Zum Inhalt wechseln

Polizeiliche Kriminalstatistik 1999 - Sicherheitsgefühl beeinträchtigt

Zu viel Gewalt in unserer Gesellschaft

Hilden.

Keinen Grund zur Entwarnung sieht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in der Entwicklung der Kinder- und Jugendkriminalität. Trotz eines leichten Rückganges der Tatverdächtigenzahlen, wie sie die am heutigen Donnerstag von Bundesinnenminister Schily in Berlin vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) verzeichnet, sei, so der GdP-Bundesvorsitzende Norbert Spinrath, die Kinder- und Jugendkriminalität insgesamt unvertretbar hoch. Allein die Zahl tatverdächtiger Kinder gebe mit über 150.000 Grund zur höchster Besorgnis.


Spinrath: "Eine solch hohe Delinquenz in einer Generation, die künftig die Geschicke des Landes lenken soll, lässt nicht optimistisch in die Zukunft blicken." Nach wie vor herrsche zudem eine ausgeprägte Gewaltbereitschaft. Spinrath: "Diese Gewaltbereitschaft ist ein Zeichen für eine Brutalisierung unserer Gesellschaft, die nicht von der Polizei alleine gestoppt werden kann. Sie macht sich bemerkbar von der Straßenkriminalität bis hinein in das Verkehrsgeschehen. Hier sind Elternhaus, Schulen, aber auch Betriebe und Unternehmen gefordert, an einem rücksichtsvolleren und den Menschen achtenden Klima in unserer Gesellschaft mitzuwirken."

Als erfreulich wertet der GdP-Vorsitzende den Anstieg der Aufklärungsquote, die mit 52,8 Prozent den höchsten Stand seit 1966 erreicht hat. Die Gewerkschaft der Polizei fordert den Bundesinnenminister auf, die Aussagekraft der jährlichen Kriminalstatistiken mit der Erstellung von Lagebildern zu erhöhen. Spinrath: "Die Entwicklung der registrierten Kriminalität ist innerhalb der einzelnen Deliktsbereiche sehr unterschiedlich, so dass die Gesamtzahl der Straftaten über die tatsächliche Kriminalitätslage wenig aussagt. Das Sicherheitsgefühl der Bürger wird auch von nicht angezeigten Straftaten geprägt oder von Gesetzesverstößen, die keinen Eingang in die Kriminalstatistik haben, weil sie keine Straftaten sind, die Lebensqualität der Bürger aber nachhaltig beeinträchtigen.