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GdP-Sachsen mit Gastbeitrag:

Gewalt im Fußball

von Heinz Eggert, Staatsminister a.D, MdL

Warum italienische Verhältnisse, wenn wir Deutschen es beinahe schon besser können!

Die Wogen der Empörung schlagen wieder hoch. Erst Palermo und jetzt Leipzig. König Fußball sitzt resigniert und zusammengeschlagen auf seinem Thron. Was für ein Volk? Unvermeidliche Statements auf allen Kanälen und in allen Zeitungen.

Thema: Gewalt im Fußball!

Da gibt es vieles zu sagen und auch über einiges nachzudenken. Trotzdem! Es könnte sein, dass wir in einigen Jahren unter dieses Thema: Thema verfehlt schreiben müssen, weil wir uns den Blick auf die wirklichen Gewaltmotive verstellen ließen. Gewalt im Fußball, Gewalt bei politischen Auseinandersetzungen- besonders zwischen rechts und links--die Mechanismen scheinen gleich, die Gründe und die Ideologien austauschbar.

Was für alle gleichermaßen verbindend bleibt---ist der Hang zur Gewalt.

Es gibt Lebensläufe von Gewalttätern, die ihre Taten mal mit rechten oder mit linken Ideologien begründeten und auch bei Fußballspielen in der ersten Reihe mitschlagen.
Diese Mechanismen sind international und bundesweit zu beobachten. Da wir im Informationszeitalter leben- werden zum Beispiel auch solche Ereignisse wie in Italien zur Initialzündungen. Das ist zu erkennen an den Diskussionsverläufen in Chaträumen, in denen auch Absprachen und Treffpunkte vereinbart werden. Hier kann man sich übrigens nach erfolgten Randalen auch in Videosequenzen noch jahrelang als Held bewundern lassen. Austauschbar sind die Zielobjekte, es geht nur um brutale Gewaltanwendung. Das war auch in Leipzig sehr gut zu beobachten. Da hatten sich vorgebliche Anhänger des 1. FC Lokomotive Leipzig einige schon vorher verabredet, nach dem Spiel die mitgereisten Fans des gegnerischen Fußballklubs Aue, auf zu mischen. Als es der Polizei gelungen war, die gegnerischen Gruppen voneinander zu trennen, richtete sich die zerstörerische Gewalt gegen die Polizisten – austauschbare Zielobjekte. Es kann sich übrigens, nicht um wirkliche Fußballfans handeln. Denn welcher wirkliche Fan, gefährdet mit seinem Handeln die Existenz seines- vorgeblich geliebten- Fußballklubs?

Und die Konsequenzen sind inzwischen jeden bekannt.

Catanias Fußball-Randalierer haben ihren eigenen Club in den Ruin getrieben und gefährden Italiens Europameisterschafts- Bewerbung für 2012. Um diese Nebenwirkungen und Risiken zu kennen brauchten sie keinen Arzt oder Apotheker befragen. Wir haben es in der Mitte unserer Gesellschaft mit einem Aggressionspotenzial und einer Gewaltbereitschaft zu tun, die sich subkultiviert hat und sich erfolgreich ideologisch von gemeinen Straftätern und Verbrechern absetzt. In diesen Subkulturen gibt es dann diese Mischung aus Bewunderung, Hang zur Nachahmung und Sympathie für die Gewalttäter. Bewunderung entsteht auch dadurch, dass der andere stellvertretend die Gewaltneigung auslebt, die der einzelne noch nicht zu leben wagt. Es ist ein Irrtum zu glauben, dieser Personenkreis setzte sich nur aus sozial Benachteiligten zusammen. Aus welchen Quellen sich dieses zerstörerische Aggressionspotenzial speist, sollte genauer untersucht werden. Wobei es um Verstehen und nicht um Entschuldung der Täter geht. Es kann ja nicht nur der Männlichkeitswahn oder der Adrenalin –Ausstoß sein, oder dass man die Täter in frühen Phasen zu früh vom Nachttopf genommen hat.

Schon um Nachahmer mutlos zu machen, muss der heimlichen Achtung der Szene die öffentliche Verachtung entgegengestellt werden.

Es muss sehr deutlich klargemacht werden: Wer aggressive Impulse ungehemmt auslebt, hat nicht die Zustimmung der Gesellschaft. Er ist eine öffentliche Gefahr! Es wird höchste Zeit sie als das zu bezeichnen, was sie sind:
Kriminelle Gewaltverbrecher. Diese Gewaltverbrecher sind übrigens von keinem Fan-Projekt erreichbar. Für sie muss die Strafe auf dem Fuß folgen. Wegen schweren Landesfriedenbruch - festnehmen einsperren und sobald wie möglich verurteilen.

Ohne das energische Eingreifen des Staates wird dieses Gewaltpotenzial wachsen.

Das geht natürlich nur in einem, in Leipzig vermissten, Schulterschluss von Polizei und Staatsanwaltschaft. Wenn die Staatsanwaltschaft anweist, festgenommene Gewalttäter wieder laufen zu lassen, weil sie einen festen Wohnsitz Arbeit und Familie haben, dann feiern nicht nur die Gewalttäter ihren Erfolg sondern dann ist auch die Polizei, die mitten in der gewalttätigen Auseinandersetzung steht, demotiviert.

Wenn die Polizei schon ihren Kopf in die Auseinandersetzung halten muss, können die Staatsanwälte auch ihren Hintern bewegen. Die Symbolkraft des starken Staates, der Gewalt bekämpft und den Bürger schützt, ist psychologisch aufgeweicht worden. Die Symbolkraft der Gewalttäter ,ungestraft ihr Aggressionspotenzial ausleben zu können, wird dagegen ansteckend für manchen Wankelmütigen sein. Die Fußballklubs sollten noch konsequenter überprüfen, wen sie als Sicherheitspersonal einsetzen. Angesichts dieser Gewaltbereitschaft muss es ein ausgewiesenes und qualifiziertes Sicherheitspersonal sein.

Dabei muss man sehr genau darauf achten, dass man nicht den Bock zum Gärtner macht. Ich habe schon des öfteren gehört, dass so mancher vom Einlassdienst bei Heimspielen, sich bei Auswärtsspielen als Hooligan gebärdet. Noch einmal: ich bin fest davon überzeugt, dass wir über die Gewaltphänome und ihre Ursachen in unserer Gesellschaft intensiver nachdenken müssen.

Es nur im Zusammenhang mit Fußball oder mit politischen Überzeugungen zu bedenken, kann zum Kurzschluss führen.

Oder?

Heinz Eggert
Staatsminister a.D, MdL