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Veränderte Arbeitsstruktur und neues Arbeitszeitmodell für die Abschnitte der Berliner Polizei im Test

GdP Berlin befürchtet mehr Kriminalitätsverwaltung statt -aufklärung

Berlin.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert, dass die veränderte Arbeitsstruktur und das neue Arbeitszeitmodell, die seit Jahresbeginn auf 24 der 37 Berliner Abschnitte erprobt werden, weder für die Berliner Bevölkerung noch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vorteile mit sich bringen werden. Dieses Fazit zieht die GdP aus dem jetzt von der Polizeibehörde vorgelegten ersten Zwischenbericht zum Probelauf. „Wenn ich lese, dass in den Abschnittskommissariaten nur dort tiefer ermittelt werden soll, wo es Erfolg versprechende Ermittlungsansätze gibt, wird mir ganz anders“, sagte GdP-Landesbezirksvorsitzende Kerstin Philipp am Donnerstag. „Denn häufig bringt doch erst Hartnäckigkeit den gewünschten Ermittlungserfolg. Steter Tropfen höhlt den Stein! Ich fürchte, dass diese neue Vorgehensweise Tätern in die Hände spielt … und die Leidtragenden sind die Berlinerinnen und Berliner.“

Was ihr zudem quer im Magen liege, sei, dass die für die Polizistinnen und Polizisten wichtigen Fragen nach der Entwicklung der Krankenstände, der Planungssicherheit von Schichten und der Zu- bzw. Abnahme von Überstunden in Bezug auf das neue Arbeitszeitmodell in dem Papier nicht beantwortet würden. Dies erscheine auch deshalb in einem besonderen Licht, da viele Abschnittskolleginnen und
-kollegen das neue Arbeitszeitmodell als familienfeindlich empfinden und Personal auch nicht mehr sinnvoll schwerpunktmäßig eingeteilt werden könne.

Völlig unverständlich sei ihr in diesem Zusammenhang, so Philipp weiter, dass ein bereits vor Jahren von Mitarbeitern selbst entwickeltes Arbeitszeitmodell („Flexmodell“), welches zurzeit noch auf zwei Abschnitten erprobt werden darf, in der Betrachtung außen vor bleibe. Dessen Untersuchung habe die Polizeiführung jedoch in einer Dienstvereinbarung mit den Personalräten zugesichert. „Fakt ist, dass das Flexmodell, was auch von anderen Abschnitten gerne getestet werden würde, im ersten Controllingbericht nicht einmal erwähnt wird. Das enttäuscht mich und die Personalräte sehr. Letztere werden nun prüfen, ob die Dienstvereinbarung hinsichtlich der Evaluationskriterien verletzt wurde.“

Kerstin Philipp: „In Gänze liest sich der gut 50 Seiten starke Bericht für mich wie eine Kapitulation der Polizei – erzwungen durch den Personalnotstand, den die Politik zu verantworten hat. Ich erwarte von der Behördenleitung, dass sie den Fortgang der Erprobung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei mit Augenmaß und Verstand beobachtet und auswertet.“