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GdP Berlin: Nur zwei Bereitschaftsärzte für ganz Berlin!

Senat lässt Polizeibeamte mit Verstorbenen und deren Angehörigen allein

Berlin.

Es ist ein Schock! An einem kalten Februartag will eine Frau ihre Mutter in deren Wohnung besuchen; und findet sie leblos auf dem Boden. Der Notarzt kann nicht mehr helfen. Die Funkwagenbesatzung muss nun zusammen mit der Tochter auf den Bereitschaftsarzt warten.

Es vergehen qualvolle sechs Stunden, in denen die Tochter mit den beiden Polizeibeamten neben dem Leichnam der Mutter warten muss - in einer Ein-Zimmer-Wohnung! In dieser psychischen Ausnahmesituation lässt der Berliner Senat die Angehörigen und die Polizeibeamten allein.

Zum 1. Oktober 2014 hatte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) im Senat die Durchführungsverordnung zum Bestattungsgesetz (DVO BestG) geändert, demnach Notärzte nicht mehr zwangsläufig für die Ausstellung der Leichenschauscheine zuständig sind. Diese richtige Maßnahme zur Entlastung der Notärzte wurde jedoch vom Senat nicht kompensiert. Nun kümmern sich zu jeder Tages- und Nachtzeit nur zwei Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung um diese Aufgabe - stadtweit!

"Die Folge dieser nicht zu Ende gedachten Änderung sind Wartezeiten von bis zu neun Stunden, in denen der Funkwagen ersatzlos ausfällt und für die Kriminalitätsbekämpfung und die Verkehrssicherheit nicht zur Verfügung steht", erklärt Detlef Herrmann, stellvertretender Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. "Es ist unfassbar, wie achtlos der Senat über das Schicksal der Angehörigen hinweggeht. Diese stundenlange Wartezeit ist für die Angehörigen vor Ort, aber auch für meine Kolleginnen und Kollegen psychisch enorm belastend. Mit der stundenlangen Wartezeit geht für die Angehörigen die Ungewissheit einher, welche Todesursache die Untersuchung des Bereitschaftsarztes ergeben. Vorher kann die verstorbene Person auch nicht vom Bestatter abgeholt werden."

Anfang März hatte die Gewerkschaft der Polizei die Fraktionen im Abgeordnetenhaus, die Bezirksbürgermeister und den Innensenator angeschrieben und darum gebeten, diesen pietätlosen Zustand zu beenden und mehr Bereitschaftsärzte zur Verfügung zu stellen. Herrmann: "Bis heute liegt uns keine Antwort von Innensenator Henkel vor. Es bleibt also unklar, ob Herr Henkel weiter hinnehmen wird, dass die Funkwagen still stehen und die Polizeibeamten mit den Angehörigen stundenlang einer emotional stark belastenden Wartezeit ausgesetzt sind.