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2. GdP-Sicherheitsforum zur Fußball WM 2006

"Restrisiko bleibt immer"

Teilnehmer besuchen das Berliner Olympia-Stadion
Berlin.

Durch polnische "Pseudo-Fans", so der Sprachgebrauch bei der polnischen Polizei, könnte die WM gestört werden, erklärte Inspektor Tadeusz Pawlaczyk, Woiewodschaftskommandant der Polizei Szczecin (Stettin) in der Woiewodschaft Westpommern am zweiten Tag des GdP-WM-Sicherheitsforums. Die Lage werde aber intensiv beobachtet und Informationen mit den deutschen Behörden ausgetauscht.

 



Intensive Kontrollen durch polnische Polizei: Inspektor Tadeusz Pawlaczyk, Polizei Stettin
Ein großes Augenmerk lege die polnische Polizei dabei auf die Voraufklärung. Die Beamten stünden in intensivem Kontakt mit zahlreichen Institutionen, Vereinen, aber auch mit Reisebüros, Busunternehmen und der Bahn. Die Gefährdungslage, so Inspektor Pawlaczyk, ergebe sich nicht nur aus der gemeinsamen Grenze, sondern auch aus den direkten Verkehrsverbindungen. Deshalb werde auch der polnische Grenzschutz zusätzliche Aufgaben erhalten. Es sei der Polizei bekannt, dass sich organisierte Fan-Gruppen während der WM auf polnischem Grenzgebiet aufenthalten werde. In erster Linie werde dies aber auf die in Polen niedrigeren Preise zurückgeführt.

Ausreiseverbote
Polnische Pseudo-Fans oder Hooligans mit Stadionverboten erhielten von den polnischen Behörden ein Ausreiseverbot. Die Gruppe der Sportgewalttäter sei der Polizei durchaus bekannt. Über eine Vernetzung der Woiewodschaften solle der Informationsfluss über die Reisebewegungen der Gewalttäter beschleunigt werden.
 
Der Hauptkommandant der polnischen Polizei steuere den Gesamteinsatz. Während der WM würden intensivere Kontrollen auf Straßen, in Zügen und auf Flughäfen durchgeführt. Nach Deutschland reisende Fans würden durch die polnische Polizei bis zur Grenze begleitet. Einen direkten Einsatz der polnischen Polizei auf deutschem Boden werde es nicht geben. Befragt nach der Dimension und der Erfassung der polnischen Hooligan-Szene sagte Inspektor Pawlaczyk, dass operativen Maßnahmen gegen Sport-Gewalttäter bereits angelaufen seien und ein Hooligan-Verzeichnis "intensiviert" werde.
 
In einem Grußwort des Regierenden Bügermeisters von Berlin, drückte Klaus Wowereit seine Vorfreude auf die WM aus. Er lobte die Gewerkschaft der Polizei, die den Sicherheitsgedanken zur WM bundesweit in die Diskussion getragen habe. Die WM-Form der Berliner Polizei sei überdies ausgezeichnet. Beim 1. Mai-Einsatz habe sich jeder davon überzeugen können, wie gut das Konzept der Partnerschaft zwischen Polizei und Kiez-Bewohnern aufgehe. Bei der WM könne die Polizei aber nicht für eine absolute Sicherheit sorgen, ein Restrisiko bleibe immer. Die in Berlin stattfindenden sechs WM-Spiele werde die Polizei vor große Herausforderungen stellen. Vor allem Public-Viewing und das Verkehrsmanagement seien dabei zu nennen. Sicherheitskontrollen bei den großen Fan-Festen, Videoüberwachungen und Umzäunungen würden nach Beratung durch die Polizei eingerichtet. Und, so Wowereit, wenn jeder etwas eher aus dem Haus gehen würde und nicht mit dem Wagen direkt vor dem Stadion parken wolle, dürfte es auch beim Transfer zum Spiel keine zu großen Schwierigkeiten geben. Der Regierende Bügermeister: "Wichtig ist, das der FIFA-Präsident pünktlich kommt."

"Absolute Sicherheit gibt es nicht", sagte Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister Berlins.
 
 


"Mund fusselig reden": Polizeidirektor Heinz Theus berichtete vom WM-Einsatzkonzept der Leipziger Polizei, die beim CONFED-CUP im letzten Jahr bereits Einsatz-Erfahrungen sammeln konnte.
Viele Gespräche führen
Aus dem CONFED-Cup gelernt, habe die Polizei in Leipzig, berichtete Polizeidirektor Heinz Theus aus der Polizeidirektion Leipzig den Teilnehmern des 2. GdP-WM-Sicherheitsforums. Man habe das Einsatzkonzept im Rahmen dieses Fußball-Veranstaltung testen können und Verbesserungen hinsichtlich des kommenden WM-Einsatzes erreicht. Das Gespräch mit den Fans und den Besuchern stehe für die Polizei im Vordergrund des Einsatzes. Die Leipziger Polizei werde ein dreistufiges Einsatzkonzept fahren. Die Hauptlast liegt dabei auf den Schultern von Zivilkräften, die in Zusammenarbeit mit Szenekundigen Beamten auf bekannte Sport-Gewalttäter zugehen werden. Diese Beamten tragen zu Jeans und T-Shirt ein spezielles WM-Base-Cap, sind unbewaffnet, sind aber mit Pfefferspray augerüstet. Bei der zweiten Einsatzstufe kämen Kräfte im Einsatzanzug ins Spiel, Beamte mit Sonderausrüstung und Polizeitechnik stellten die ditte Einsatzstufe dar. Diese jedoch, so zeigte sich Polizeidirektor Theus zuversichtlich, würde wohl nicht gebraucht werden.


Fotos: Rüdiger Holecek (2, oben), Michael Zielasko (4)
 


Eingang zur Wache im Berliner Olympiastadion.


Teilnehmer des GdP-WM-Forums besuchen das WM-Stadion in Berlin.


"Überblick" aus der Leitzentrale des Olympiastadions Berlin.