensiv diskutieren, fernab von parteipolitischen Positionierungen. Jugendgewalt ist ein wichtiges Thema, wir müssen dringend überlegen, wie wir einerseits Jugendliche besser integrieren und andererseits Intensivtäter bestrafen.

Die Diskussion könnte jetzt auch versanden . . .
Das kann man nach all den Erfahrungen der vergangenen Jahre durchaus befürchten. Es sind häufig Themen kontrovers diskutiert worden und dann in der Versenkung verschwunden.

Die innere Sicherheit als Wahlkampfthema - für Sie Fluch oder Segen?
Grundsätzlich ist es gut, wenn diese Probleme thematisiert werden, aber bitte nicht in so populistischer Form.

An welchem Punkt sollte der Streit aufgenommen werden?
Der erste Punkt muss sein, mit den Ursachen anzufangen. Das sind Bildungs- und Arbeitsplatzfragen, dann Probleme der Integration, mit denen sich unsere Gesellschaft stärker beschäftigen muss. Das kann man nicht von heute auf morgen erledigen. Dann muss die staatliche Reaktion auf solche Taten möglichst zügig kommen. Und irgendwann kann man dann über schärfere Strafen diskutieren. Aber bitte in dieser Reihenfolge.

Welche Hilfe braucht die Polizei in dieser Sache?
Es wird immer mehr über Polizei geredet - bei Terrorismus, bei der Internetkriminalität, bei Kinderpornographie - und andererseits wird drastisch gespart. Deshalb muss man, wenn man Gravierendes ändern will, mehr Polizei einstellen. Wir müssen Jugendlichen auf der Straße begegnen können.

Auch mit mehr Beamten mit Migrationshintergrund?
Selbstverständlich. Wir müssen jungen Ausländern Integrationsmöglichkeiten bieten, wir brauchen sie für spezielle Aufgaben der Polizei - und auch für das gesellschaftliche Klima.

Das Interview führte Sönke KLUG