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Polizeiliche Kriminalstatistik '97

Nicht nur nach der Polizei rufen

Hilden.

"Die zunehmende Bereitschaft junger Tatverdächtiger, Gewalttaten zu begehen, wirft einen dunklen Schatten auf unsere Gesellschaft", warnte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Hermann Lutz, anläßlich der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik des Jahres 1997 durch Bundesinnenminister Manfred Kanther am heutigen Tage in Bonn.

Selbst der leichte Rückgang der ermittelten Straftaten dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, daß bei der Bekämpfung der Gewaltkriminalität und im Umgang mit der Kinder- und Jugendkriminalität noch großer Handlungsbedarf besteht. Lutz: " Hier darf nicht in erster Linie nach der Polizei gerufen werden. Gefragt sind hier viel eher Eltern, Schule, gesellschaftliche Institutionen wie die Jugendhilfe und sonstige soziale Dienste, aber auch die Fernsehsender, die mit der Ausstrahlung von Programmen, die mit Gewalt durchsetzt sind, einen äußerst negativen Einfluß ausüben."

Lutz beklagte im besonderen, daß viele Eltern ihrer Erziehungsverantwortung nicht mehr nachkämen, sei es aus Überforderung oder zeitlichen Gründen, da beide Elternteile berufstätig sein müssen, oder aus schlichtem Desinteresse."Eltern haften für ihre Kinder, diesem Satz muß wieder die nötige Bedeutung zukommen. Es kann nicht weiter hingenommen werden, daß Eltern vorgeben, nicht zu wissen, daß ihre Kinder um 2 Uhr nachts noch außerhalb der elterlichen Wohnung unterwegs seien und, was sie dort täten.

Der Gewerkschaftsvorsitzende begrüßte Kanthers Vorschlag die wenigen Kinder und Jugendlichen, bei denen erzieherische Maßnahmen nicht durchführbar oder die Aussichten auf Erfolg gleich null seien, in geschlossenen Heimen mit entsprechender Betreuung unterzubringen und die dafür erforderliche Anzahl von Heimplätzen zu schaffen. "Ich will nicht, daß diese Kinder weggesperrt werden, aber es liegt auf der Hand, daß Intensivtäter auch Intensivbetreuung benötigen, insbesondere dort, wo sie von Eltern und Schule nicht gewährleistet werden können.

Lobend äußerte sich Lutz über die erneut gestiegene Aufklärungsquote. Mit über 50 Prozent löste die Polizei jeden zweiten Fall.