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Ich stand ganz vorn, es ging ums nackte Überleben

Von R. SCHNEIDER

Rostock.

„Es war, als ob sich der Himmel verdunkelte. Hunderte Steine prasselten auf uns nieder, verletzten die ersten Kollegen.“ Bernhard Schmidt stand ganz vorn, als die Steine flogen. Der Polizeihauptkommissar aus Berlin (verheiratet, zwei Kinder) hat die schlimmen Krawalle von Rostock miterlebt.

Zu BILD sagt er: „Wir wurden regelrecht verheizt. Meine jungen Kollegen bekommen nur 1500 Euro im Monat und müssen sich dafür den Schädel einschlagen lassen.“

Schmidt, Mitglied der Gewerkschaft der Polizei, ist seit 1970 im Dienst. Er hat die Hausbesetzer-Szene und die Kreuzberger Krawalle mitgemacht. „Doch in Rostock hat die Gewalt eine neue Dimension erreicht.“

Mit 411 Kollegen aus Berlin ist Bernhard Schmidt für 12 Tage in der Damerow-Kaserne in Karow untergebracht – 100 km vor Rostock. Schmidt: „Die Unterkunft spottet jeder Beschreibung, vier Kollegen auf einem Zimmer. Es gibt keine Schränke, die Klamotten liegen auf dem Boden.“

Von den 411 Beamten sind nach den Krawallen nur noch 253 übrig geblieben.

Die Bilanz: 158 verletzt, 22 davon schwer. Ein Beamter liegt noch mit schwerer Gehirnerschütterung und Tinnitus in der Klinik.

Was war in Rostock passiert?

Schmidt erzählt: „Wir sind morgens um 6 Uhr los. Unser Auftrag lautete: Den ersten großen Demo-Zug begleiten. Zunächst war alles friedlich, bis 15 Uhr. Dann trafen die beiden Demo-Blöcke aufeinander.

Jetzt war die Masse der Chaoten so riesig, dass sie uns sofort angriffen. Wir wurden eingekreist.

Teilweise ging es ums nackte Überleben. Die wenigsten Polizisten haben so einen massiven und brutalen Angriff erlebt.“

Am schlimmsten seien die angereisten Chaoten aus dem Ausland gewesen: Franzosen, Italiener, Portugiesen und Griechen.

Schmidt: „Die waren regelrecht geschult und trainiert, sind zu allem bereit.“

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