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Kriminalitätsentwicklung

Eltern in die Pflicht nehmen

HILDEN.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert angesichts der weiter besorgniserregend steigenden Kinder- und Jugendkriminalität den Ausbau der Jugendkommissariate und mehr Jugendsachbearbeiter bei der Polizei. Gleichzeitig müsse nach Wegen gesucht werden, die Eltern strafunmündiger Kinder stärker in die Verantwortung zu nehmen. Norbert Spinrath, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei: "Ich halte es für sinnvoll, wenn die Eltern strafunmündiger Kinder zu einem Gespräch mit der Polizei verpflichtet werden können, um mit einem Jugendsachbearbeiter über die Kriminalitätsperspektive ihres Kindes sprechen zu müssen. Möglicherweise erkennen sie in diesen Gesprächen auch Hinweise auf Erziehungsmängel und fehlerhaftes Vorbildverhalten." Der Jugendsachbearbeiter solle die Erziehungsberechtigten auch über weitere Hilfen informieren und den Kontakt zu einer weiterführenden Stelle herstellen. Eine Absenkung der Strafmündigkeit von Kindern stünde dagegen nicht zur Diskussion.

Angesichts der um sechs Prozent zum Vorjahr auf etwa 153.000 gestiegene Zahl tatverdächtiger Kinder mahnte Spinrath die Regierung, die in der Koalitionsvereinbarung angekündigte Gründung eines Deutschen Forums für Kriminalprävention voranzutreiben. Gespannt warte er auf die dort ebenfalls erwähnten "neuen Präventionsstrategien zum Abbau der Kinder- und Jugendkriminalität". "Repression und Prävention müssen gleichgewichtet sein. Wir freuen uns zwar darüber, daß sich die Zahl der örtlichen Präventionsräte stetig vergrößert, doch müssen deren Erkenntnisse in Landes- und Bundespräventionsräten wissenschaftlich begleitet werden. Nur dadurch ist eine effektivere Präventionspolitik möglich", sagte Spinrath in Hilden.

Der erneute Anstieg junger Tatverdächtiger und deren offensichtliche Neigung immer häufiger Gewalt einzusetzen, überrascht die GdP nicht. "Die soziale Situation in vielen Familien, der Rückzug des Gemeinwesens aus vielen Sport-, Freizeit- und Kultureinrichtungen und die Überforderung vieler Eltern mit Erziehungsproblemen hätten frühzeitig gemeinsamer politischer und finanzieller Lösungen bedurft", so Spinrath.

Erfreut zeigte sich der GdP-Vorsitzende Norbert Spinrath über die erneut gestiegene Aufklärungsquote: "Die Polizei steigert trotz Stellenabbau und anderer Sparmaßnahmen die Aufklärungsquote Jahr für Jahr. Sie ist nach wie vor hochmotiviert und leistungsfähig. Wir haben allerdings die Grenzen der Belastbarkeit erreicht. Künftige Großeinsätze wie der Gipfel in Köln und eine allgemein angespannte Sicherheitslage werden die Personalsituation noch dramatisch verschlechtern. Die Polizei braucht mehr Personal und eine bessere Ausstattung, sonst kann sie das hohe Leistungsniveau nicht halten."