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PKS 2014 – Eine Statistik mit stark eingeschränkter Aussagekraft

GdP Bremen: Zunahme der Wohnungseinbrüche ist nicht akzeptabel -

Bremen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Heinfried Keithahn, sieht eine stark eingeschränkte Aussagekraft der heute vom Senator für Inneres und Sport veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 (PKS 2014). Bei der PKS handelt es sich um eine Ausgangsstatistik, in der Straftaten erst bei Abgabe an die Staatsanwaltschaft erfasst werden. Dadurch wirken sich unerledigte Akten massiv auf das statistische Ergebnis aus. Heinfried Keithahn: „Allein durch die nicht berücksichtigten, unerledigten Akten der Zentralen Aktenbearbeitung werden 2014 im Vergleich zu den Vorjahren 4500 bis 5000 zusätzliche Vorgänge nicht erfasst. Diese Fälle eingerechnet, erreicht die Gesamtkriminalität in Bremen den höchsten Stand der letzten drei Jahre.“

Trotz der beschönigenden Gesamtsituation lassen sich aus der PKS 2014 einige bedenkliche Entwicklungen ableiten. So ist die Zahl der Wohnungseinbrüche trotz massivem Personaleinsatzes und engagierter Arbeit der Kolleginnen und Kollegen weiter gestiegen und befindet sich auf dem höchsten Wert der letzten zehn Jahre. Für die GdP ist dies nicht akzeptabel. Einbrecher verletzen einen der intimsten Bereiche der Bürgerinnen und Bürger und zerstören dadurch das Sicherheitsgefühl der Geschädigten. In der Folge leiden diese nicht selten unter Angstzuständen und Schlafstörungen. „Es ist richtig, dass die Polizei bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls einen Schwerpunkt setzt und diesen auch personell hinterlegt.“, so Heinfried Keithahn. „Leider geht dieser Einsatz zu Lasten anderer Bereiche. Wie schon die sinkende Aufklärungsquote bei der Gesamtkriminalität zeigt, fehlt einfach das Personal für eine nachhaltige und flächendeckende Kriminalitätsbekämpfung.“

Deutlich wird dies auch in der Entwicklung des Taschendiebstahls. Er hat im 10-Jahres-Vergleich ebenfalls den Spitzenwert erreicht. Nach Auffassung der GdP weist in diesem Deliktsbereich neben den hohen Fallzahlen jedoch insbesondere das veränderte Täterverhalten auf eine gefährliche Entwicklung hin. Wollten früher Taschendiebe ihre Taten möglichst unbemerkt verüben, so gehen sie heute in vielen Fällen offensiver vor und sind notfalls auch bereit, die Taten gewaltsam zu beenden. Gelingt es nicht, diese Tendenz aufzuhalten, droht in der Zukunft eine massive Zunahme von Raubtaten.

Die PKS verdeutlicht auch die Herausforderung des Staates durch den hohen Anteil der von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen begangenen Straftaten. Das allein auf diese Gruppe 29 Prozent aller von Jugendlichen Taten fallen, ist besorgniserregend. „Es müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um kriminelle Karrieren von Jugendlichen möglichst frühzeitig zu beenden.“, erklärte hierzu der stellvertretende Vorsitzende der GdP, Heinfried Keithahn. Die Polizei Bremen hat hier Ende 2014 einen weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit gesetzt und andere Aufgaben zurückgestellt.

„Immer dann, wenn die Polizei bestimmte Delikte in den Mittelpunkt ihrer Arbeit rückt und hier personell einen Schwerpunkt setzt, arbeitet sie auch erfolgreich. Das Problem ist, dass die Personaldecke einfach zu klein ist, um alle Deliktsbereiche kontinuierlich mit gleicher Intensität zu bearbeiten. Am Ende kann noch nicht einmal die polizeiliche Sachbearbeitung innerhalb einer akzeptablen Zeit zu Ende gebracht werden oder Vorgänge können nicht abgeschlossen werden, weil wichtige Spezialisten für Auswertungen fehlen.“, brachte Heinfried Keithahn das Dilemma auf den Punkt.