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Chef der Polizeigewerkschaft beklagt Personalmangel: „Das wird sich eines Tages rächen“

„Afghanistan-Einsatz erhöht Terrorgefahr in Deutschland“

aus der "Passauer Neuen Presse"

Berlin.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat nach den vereitelten Anschlägen in Großbritannien seine Forderung nach Online-Durchsuchungen von Computern bekräftigt. Am Samstag hatte das Innenministerium erklärt, die Sicherheitsmaßnahmen sollten nicht noch einmal verschärft werden. Konrad Freiberg, der Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), beklagte im PNP-Interview den Personalmangel bei der deutschen Polizei.

PNP: Terror-Alarm in Großbritannien: Wie beurteilen Sie die neue Anschlagsserie?
Freiberg: Diese Anschläge dürften von einer Vielzahl von Personen vorbereitet worden sein. Es geht nach meiner Einschätzung um eine konzertierte Aktion islamistischer Terroristen. Es ist kein Zufall, dass Großbritannien ins Visier genommen wird. Großbritannien ist ein zentraler Akteur im Irak und in Afghanistan. Das ideologische Ziel ist deutlich: Die Einheit der westlichen Welt im Kampf gegen den internationalen Terrorismus soll zerstört werden.

PNP: Wie beurteilen Sie die Sicherheitslage in Deutschland?
Freiberg: Nach allem, was wir bisher wissen, gibt es zwar keine personellen Verbindungen zu den Tätern in Großbritannien. Generell gilt aber: Auch Deutschland ist im Visier des islamistischen Terrorismus’. Wir müssen in naher Zukunft mit schweren Anschlägen auch bei uns rechnen. Der Hintergrund ist, dass Deutschland sein Engagement in Afghanistan weiter ausgebaut hat, zuletzt mit der Entsendung der Tornados. Das hat die Terrorgefahr hierzulande weiter erhöht. Es gibt radikale Islamisten, die ihre Ausbildung in Afghanistan oder Pakistan absolvieren oder gerade hinter sich haben, und bereit sind, hier in Deutschland Anschläge zu verüben. Davor haben der Bundesinnenminister und die Sicherheitsbehörden erst kürzlich gewarnt.

PNP: Wie gut ist Deutschland gegen die Terrorgefahr gerüstet?
Freiberg: Hier in Deutschland leben etwa 100 Personen, die wir als Gefährder betrachten. Wir gehen davon aus, dass sie willens und in der Lage sind, Anschläge vorzubereiten und auszuführen. Um sie rund um die Uhr überwachen zu können, würden wir pro Person bis zu 20 Polizisten benötigen. Aber dazu fehlt das Personal. Ich halte das für verantwortungslos. Und ich bin mir sicher, dass sich das eines Tages rächen wird!

Das Interview führte Rasmus Buchsteiner.