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Zunahme von Großveranstaltungen

Polizei an Überlastungsgrenze

Bonn (dpa).

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat angesichts des Personalabbaus vor einer zunehmenden Zahl von Großveranstaltungen gewarnt. Dazu seien auch Ereignisse wie die Love-Parade zu rechnen. Wenn die Entwicklung so weitergehe, könne die Sicherheit nicht im gewohnten Maß garantiert werden, sagte GdP-Vorsitzender Norbert Spinrath dem dpa-Rufa-Audiodienst. Pro Jahr würden mittlerweile bei der Polizei bundesweit rund 25 Millionen Überstunden erreicht. Allein während des EU- und des Weltwirtschaftsgipfels in Köln hätten die 12.000 eingesetzten Beamten 700.000 Überstunden gemacht.

"Es ist nicht auszuschließen, dass künftig bei Veranstaltungen wie zum Beispiel Fußball-Bundesligaspiele nicht ausreichend Polizeischutz vorhanden sein könnte," meinte Spinrath. Bereits in der vergangenen Saison sei die Austragung eines Spiels gefährdet gewesen, weil nicht genügend Polizeikräfte zur Verfügung standen. Ob Öcalan-Protest, Kundgebungen gegen die Wehrmachtausstellung oder andere politische Großveranstaltungen - die Polizei werde immer mehr gefordert.

Besorgt zeigte sich Spinrath in der Frage des Atomausstiegs. Sollte hier kein politischer Konsens gefunden werden, sei ebenfalls spätestens dann mit Protesten zu rechnen, wenn die Castor-Transporte wieder aufgenommen werden. Auch die Abschaffung der Bannmeile um den Reichstag in Berlin werde nicht zu weniger, sondern zu mehr Polizeibedarf führen. "Uns ist klar, dass wir aufgrund der Finanzlage nicht die notwendigen 50.000 Beamten zusätzlich bekommen," sagte Spinrath. "Wenn wir aber statt mehr Personal immer weniger haben, wird die Polizei nicht mehr alles tun können, was von ihr erwartet wird."