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GdP-Bundesvorsitzender live in Deutschlandfunk-Talk

Oliver Malchow diskutierte zum Thema "Sicherheit im Fußball - Der Kostenstreit um die Bundesliga"

Köln.

Seit Wochen findet in den Medien eine Debatte über Polizeieinsätze bei Fußballspielen und die Kosten für die Bundesländer statt. Nach den Vorstößen der Länder Bremen und Nordrhein-Westfalen forderte der GdP-Bundesvorsitzende jetzt ein bundesweit abgestimmtes Konzept aller Innenminister und Senatoren der Länder, um Gewaltexzesse rund um die Fußballspiele zu reduzieren und zugleich die Polizei zu entlasten."Würde man diese Arbeit nicht mehr machen müssen, wir würden in Deutschland jeden Tag 1.800 Polizeivollzugsbeamte mehr auf der Straße haben können, um Wohnungseinbrüche zu verhindern oder aufzuklären, Verkehrsunfallaufnahmen durchzuführen, Verkehrssicherheit durchzuführen und andere Dinge auch", sagte Oliver Malchow am Mittwochabend in einer 45-minütigen Talksendung im Deutschlandfunk.

Der Deutschlandfunk hat eine Zusammenfassung der Sendung auf seine Homepage gestellt. Hier der Wortlaut:

Polizeieinsätze bei Fußballspielen – die Länder stöhnen ob der hohen Kosten, die Beamten ob der vielen Arbeit. Bremen hat reagiert, will künftig die Klubs zur Kasse bitten, NRW will in einem Pilotprojekt sein Personal auf besonders brisante Partien konzentrieren. Über die Sicherheit im Fußball und ihre Kosten diskutierten Vertreter aus Politik, Sportpolitik, Polizei und Fan-Szene in der Sendung "Zur Diskussion".

Die Aufstiege der Westvereine haben das Problem verschärft. In dieser Saison finden in NRW 231 Partien in den ersten drei Ligen statt – eine Steigerung von zehn Prozent. Nicht mehr zu schaffen für die Polizei. So hat NRW-Innenminister Ralf Jäger zu Beginn der Woche sein Pilotprojekt vorgestellt, will Kräfte bündeln, will mutmaßlich friedliche Spiele schwächer besetzen. "Ganz sachlich betrachtet tun wir etwas, was eigentlich normal sein sollte: immer wieder Lage-angepasst zu überprüfen, wie viele Polizeibeamtinnen und -beamte einzusetzen sind. Davon ausgenommen sind Hochrisikospiele."

Damit stößt Jäger bei einem der bekanntesten Vertreter der Fan-Szene, bei Jan-Henrik Gruszecki, auf Gegenliebe. Denn Gruszecki macht die Polizei mitverantwortlich für viele Ausschreitungen: "Kommt die Aggression dadurch, dass man am Bahnhof ankommt und eingekesselt wird? Man kann sich nichts zu trinken kaufen, nichts zu essen kaufen, darf nicht aufs Klo gehen. Da hat man natürlich erst mal eine angespannte Atmosphäre und dann kommt es eben manchmal zu Szenen, die eigentlich keiner haben will."

Eine Position, die Oliver Malchow, Chef der Gewerkschaft der Polizei, so nicht gelten lassen kann. Er verweist auf die Verantwortung auch der Fan-Szene: "Viele Straftäter in diesen Gruppen können nur agieren, weil andere um sie herum diesen Schutz gewährleisten. Da müssen sich auch die Fanbeauftragten deutlich distanzieren." Und Malchow legt nach, stellt auch Jägers Pilotprojekt in Frage. Waren Partien in der Vergangenheit unauffällig, muss das nicht für die Zukunft gelten: "Vielleicht sind sie ja gewaltfrei gewesen, weil Polizei da war", gibt der Vertreter von rund 170.000 Polizisten in Deutschland zu bedenken. Dabei geht es ihm, wie er beteuert, nicht ums Geld, sondern darum, Gewalt zu vermeiden. Am liebsten wäre es ihm, man könnte Fußballspiele mit demselben Aufwand begleiten wie einen Laternenzug. "Würde man diese Arbeit nicht mehr machen müssen, wir würden in Deutschland jeden Tag 1.800 Polizeivollzugsbeamte mehr auf der Straße haben können, um Wohnungseinbrüche zu verhindern oder aufzuklären, Verkehrsunfallaufnahmen durchzuführen, Verkehrssicherheit durchzuführen und andere Dinge auch."

DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel gibt zu erkennen, dass der Verband seiner Verantwortung gerecht wird. Mit Fankonzepten, mit runden Tischen. Für Polizeileistungen zu bezahlen, kommt für ihn nicht infrage. Schließlich begleite die Polizei ja auch Castortransporte und bitte dafür nicht die Energieversorger zur Kasse. Grindel verweist auf den Fußball als Teil des gesellschaftlichen Lebens: "Für Recht und Ordnung zu sorgen, ist ein öffentliches Gut. Da haben wir das Polizei- und Ordnungsrecht, das uns klar sagt: Nur der Störer oder - wie die Rechtsprechung es entwickelt hat - der Zweckveranlasser muss dafür zahlen. Der Fußball ist weder Störer noch Zweckveranlasser, weil der Fußball ein Interesse daran hat, dass es gerade nicht zu Gewalt kommt."

An der Talkrunde nahmen neben Malchow Reinhard Grindel MdB, CDU, Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes,
Ralf Jäger, SPD, Minister für Inneres und Kommunales in Nordhein-Westfalen, und Jan-Henrik Gruszecki, Journalist und Fanvertreter von Borussia Dortmund, teil.