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GdP Berlin befürwortet Predictive Policing, sieht aber unnötige Probleme bei der Umsetzung

Berlin.

Statt fertiger Software bekommen Berlins Polizisten im Kampf gegen Einbrecher einen Modellbaukasten, kritisiert die Gewerkschaft der Polizei (GdP). 11.815 Einbrüche in Berliner Wohnungen und Einfamilienhäuser gab es allein im Jahr 2015. Hinzu kommen 19.844 Fälle, in denen Kriminelle sich unrechtmäßig Zugang zu Kellerräumen verschafft haben.

Berlin setzt im Bereich Predictive Policing auf das Zusammenspiel verschiedener Tools

Dem will Innensenator Frank Henkel in Zukunft mit technischer Hilfe entgegentreten. Eine gute und zielführende Entscheidung. Die Vorstellung der zukunftsvisionären Unterstützung knapp sechs Wochen vor den Berliner Wahlen wirkte dann aber eher wie ein Showprogramm auf Kosten der Kollegen und der Bevölkerung.

Die Aufklärungsquote bei Wohnraumeinbrüchen (8,5 Prozent) ist schwindend gering. Bei Kellereinbrüchen wird gar nur jeder fünfzigste Fall im Nachhinein aufgeklärt. Nicht zuletzt aufgrund massiver Personalprobleme und der immer weiter fortschreitenden Spezialisierung von Einbruchsbanden wird es für Berlins Beamtinnen und Beamte zugleich immer schwerer, diese Taten zu verhindern. Aus diesem Grund möchte die Berliner Polizei in Zukunft mit technischer Unterstützung auf Verbrecherjagd gehen und mittels Software präventiv zur Verminderung von Einbrüchen beitragen. Mittlerweile bieten mehrere Unternehmen Programme an, die anhand statistischer Werte potenziell gefährdete Orte lokalisieren und sogar Prognosen ermöglichen, wann es hier mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Einbruch kommen kann.

In München kommt seit Oktober 2014 die Software Precobs zum Einsatz, im ersten Jahr sank die Einbruchszahl um ein Drittel. Berlin verzichtete auf die Anschaffung eines fertigen Programms und möchte sich mithilfe bereits erworbener Tools ein eigenes System zusammenbasteln. „Ich habe sehr großes Vertrauen in die Fähigkeiten meiner Kolleginnen und Kollegen, aber hier wird mal wieder auf Kosten der Sicherheit unserer Bevölkerung gespart. Wenn es eine fertige und vor allem funktionierende Software gibt, sollte man die finanziellen Mittel dafür aufbringen und nicht noch zusätzlich Manpower und Zeit vergeuden, ohne genau zu wissen, was dabei herauskommt“, sagt Kerstin Philipp, Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, mit Blick auf die bisherigen Ergebnisse eines Prototypen, die am Mittwoch vorgestellt wurden.

Berliner Lösung ist Sparvariante mit ungewisser Zukunft

Aktuell wird daran gearbeitet, die vorhandenen Tools von Microsoft so miteinander zu verbinden, dass sie gemeinsam zu einem Effekt beitragen, den Software wie beispielsweise Precobs mit sich bringt. Dazu plant man die Einstellung eines Programmierers, zudem müssen die Beamtinnen und Beamten von Microsoft geschult werden, was zusätzliche finanzielle Kosten verursacht. „Mit Verlaub, das mag auf den ersten Blick sicherlich preiswerter erscheinen, aber die Folgekosten kann bisher niemand abschätzen. Unsere Kolleginnen und Kollegen bekommen einen hübschen Modellbaukasten vorgesetzt und sollen sich als raffinierte Lego-Konstrukteure beweisen“, so Philipp.

Gleichzeitig machte die Landesvorsitzende der GdP keinen Hehl daraus, dass sie die Anschaffung einer umfassenden Software befürwortet hätte, weil dadurch noch zu klärende Bereiche wie Datenschutz und Sicherheitskonzepte bereits mit abgedeckt wären. Philipp: „Es sind sehr viele Variablen, die hier funktionieren müssen, damit der Luftballon des Projekts nicht zerplatzt. Ich würde mich freuen, wenn sich die Entscheidung dieser Sparvariante im Nachhinein als richtig erweist. Sollte dieser Versuch gelingen und Früchte tragen, können wir die Ernte allein dem großen Engagement, einem immensen Arbeitsaufwand und der enormen Improvisationskunst der beteiligten Beamtinnen und Beamten verdanken.“

Unabhängig von den Art der genutzten Software verwies Philipp erneut darauf, dass der Erfolg des Predictive Policing auch davon abhängt, wie viel Personal man einsetzen kann: „Was nützt es letztlich, wenn wir halbwegs wissen, wo ein Einbruch stattfindet und niemanden haben, den wir herausschicken können. In diesem Fall bedarf es vor allem orts- und szenekundige Beamtinnen und Beamte. Generell brauchen wir mehr Polizei auf der Straße, damit unsere tägliche Arbeit und letztlich auch die Menschen in der Stadt von den zusammengetragenen Daten profitieren können.“