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Aus der Leipziger Volkszeitung:

Fußball-WM 2006: Problem Public Viewing

Berlin.

Geteilte Meinungen über die Sicherheitsstandards bei so genannten Public-Viewing-Events zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 offenbart der heute in der Leipziger Volkszeitung (LVZ) erschienene Artikel des LVZ-Berlin-Korrespondenten Dieter Wonka. Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg spricht sich hier für einheitliche Standards aus. Eine Einzäunung, penible Sicherheitskontrollen und das Verbot von Bierflaschen seien "das Mindeste".

Lesen Sie bitte hier den Originaltext; erschienen in der Montag-Ausgabe der Leipziger Volkszeitung (20.03.2006), Autor Dieter Wonka:


Public Viewing
Berlin (DW). Die Sicherheitsbehörden wollen, trotz großer Bedenken wegen der Sicherheitslage, für die Fülle der geplanten Public-Viewing-Veranstaltungen anlässlich der Fußball-WM keine einheitlichen Sicherheitsregeln aufstellen. Die Innenminister von Bayern, Günther Beckstein (CSU), und Schleswig-Holstein, Ralf Stegner (SPD), meinten übereinstimmend gegenüber dieser Zeitung: „Die verschiedensten geplanten Veranstaltungen lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren.“ Deshalb mache es immer nur Sinn, „über die Sicherheitsfragen im konkreten Einzelfall zwischen Kommune und Polizei zu reden“.

Dagegen forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, „mindestens für die großen Public-Viewing-Veranstaltungen einheitliche Sicherheitsstandards“. Eine Einzäunung, eine penible Sicherheitskontrolle und das Verbot von Bierflaschen, weil die als Wurfgeschosse dienen könnten, seien „das Mindeste“. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte alle Kommunen auf, bei denen öffentliche Großbildschirm-Veranstaltungen geplant seien, „sich eng an die Empfehlung der Innenministerkonferenz zu halten“ und auf Videokontrolle, Absperrungen, Einlasskontrollen und Glasflaschen-Verbot zu achten. Der zuständige Referatsleiter Ralph Sonnenschein stellte zugleich die grundsätzliche Frage „nach einer finanziellen Beteiligung der Veranstalter an den Kosten für die teils massive Polizeipräsenz“ bei derartigen Großveranstaltungen. „Das kann nicht dauernd die Allgemeinheit bezahlen“, auch wenn eine solche Regelung vermutlich nicht mehr rechtzeitig zur Fußball-WM käme.

Gewerkschafter Freiberg verlangte dagegen eine Kostenbeteiligung der FIFA an den Sicherheitsvorkehrungen für die Public-Viewing-Veranstaltungen. „Die FIFA sahnt durch diverse Verträge viel Geld ab, gibt aber nichts an diejenigen weiter, die die Kosten für den Schutz der Veranstaltungen regeln müssen. Außerdem erwarte ich, dass die kommerziellen Privat-Veranstalter solcher Großveranstaltungen in den Kommunen sich ebenfalls an den Sicherheitskosten beteiligen müssen.“

Beckstein warnte erneut vor Sicherheitsproblemen. „Solche Veranstaltungen mit Großbildleinwänden und bis zu 30 000 oder 40 000 Zuschauern machen uns unter Sicherheitsgesichtspunkten erhebliche Sorgen. Denn vor allem dort könnten gewaltbereite Hooligans, die in den Stadien nicht zum Zug kommen werden, versuchen, sich eine Bühne zu suchen.“ Er forderte von allen Kommunen, entsprechende Sicherheits-Auflagen zu erlassen. „Dabei werden die Veranstalter gerade die Kosten für den Ordnerdienst und die Videoüberwachung natürlich selbst tragen müssen“, so Beckstein.

Stegner wies darauf hin, dass man für öffentliche Polizeieinsätze, „wenn es darum geht, Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, keine Gebühren von Veranstaltern verlangen kann, egal ob das nun zahlungskräftige Veranstalter sind oder ob es sich um einen Laternenumzug des Kindergartens handelt“. Für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit „hat der Bürger bereits mit seinen Steuergroschen bezahlt“.