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Konrad Freiberg im Gespräch mit der Nordwest-Zeitung

„Situation in Holland ist ein Warnzeichen“

Berlin.

Im Interview mit der in Oldenburg erscheinenden Nordwest- Zeitung mahnt der GdP-Bundesvorsitzende Konrad Freiberg eine offene Debatte über die Gefahren des extremistischen Terrorismus an. Hassprediger wie Kaplan, so fordert Freiberg, sollten schnell abgeschoben werden. Die Polizei habe aber noch zu wenige Einblicke ins Islamisten-Milieu, bewertet der GdP-Vorsitzende die aktuelle Lage.

Das am 11. November 2004 erschienene Interview lesen hier im Wortlaut. Rasmus Buchsteiner führte das Gespräch für die Nordwest-Zeitung:



Frage: Eskalation in Holland: Erst der brutale Mord an Filmemacher Theo van Gogh, jetzt Brandanschläge auf Moscheen und gewalttätiger Widerstand bei Razzien im Islamisten-Milieu. Halten Sie eine ähnliche Zuspitzung auch in Deutschland für möglich?

Freiberg: Es ist nicht auszuschließen, dass etwas Ähnliches auch bei uns passiert. Dass die Bedrohung durch Islamisten nicht deutlich genug angesprochen wird, ist nicht allein ein holländisches Phänomen. Auch in Deutschland gibt es in vielen Bereichen keine erfolgreiche Integration, sondern nur bloßes Nebeneinander von Deutschen und Ausländern. Unter uns leben Islamisten, die alles, was uns lieb ist, hassen.

Frage: Haben Polizei und Sicherheitskräfte das Milieu der Islamisten in Deutschland gut genug im Blick?

Freiberg: Von Vorbereitungen auf einen Mord wie in Holland oder auf einen größeren Anschlag würden wir sicher nicht in jedem Fall etwas erfahren. Die meisten islamistischen Organisationen sind sehr abgeschottet. Wir bekommen vieles von dem nicht mit, was sich in der Szene abspielt. In vielen Fällen fehlen uns noch die Mittel und die personellen Möglichkeiten. Dennoch muss man deutlich sagen: Seit dem 11. September 2001 ist unser Einblick viel besser geworden. Wir haben nun mehr Mitarbeiter mit Sprachkenntnissen in Arabisch, die sich in der Islamisten-Szene auskennen.

Frage: Experten zufolge entstehen in Hollands Großstädten islamistische Parallelgesellschaften. Ein Problem auch in Deutschland?

Freiberg: Rechtsfreie Räume haben wir auch in deutschen Großstädten vielfach – besonders in Berlin. Dort nimmt die Situation ein Ausmaß an, dass ganze Stadtteile in der Hand von gefährlichen Gruppen sind – etwa libanesischen Kurden. Staatliche Organe werden von diesen Gruppen längst nicht mehr anerkannt und ernst genommen. Je stärker sich solche Parallelgesellschaften festsetzen, desto weniger kann der Terror bekämpft werden.

Frage: Was sollte die Lehre aus den Ereignissen sein?

Freiberg: Die Situation in Holland ist ein Warnzeichen für uns. Wir brauchen eine offene Debatte, die nichts unter den Teppich kehrt. Wir müssen deutlich machen, wie wir mit fremden Kulturen umgehen wollen – mit Toleranz, aber ohne zu dulden, dass unsere Gesetze nicht eingehalten werden. Wer unsere Gesetze nicht befolgt, hat in unserem Land nichts zu suchen. Das letzte Beispiel war die gelungene Abschiebung des Hasspredigers Kaplan. Solche Symbole bleiben wichtig, zumal wir mittlerweile etwa 3000 Islamisten in Deutschland haben, von denen eine Gefahr ausgeht.

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