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Fehlende Alltagserfahrung

Eylmann muss weg vom Schreibtisch

HILDEN.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei , Hermann Lutz (CDU), hat den Vorsitzenden des Rechtsausschusses im Bundestag, Horst Eylmann (CDU) aufgefordert, sich an die eigene Nase zu fassen und "weg vom Schreibtisch" einmal in den Polizeialltag zu gehen.

Eylmann hatte in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) am Wochenende der Polizei vorgeworfen, sie verstecke sich, säße auf dem Revier herum und wartete auf Anzeigen oder fahre "zu zweit im Polizeiwagen durch die Gegend". Dazu der GdP-Vorsitzende Lutz: "Eine solche Äußerung ausgerechnet gegenüber einer in Niedersachsen erscheinenden Zeitung zu machen; in einem Land, dessen Polizeibeamte monatelang ihre Arbeit vernachlässigen und auf Urlaub und Wochenenden pfeifen müssen, um die von der Bundesregierung durchgesetzten Castor-Transporte abzusichern, ist ein Skandal. Vielleicht ist Herrn Eylmann entgangen, daß die Polizei in der Bundesrepublik Deutschland seit Jahren rund 25 Millionen Überstunden vor sich her schiebt, die bei Einsätzen geleistet werden mußten, die in der Regel durch politisches Versagen entstanden sind."

Dem CDU-Bundespolitiker scheine ebenfalls entgangen zu sein, daß die Polizei nahezu jede zweite Straftat aufklärt und den Kriminalitätsanstieg im vergangenen Jahr bremsen konnte. Lutz: "Der Polizei angesichts dieser Sachlage 'Nichtstun' vorzuwerfen, ist eine Unverschämtheit." Weiterhin habe der CDU-Rechtspolitiker offenbar nicht zur Kenntnis genommen, daß die Polizei in nahezu allen Bundesländern durch gewaltige innere Reformbemühungen das "Lean Management" bereits durchgesetzt habe, während der Deutsche Bundestag hiervon noch träume. Es sei, so der GdP-Vorsitzende, sicher auch kein Zufall, daß die Bevölkerung laut einer aktuellen Emnid-Umfrage der Polizei von allen Institutionen im Staate das meiste Vertrauen schenke, während die Politik auf weit abgeschlagenem Platz rangiere.

Hermann Lutz: "In diesen Wochen gehen tausende von Polizeibeamten auf die Straße, um gegen die Kahlschlagpolitik im Bereich der inneren Sicherheit zu protestieren. Alles was Herrn Eylmann dazu einfällt, ist der Vorschlag, Hilfssheriffs einzustellen. Man kann Herrn Eylmann persönlich nur raten: Weg von den Mikrofonen und Rednerpulten!"