Zum Inhalt wechseln

New Orleans

"Ohne einen starken Staat fällt jeder über jeden her"

Die Katastrophe im Süden Amerikas hat auch hierzulande Nachdenklichkeit über die Rolle des Staates geweckt.

Andreas Petzold, Chefredakteur des STERN: "Live auf allen Kanälen zeigte sich, wie fatal es sein kann, wenn die Regierung erst in der Not Verantwortung für das Leben der Bürger übernimmt. Ein verschlankter Staat, der auf Privatisierung setzt, statt auf staatliche Vorsorge, ist in einer solchen Situation offensichtlich nicht in der Lage, das Recht der Überlebenden auf Menschenwürde und Unversehrtheit durchzusetzen."

Jedediah Purdy in DIE ZEIT: "Diese…libertäre Gleichgültigkeit verleugnet die Tatsache, dass private Sicherheit und private Tugend in einer komplexen Gesellschaft letztlich immer davon abhängen, ob der Staat sein Gewaltmonopol durchsetzt. Ihr privates Leben führen die Menschen selbst dort, wo sie es am ausgiebigsten, fantasievollsten und freiesten praktizieren, immer vor dem Hintergrund staatlicher Macht. Das ist die Macht, die private Verträge durchsetzt, die über die Verteilung privaten Besitzes bestimmt und jeden ins Gefängnis steckt oder sogar tötet, der widerrechtlich in das Haus einen anderen Menschen eindringt. Ohne diese Sicherheit werden die Menschen einander zur Gefahr - nicht etwa, weil die meisten von ihnen Räuber wären, sondern weil einige von ihnen Räuber sind.