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Messer-Angreifer niedergeschossen – Polizei in Politiker-Tweet beschuldigt

GdP Berlin kritisiert Maßlosigkeit im Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen

Berlin.

Vier Tage nach dem tragischen Einsatz in einer Moabiter Flüchtlingsunterkunft kam es am Samstag erneut zum Schusswaffengebrauch durch die Berliner Polizei. Anders als am Dienstag endete dieser nicht tödlich. Ein Mann, der zuvor drohend mit einem Messer auf die Beamten zuging, konnte nach einem Schuss in den Oberschenkel überwältigt und erstversorgt werden. Er kam später in ein Krankenhaus, seine Verletzungen waren nicht lebensgefährlich.

Vollster Respekt für die eingesetzten Beamten

„Zunächst einmal möchte in den eingesetzten Beamten meinen vollsten Respekt aussprechen. Sie haben unglaublich geduldig reagiert und engagiert versucht den Mann zum Aufgeben zu animieren. Ich finde es eine maßlose Frechheit, wenn Leute meinen, alles besser zu wissen und aus Entfernung etwas bewerten zu können, wovon sie keine Ahnung haben“, sagte Detlef Herrmann, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Am Samstag hatte ein Mann mit gehobenem Messer auf der Reinickendorfer Provinzstraße die Beamten angepöbelt, nachdem er bereits in einem nahegelegenen Kiosk für Unruhe sorgte. Als er seine Waffe trotz zähen Verhandlungsversuchen nicht ablegte und drohend auf die Polizisten zuging, schoss ihm einer der Beamten auf die Beine.

Null Verständnis für Politclowns

Im Anschluss sorgte Christopher Lauer, als Ex-Pirat bis zuletzt Mitglied im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, für den negativen Höhepunkt in der aktuellen Debatte um die Einführung von Distanz- Elektroimpulsgeräte, so genannte Taser. „Langsam entsteht bei mir der Eindruck, die @polizeiberlin schießt jetzt so lange jede Woche auf einen Mann mit Messer, bis der Taser da ist.“, schrieb das SPD-Neumitglied beim Nachrichtendienst Twitter. „Das ist eine bodenlose Frechheit und eine Äußerung, die nicht nur absolut irrational ist, sondern auch jenseits jeglichen Menschenverstandes angesiedelt werden muss. Es ist erschreckend, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in einer Woche gleich zwei solche Einsätze erleben mussten, ein Mensch gestorben und ein weiterer schwerverletzt wurde und irgendwelche Politclowns darin die große Bühne wittern und derartigen Schwachsinn von sich geben“, entgegnete Herrmann. Erst am Mittwoch warnte die GdP-Landesvorsitzende Kerstin Philipp davor, derartige Fälle dafür zu missbrauchen, Anschuldigungen gegen die Kollegen zu erheben und eine Debatte um den Schusswaffengebrauch anzustoßen.

Taser nur als Hilfsmittel der körperlichen Gewalt

Herrmann wies mit Blick auf den Einsatz am Samstag erneut darauf hin, dass eine sachliche Diskussion über die Einführung von Tasern generell sinnvoll ist, sie aber nicht als Allheilmittel gesehen werden dürften. „Der gestrige Fall ist sicher anders zu betrachten als der am Dienstag und vielleicht hätte die Situation mit einem Taser früher deeskaliert werden können. Diese Debatte aber auf den Rücken der betreffenden Kollegen auszutragen, die in einer lebensbedrohlichen Situation eine Sekundenentscheidung treffen mussten und ohnehin keine Auswahlmöglichkeit hatten, ist menschenunwürdig. Fakt ist, wir haben derzeit eine Lücke zwischen den Einsatzmitteln die uns in bestimmten Lagen vor folgenschwere Entscheidungen stellt. Taser, die im UZwG als zusätzliches Hilfsmittel der körperlichen Gewalt eingestuft werden, könnten sie füllen“, so Herrmann.