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Interview in der Leipziger Volkszeitung (LVZ) zur Visa-Affäre

Drei Fragen an Konrad Freiberg

von LVZ-Korrespondent Dieter Wonka

 
Frage: Sie haben schon im März 2000 das Fischer-Ministerium und die Öffentlichkeit vor einer Kriminalitätswelle, verursacht durch den Visa-Erlass, gewarnt. Weshalb wurden Sie nicht gehört?
Konrad Freiberg: Alle erhitzen sich immer an politischen Auseinandersetzungen. An Hinweisen der Sicherheitsbehörden reibt sich keiner, so lange dies nicht politisch in Streit gerät. Jeder, der nicht blind ist, konnte schon Anfang 2000 feststellen, dass eine der Ursachen für die wachsende Kriminalität bei uns diese freizügige Visa-Vergabe an deutschen Botschaften war.

Trotzdem wurde erst so spät gehandelt?
Sowohl bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität als auch bei der Terrorismusbekämpfung sehen die Verantwortlichen immer so lange weg, bis der öffentliche Streit eskaliert. Welch schreckliche Auswirkungen der so genannte Volmer-Erlass auf die Zunahme von Kriminalität, Prostitution und illegaler Arbeitsaufnahme hatte, war schon zum Jahresanfang 2000 für alle, die sehen wollten, klar zu erkennen.

Was ist Fischer vorzuwerfen?
Mindestens eine gewisse Blauäugigkeit. Ich hoffe, dass mit der Diskussion um Fischer und die Visa-Problematik nicht nur die parteipolitische Auseinandersetzung dominiert, sondern dass sich alle dazu verpflichten, die Erkenntnisse der Polizei zur Bekämpfung der Kriminalität zu verwerten. Das gilt auch für die Terrorismusbekämpfung.

Dieter Wonka, Leipziger Volkszeitung, 17.2.2005
 
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