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Philipp: Polizeiführung muss schnellstens neuen Dienstplan überdenken

GdP Berlin: Notruf-Annahme der Polizei funkt „SOS“

Berlin.

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die nicht erreichte Zielvorgabe im Bereich der Notrufannahme im ersten Halbjahr 2014 eine Schande. Der Antwort auf eine schriftliche Anfrage zufolge wurden im ersten Quartal 2014 statt der vorgegebenen 90 Prozent für innerhalb von zehn Sekunden entgegengenommener Anrufe nur 86 Prozent erreicht, im zweiten Quartal mit 76 Prozent noch weniger. „Es ist ein Skandal, dass Hilfe suchende Menschen in Berlin beim Notruf in der Telefon-Warteschleife landen oder gar resigniert auflegen, weil sie kein Gehör finden“, sagte GdP-Landesbezirksvorsitzende Kerstin Philipp am Mittwoch.

„Hier muss dringend mit mehr Personal nachgebessert werden! Denn die Kolleginnen und Kollegen, die am Telefon sitzen, können nicht mehr als arbeiten. Dass die Zielvorgabe nicht erfüllt wird, liegt daran, dass sie sie nicht erfüllen können. Vielmehr ist das traurige Ergebnis dem neuen Dienstzeitmodell zuzuschreiben, das die Situation in der Notruf-Annahme verschlechtert statt verbessert hat. Wir fordern hier dringend die Überarbeitung – zum Wohle der Polizistinnen und Polizisten sowie zum Wohle der Berlinerinnen und Berliner.“

Folge des seit 1. September 2014 laufenden Dienstzeitmodells ist, dass zu ungünstigen Zeiten manchmal nur zwei bis drei Notruf-Annahmeplätze besetzt werden können. Im Idealfall müssten es – je nach Tageszeit oder Wochentag – zwischen fünf und zwölf Plätze (Letzteres in Spitzenzeiten) sein. Aufgrund der dünnen Personaldecke fallen derzeit teilweise bis zu 150 Anrufe in der Stunde ab, das heißt, sie bleiben unbeantwortet, weil der Anrufer aufgelegt hat.

„Wir können von Glück sagen“, so Kerstin Philipp abschließend, „dass unter diesen ‚Auflegern‘ noch kein Notruf war, der zu irgendwelchen Konsequenzen geführt hat. Da Weihnachten und der Jahreswechsel vor der Tür stehen, muss die Polizeiführung jetzt eingreifen, damit die Zielvorgabe ‚90 Prozent‘ erfüllt werden kann und keine Menschen mehr aus der Leitung fallen. Wenn alles bleibt, wie es ist, entfernen wir uns von diesem Ziel. Das kann ja wohl niemandes Interesse sein.“