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GdP-Fachtagung "Sport und Gewalt" in Sindelfingen:

GdP-Baden-Württemberg: Gewalt rund um den Fußball ächten

Sindelfingen.

Für viele ist Fußball die schönste Nebensache der Welt. Tatsächlich gehen an jedem Wochenende Hunderttausende ihrem Hobby nach, sei es als aktive Sportler oder als Zuschauer. Aber darum ging es den über 300 nach Sindelfingen zur Tagung für Verbrechensbekämpfung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) angereisten Polizistinnen und Polizisten aus ganz Baden- Württemberg nicht. Vielmehr ging es um die „So genannten Fans“, die nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) noch nie Fußballfans im herkömmlichen Sinn gewesen sind und deren Lebensinhalt „Randale“ ist, so der Landesvorsitzende Rüdiger Seidenspinner.

Es ging auch nicht nur darum, dass die „ Steine- und Flaschenwerfer“ „Schläger“ und „Beleidiger“ nur gewöhnliche Straftäter sind, diese Betrachtungsweise war der Gewerkschaft der Polizei doch etwas zu oberflächlich und einfach.

Jeder so genannte „ Hooligan“, „ Ultra“ oder „Holtra“ hat seine eigene Geschichte, die ihn zu dem gemacht hat, was er ist. Das hilft aus polizeilicher Betrachtung zwar nicht weiter, dürfte aber bei Präventionsprogrammen helfen.

Das wird deutlich wenn man die immer engeren Verknüpfungen zwischen diesen Gruppierungen und extremen politischen Parteien bzw. Kadern betrachtet.
Hier hilft nicht die Drohung mit dem Strafgesetzbuch, sondern es muss klare Ursachenforschung betrieben werden.

Die Diskussion kann und darf auch nicht alleine auf die Aussage „die Vereine sollen bezahlen“ oder „ die verdienen genug Geld, dann sollen sie auch zusehen, wir sie ihre Arenen oder Stadien sauber halten“ reduziert werden! Das wäre nur Effekthascherei und verhindert auch keine Körperverletzungen und Beleidigungen!

Erwin Staudt, der Präsident des VfB Stuttgart referierte über die Möglichkeiten eines Fußballvereins, Landespolizeipräsident Erwin Hetger und Jürgen Schubert, der Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder im BMI zeigten die Situation der Polizei auf und die gezeigten Bilder und kurzen Filmausschnitte führten selbst bei szenenkundigen Beamten zu einem eiskalten Schauer.

Die Podiumsdiskussion am Nachmittag, die von Michael Antwerpes, Sportchef des SWR moderiert wurde, führte zu der Erkenntnis, dass diese Gewalttäter nicht nur bei Internationalen- oder Bundesligaspielen auftreten, sondern mittlerweile auch in der 3. Liga oder noch weiter darunter vorhanden sind.

Die aus den Diskussionen gewonnenen Erkenntnisse und Forderungen wurden von Rüdiger Seidenspinner in seiner Abschlussrede formuliert
  • Ein generelles Alkoholverbot in und um die Stadien, sowie den Anmarschrouten darf nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei kein Tabuthema sein, welche enthemmende Wirkung Alkohol hat, bekommen unsere Kolleginnen und Kollegen bei Einsätzen in und um die Stadien hautnah mit.
  • Die Kapazitäten der Transportmittel, sprich der Züge, die die „Fußballbegeisterten“ jedes Wochenende durch die Republik befördern, müssen großzügiger gewählt werden, denn die Enge in den Zügen wirkt bei den vielen Menschen, die da zusammengepfercht werden, alles andere als deeskalierend
  • Wir betrachten zudem die Verkürzung der Stadionverbote von 5 auf 3 Jahre als nicht sinnvoll. Wir sprechen uns auch für die Möglichkeit aus, in bestimmten Fällen zu dem Stadionverbot Meldeauflagen z.B.: Meldepflicht in der Halbzeitpause beim für den Wohnort zuständigen Polizeirevier, auszusprechen.
  • Weitere Maßnahmen gegen auffällige Vereine könnten unserer Meinung nach auch„ Fußballspiele ohne Zuschauer“ sein, denn die Vereine tragen eine gewisse Mitverantwortung für die sogenannte „Dritte Halbzeit“, ob sie wollen oder nicht. Dies haben namhafte Fachleute z.B.: der Direktor beim Polizeipräsidenten Berlin und Leiter der Direktion 6, Prof. Michael Knape längst festgestellt.
  • Die Auseinandersetzungen rund um Fußballspiele sind aber keinesfalls ein polizeiliches Problem. Solche Straftäter gehören gesellschaftlich geächtet, auch von den regulären Fans. Es kann doch nicht sein, dass Ultras und Hooligans in Stadionzeitungen etc. eine Plattform geboten bekommen.
  • Die Frage, was man unseren Kolleginnen und Kollegen bei solchen Einsätzen jedes Wochenende zumutet ist sicher von besonderer Bedeutung. Wer kann dies Wochenende für Wochenende auf die Dauer verkraften? Deshalb muss für unsere Kolleginnen und Kollegen pro Monat mindestens ein Wochenende frei sein und zwar von Freitag, ab 00.00 Uhr bis Montag, mindestens bis 14.00 Uhr. Dies ist erforderlich um die hohe Einsatzbelastung auch nur einiger Maßen zu verkraften bzw. die Einsätze innerlich zu verarbeiten. Dazu gehören auch „Abschaltprozesse“, bei denen das private Umfeld eine Unsere Schutzausrüstung (passiver, wie aktiver Art) hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Trotzdem fordert die Gewerkschaft der Polizei auch weiterhin für jede Kollegin und jeden Kollegen im operativen Dienst einen eigenen, passenden Schutzhelm
  • Der Stellenabbau bei der Polizei muss sofort gestoppt werden. Bei ständig wachsenden Belastungen kann es nicht sein, dass in Baden- Württemberg über 1000 Stellen wegfallen sollen.

Wir, die Gewerkschaft der Polizei (GdP), werden unseren Beitrag zu einer gesellschaftlichen, verantwortungsvollen und – bewussten Diskussion leisten! Jegliche Verweigerungshaltung wird von uns in Zukunft öffentlich gemacht und wir werden „ Ross und Reiter“ nennen. Ausflüchte, wie: „Das geht uns nichts an“ oder „Das ist nicht unsere Sache“ werden wir öffentlich machen, so wie wir es schon mit dem Fernbleiben des DFB und der DFL anlässlich der Fachtagung der GdP in Berlin erst vor wenigen Wochen gemacht haben.

Unsere eingesetzten Kolleginnen und Kollegen haben die mit solchen Einsätzen verbundenen Beleidigungen und Körperverletzungen nicht verdient und nach unserer Überzeugung muss das der Mensch „ Polizist“ auch nicht ständig ertragen.