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Lutz: Eltern haften für ihre Kinder

Quelle:Bild am Sonntag.

An Baustellen stehen immer noch wie in der guten alten Zeit Hinweisschilder "Eltern haften für ihre Kinder", doch die Praxis sieht längst ganz anders aus. Zwölf- und dreizehnjährige Kinder gehen nachts auf Diebestouren, werden immer brutaler, und die Polizei ist ohnmächtig, denn unter 14 Jahren sind sie nach unserem Recht absolut schuldunfähig. Schon fordern die ersten Politiker, Kinder in Gefängnisse oder Besserungsanstalten zu stecken. Doch jeder, der auch nur eine Augenblick nachdenkt, weiß, das ist der falsche Weg. In Wahrheit muß wieder gelten: "Eltern haften für ihre Kinder."

Ich fordere, daß die Eltern nicht nur nach der sehr allgemein gehaltenen Formulierung des Paragraphen 170d im Strafgesetzbuch generell für die Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zur Rechenschaft gezogen werden. Kinder in die Welt zu setzen reicht nicht. Kinder zu bekommen bedeutet auch Verantwortung. Wenn Kinder rauben, Häuser anzünden oder töten, dann müssen für diese Straftaten die Eltern zur Verantwortung gezogen werden. Als Erziehungsberechtigte machen sie sich in meinen Augen der Beihilfe schuldig. Das sollte auch so künftig im Strafgesetzbuch stehen.

Zur strafrechtlichen Verantwortung der Eltern muß auch stärker als bisher der Gedanke der Wiedergutmachung in den Vordergrund trete. Wenn beispielsweise Kinder einer älteren Frau die Handtasche stehlen, dann kann und sollte das Jugendamt sie dazu verpflichten, beispielsweise für dieselbe Frau eine Woche lang die Besorgungen zu erledigen oder ihr sonst behilflich zu sein.