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Gute Arbeit – schlechte Gesundheit

Ein Beitrag von Judith Hausknecht, Mitglied im Vorstand der Dirktionsgruppe Flughafen Frankfurt/Main Leider wieder mit einiger Verspätung wurde Ende 2013 der Gesundheitsförderungsbericht 2012 der unmittelbaren Bundesverwaltung durch das BMI veröffentlicht. Gelegenheit für die Bundespolizei, ein Resümee zur vor ungefähr einem Jahr abgeschlossenen Dienstvereinbarung “Behördliches Gesundheitsmanagement” (BGM) zu ziehen und sich einem zahlenmäßigen Vergleich zu stellen. […]

Judith Hausknecht

Judith Hausknecht

Ein Beitrag von Judith Hausknecht, Mitglied im Vorstand der Dirktionsgruppe Flughafen Frankfurt/Main

Leider wieder mit einiger Verspätung wurde Ende 2013 der Gesundheitsförderungsbericht 2012 der unmittelbaren Bundesverwaltung durch das BMI veröffentlicht. Gelegenheit für die Bundespolizei, ein Resümee zur vor ungefähr einem Jahr abgeschlossenen Dienstvereinbarung “Behördliches Gesundheitsmanagement” (BGM) zu ziehen und sich einem zahlenmäßigen Vergleich zu stellen.

Fangen wir bei den Zahlen, Daten und Fakten an, denn diese zeichnen ein überaus erschreckendes Bild:

Im Durchschnitt waren im Jahr 2012 alle Beschäftigten der unmittelbaren Bundesverwaltung (unabhängig von ihrem Status) an 19,25 Arbeitstagen krankheitsbedingt abwesend. Das ent-spricht 7,67 Prozent der gesamten 251 Arbeitstage. Schaut man nur auf die Bundespolizei steigt dieser Durchschnitt auf 23,05 Arbeitstage (9,18 %). Und wenn es noch detaillierter wird: über die Hälfte aller Beschäftigten in der Bundespolizei gehören dem mittleren Dienst an und dort betrug der Durchschnittswert 2012 sage und schreibe 28,21 Tage (11,21%).

Kontroll- und Streifenbeamtinnen und -beamte, Verwaltungsfachangestellte und Bürosachbearbeiter/-innen fehlen somit durchschnittlich fast sechs Wochen jährlich krankheitsbedingt!!!

Die Krankenstatistik für 2013 zeigt keine signifikante Änderung, auch wenn der Durchschnitt in der Bundespolizei um 0,1%-Punkte gesunken ist.

Eine deutliche Erkenntnis aus dem Gesundheitsförderungsbericht ist allerdings auch, dass die krankheitsbedingten Fehlzeiten mit zunehmendem Alter ansteigen. Die Krankenstatistik der Bundespolizei bestätigt diesen Fakt deutlich. Mit derzeit 42,8 Jahren hat der Geschäftsbereich des BMI (über 70% des Personals gehören zur Bundespolizei) den geringsten Altersdurchschnitt in der unmittelbaren Bundesverwaltung überhaupt. Doch auch wenn dieser Altersdurchschnitt durch die Einstellung von Anwärterinnen und Anwärtern vielleicht gehalten werden kann, so ist unabwendbar, dass die heute 41- bis 50-Jährigen in zehn Jahren auch zehn Jahre älter sein werden. Und das sind immerhin 37% der Männer und 25% der Frauen. Ergo wird in zehn Jahren ca. jede(r) dritte in der Bundespolizei über 50 Jahre alt sein. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten in dieser Altersgruppe liegen heute bei durchschnittlich 33 bis 41 Tagen pro Kalenderjahr…

Und noch ein paar interessante Zahlen zur Kenntnis: von den 3.288 Dienstunfällen in der unmittelbaren Bundesverwaltung wurden 1.563 allein von Angehörigen der Bundespolizei erlitten. Von 979 Dienstwegeunfällen entfielen “nur” 180 auf die Bundespolizei. Eindeutig auch Beweis für die durch den Polizeivollzugsdienst verstärkt ausgehenden Gefahren für Leib und Seele im Dienst!

Zusammen mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Zustand der Bundespolizei allgemein und den oben beschriebenen Fakten liegt auf der Hand, dass gesundheitsförderliche und -fördernde Maßnahmen in der Bundespolizei eigentlich Selbstverständlichkeit sein müssten. Der Konjunktiv weist auf eine andere Realität hin…

Trotz einiger im Gesundheitsmanagement sehr engagierten Kolleginnen und Kollegen und einer angeblich durch die überwiegende Anzahl der Top-Führungskräfte anerkannten Erforderlichkeit, sich der Gesundheit von Organisation und Beschäftigten zu widmen, stellen wir als GdP nunmehr fest, dass die verbindliche Rahmendienstvereinbarung BGM teilweise un-beachtet bleibt.

Bei der Einführung bzw. Umsetzung von BGM in den Dienststellen der Bundespolizei existieren allerdings derart signifikante Unterschiede, dass es auch Mut macht, sich weiterhin dafür einzusetzen. Während zwei Direktionen als Beispiele guter Praxis gelten können, wurden in vielen Behörden zumindest schon formale Voraussetzungen für das BGM geschaffen. In drei Behörden ist jedoch auch Stillstand.

Da sich abzeichnet, dass sich ein interner Wettbewerb zwischen den Behörden entwickelt, kann davon ausgegangen werden, dass der begonnene Prozess fortgesetzt wird. Dort, wo Stillstand oder nur Schneckentempo herrscht, wird die GdP jedoch nicht zudem lassen und die Umsetzung der Dienstvereinbarung einfordern!

Wie bei vielem, sind die handelnden Personen Grundlage jeder Entwicklung. Engagiertes und gut ausgebildetes Personal mit der notwendigen Zeit für die Wahrnehmung einer Tätigkeit ist Grundvoraussetzung für Erfolg – belegt wird dies in den beiden Direktionen mit gutem Fortschritt. Die GdP wird die Koordinierungsstelle im BPOLP deshalb auch dahingehend unterstützen, dass eine Freistellung von Verantwortlichen für das BGM unumgänglich ist, um Ursachen von Fehlzeiten vor Ort zu analysieren und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die ein gesunderes Arbeitsumfeld sicherstellen. Weiterhin gilt, dass Gesundheitstage, die die Beschäftigten zu einer gesunderen Lebensweise informieren, keinesfalls ausreichen. Vielmehr sind neben der Befähigung des Einzelnen auch gesunde Rahmenbedingungen in der Arbeit zu schaffen – organisatorisch, führungs- und arbeitsplatzbezogen.

Geben wir also nicht auf, sondern fordern wir ein, was wir verdienen!

Wir alle in der Bundespolizei leisten hervorragende Arbeit – sogar in zusätzlichen Aufgabenzuweisungen. Dafür verdienen wir die Rücksichtnahme auf unsere Gesundheit und jegliche Bemühungen, diese zu erhalten bzw. zu verbessern!

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