Zum Inhalt wechseln

Schmuggel-Zigaretten offiziell verkaufen

Quelle: Kölner Express.

Es ist eine internationale Mafia. "Sie schrecken auch vor Mord und Totschlag nicht zurück", klagt Theo Waigel. Und sie haben den Finanzminister mit den großen Haushaltslöchern 1996 um rund eine Milliarde Mark betrogen: Die Zigarettenschmuggler.

Doch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) will den Verlust jetzt zumindest teilweise ausgleichen. Die 674 Millionen Zigaretten, die der Zoll im vergangenen Jahr sicherstellte, sollen nicht, wie bisher vorgeschrieben, vernichtet, sondern ganz legal verkauft werden. GdP-Chef Hermann Lutz: "Angesichts der dramatischen Haushaltssituation, bei der nach jeder Mark gesucht wird, macht es keinen Sinn, die Schmuggel-Zigaretten zu vernichten. Der Bund sollte sie mit einem Sonder-Siegel wieder in den Verkehr bringen." Es sei nicht einzusehen, daß der Staat noch Geld ausgebe, um die Zigaretten verkleinert auf den Komposthaufen zu werfen. "Durch den Verkauf ließe sich wenigstens noch ein volkswirtschaftlicher Gewinn aus dem schwerkriminellen Treiben der Zigarettenmafia ziehen", erklärt Lutz.

Für im Ausland unter Lizenz hergestellte Schmugglerzigaretten, etwa Marlboros aus Polen, die meist stärker als deutsche sind, soll es sogar einen Preisnachlaß geben. Lutz: "Die könnte der Staat statt für fünf nur für 4,50 Mark verkaufen. Für diese stärkeren Auslandszigaretten gibt es sicher einen Markt."

Doch auch sonst sieht Lutz im riesigen Warenlager der Zollfahnder eine ausbaufähige Geldquelle für Theo Waigel. "Das sichergestellte Rauschgift muß ebenfalls nicht vernichtet werden, sondern könnte an die Pharmaindustrie verkauft werden, die Drogen zur Arzneimittelherstellung braucht." Ein lukratives Geschäft wäre außerdem der boomende Markt der Produktpiraterie - etwa nachgeahmte Designerklamotten. Waren im Wert von 2,3 Millionen Mark gingen 1996 dem deutschen Zoll ins Netz. Achtmal mehr als ein Jahr zuvor. "Die Ware muß als Fälschung gekennzeichnet werden. Doch dann sehe ich keine Hindernis, das über Restpostenmärkte reduziert zu verkaufen. Da wird doch sonst auch Markenware losgeschlagen die Fehler hat oder aus Brand- oder Wasserschäden stammt." Fazit des umtriebigen GdP-Chefs: "Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt."