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GdP zu Urteil im "Ehrenmord-Prozess"

GdP-Chef will nach Sürücü-Urteil junge Gewalttäter härter bestrafen

Konrad Freiberg im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp

Berlin.

(ddp). Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, fordert nach dem Urteil im so genannten Ehrenmord-Prozess gegen drei Brüder der in Berlin ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü eine härtere Bestrafung für jugendliche Gewalttäter. Um eventuelle Absprachen in Verfahren mit mehreren Angeklagten möglichst zu erschweren, sollte die Höchststrafe nach dem Jugendstrafrecht von bislang 10 auf 15 Jahre erhöht werden, sagte Freiberg am Donnerstag der Nachrichtenagentur ddp in Berlin. Dies diene möglicherweise der Abschreckung.

Das Gericht hatte den geständigen 20-jährigen Todesschützen zu neun Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Seine beiden älteren Brüder im Alter von 25 und 26 Jahren wurden aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordes freigesprochen. Die Frau war im Februar 2005 an einer Bushaltestelle in der Nähe ihrer Wohnung in Berlin-Tempelhof durch drei Kopfschüsse getötet worden.

Freiberg sagte, er könne nachvollziehen, wenn nach der ausgesprochenen Jugendstrafe gegen den jüngsten Bruder der türkischen Familie in der Bevölkerung ein "bitterer Beigeschmack" angesichts dieses "verabscheuungswürdigen Ehrenmordes" an der Schwester und Mutter eines fünfjährigen Sohnes bleibe. Er fügte hinzu: "Bei guter Führung könnte der Verurteilte so nach sechs Jahren wieder auf freiem Fuß sein." Der GdP-Vorsitzende wies zugleich jedoch darauf, dass in einem Rechtsstaat das Urteil der Richter zu akzeptieren sei.

Originaltext der ddp-Meldung vom 13. April 2006