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Kritik an fehlenden Rahmenbedingungen, zurückgenommenen Einstellungszusagen und dem Umgang mit kommenden Absolventen

GdP Berlin: 24 auszubildende Notfallsanitäter hängen in der Warteschleife

Berlin.

Ab dem ersten September sollten in der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst Akademie (BFRA) 24 Auserwählte ihre Ausbildung zum Notfallsanitäter beginnen. Ende Juli erhielten sie die Einladungen zur Vertragsunterzeichnung, wenig später wurden die Einstellungszusagen wieder zurückgezogen, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht vorliegen. Wann Berlins Feuerwehr den dringend benötigten Nachwuchs erhält, ist erst einmal vollkommen unklar.

Fehlende Rahmenbedingungen für neue Notfallsanitäter

Sie rücken aus, wenn jemand in Not gerät, wenn es irgendwo brennt oder technische Hilfeleistungen benötigt werden. 434.309 Einsätze hatte Berlins Feuerwehr im vergangenen Jahr zu bewältigen, knapp 35.000 mehr als im Jahr zuvor. Dem gegenüber stand ein personeller Zuwachs von gerade einmal 22 Stellen. Insgesamt kommt man auf nicht mal 4.000 Einsatzkräfte, der Krankheitsstand ist hoch, Pensionierungswellen stehen bevor.

Seit September 2015 werden an der BFRA jetzt zukünftige Notfallsanitäter ausgebildet, in zwei Klassen bekommen mittlerweile mehr als 40 Auszubildende Inhalte vermittelt. „Die zuständigen Personalräte haben bereits bei den ersten Einstellungen ihre Zustimmung verweigert und sowohl Feuerwehrführung als auch das zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) darauf hingewiesen, dass weder eine entsprechende Anzahl an Fachausbildern noch die benötigten Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.

Weil zugesichert wurde, dass die Rahmenbedingungen schnell geschafft werden sollten, hat man am Ende darüber hinweggesehen und erst einmal mit der Ausbildung begonnen. Wir haben jetzt aber nach wie vor viel zu wenig Unterrichtsräume, Sozialräume fehlen komplett. Zwar wurden zwei fachlich geeignete Sozialpädagogen eingestellt. Diese besuchen aber noch Seminare und existieren eigentlich nur auf dem Papier“, so Michael Schombel, Vorsitzender der Bezirksgruppe Feuerwehr bei der Gewerkschaft der Polizei.

Ungewisse Zukunft und fragwürdiger Einstieg für Absolventen

Die Folge ist, dass die eingeplanten Neulinge ihre Ausbildung nicht am 1. September beginnen können. Schombel: „Ich weiß nicht, wer das welche Scheuklappen vor den Augen hatte. Dass die Baumaßnahmen bei der Lehrrettungswache nicht rechtzeitig beendet sein würden, war schon lange abzusehen, die Personalprobleme kann man auch nicht von heute auf morgen lösen. Da ist es vollkommen unverständlich, feste Zusagen zu machen und die jungen Leute zur Vertragsunterzeichnung einzuladen. Das wirft kein gutes Licht auf die Behörde und ich bin mir sicher, dass diese Planlosigkeit mit jeder Menge Unannehmlichkeiten für unsere potenziellen Auszubildenden verbunden ist.“

Laut Landesbranddirektor Gräfling sei es nun Ziel, die Auszubildenden ab 1. Oktober einzubinden, Teile der Ausbildung wie der Führerscheinerwerb sollen vorgezogen werden, die Ausbildung dann spätestens am 1. Dezember beginnen. „Das ist doch wieder Glaskugelleserei. Es ist fraglich, ob derartige Zusagen dieses Mal eingehalten werden. Man begeht denselben Fehler auf ein Neues“, sagt Schombel. Außerdem äußerte sich der GdP-Bezirksgruppenvorsitzende kritisch über den Umgang mit den kommenden Absolventen. In diesem August sollen 43 Brandmeister-Anwärter ihre Ausbildung beenden und in den Rettungswagen steigen. „Betrachtet man es genau, sind sie bereits fest auf den Feuerwachen eingeplant. Man wirft sie direkt ins kalte Wasser, lässt sie die ganze Strukturlosigkeit und Probleme bei der Berliner Feuerwehr spüren. So nimmt man ihnen gleich zu Beginn ihrer Laufbahn die ganze Motivation“, so Schombel.