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Kritik an EXPO-Konzept

Der Tanz um das goldene Buch

Hannover.

Rund 750 Staatsgäste wird die Polizei für die Dauer der EXPO 2000 mit großem personellen Aufwand vom Ausstellungsgelände zum Rathaus in Hannover eskortieren müssen, weil der Oberbürgermeister von Hannover darauf besteht, daß die Gäste persönlich erscheinen, um ihre obligatorische Unterschrift im goldenen Buch der Stadt zu hinterlassen.

Thorsten Weiler, Bundesjugendvorsitzender der JUNGEN GRUPPE in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärte am Rande einer Arbeitstagung seiner Organisation am Freitag (26. März 1999) in Hilden: "Der Tanz um das goldene Buch der Stadt Hannover ist so überflüssig, wie ein Kropf. Auf die Hannoveraner kommen so neben den ohnehin schon starken Belastungen durch die EXPO 2000 sinnlose zusätzliche Staus und Verkehrsbehinderungen zu, da die Polizei umfangreiche Schutz- und Sicherungsmaßnahmen für den Transport der hohen Gäste durch die Innenstadt treffen muß."

Nach Auffassung der jungen Polizistinnen und Polizisten in der GdP könne das Buch genau so gut auf dem EXPO-Gelände untergebracht werden, das die Staatsgäste ohnehin besuchen. Weiler: "Man könnte einen kleinen Tempel bauen oder eine ori-ginalgetreue Nachbildung des Ratssaales."Auf die Polizei in Niedersachsen und im gesamten Bundesgebiet kommen durch die Weltausstellung im Jahr 2000 immense personelle Belastungen zu. Allein 3500 zusätzliche Einsatzkräfte aus allen Bundesländern müssen die Ausstellung, zu der täglich 300.000 Besucher erwartet werden, schützen.

Weiler: "Es ist unverständlich, daß mit einer Autofahrt durch die Innenstadt die Staatsgäste einem überflüssigen Sicherheitsrisiko ausgesetzt und die Einwohner Hannovers zusätzlich belastet werden. Auch die Polizei hätte Sinnvolleres zu tun. Wenn sich der Oberbürgermeister wenigsten erweichen ließe, einem Hubschrauberlandeplatz neben dem Rathaus zuzustimmen! Das hat er aber bisher abgelehnt."