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GdP-Chef Witthaut in "Neue Osnabrücker Zeitung"

„Kampfradler“-Streit rollt weiter: Polizei bringt höhere Bußgelder und Kennzeichen ins Spiel

Osnabrück.

Nachdem Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit seiner Schelte von „Kampfradlern“ und „Rambos auf Rädern“ einen Entrüstungssturm in der Fahrradszene ausgelöst hat, springt ihm nun die Polizei zur Seite. Gewerkschafts-Chef Bernhard Witthaut fordert hohe Bußgelder und eine Kennzeichnungspflicht für Räder. Bitte lesen Sie den Wortlaut des NOZ-Artikels nach dem Klick.

„Es müsste geprüft werden, ob der Bußgeldkatalog für Radfahrer an den für Autofahrer angepasst werden könnte“, sagte Witthaut. Um Verstöße besser ahnden zu können, brachte er auch eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder ins Gespräch. „Da kann man ganz intensiv drüber nachdenken, gerade auch mit Blick auf die E-Bikes.“ Die Polizei beobachte insgesamt eine Verrohung der Sitten, in der Stadt wie auf dem Land. „Vom Anzugträger bis zum Kind fahren alle mal bei Rot über die Ampel.“

Ramsauer hatte im Interview mit unserer Zeitung ein zunehmend rücksichtsloses Verhalten von Radlern kritisiert. Witthaut sagte, nötig sei auch eine höhere Kontrolldichte, damit Fehlverhalten auch geahndet wird. Hierfür fehle Personal. „Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrradfahrer, und in Zukunft bekommen wir es noch mit einer ganz neuen Herausforderung zu tun, den E-Bikes“, so Witthaut. „Mit denen kann man dann 40, 50 km/h fahren, gerade in der Stadt ist man damit ja oft schneller als mit dem Auto.“

Hätte die Polizei das entsprechende Personal, könnten Millionen eingenommen werden. Allein für das Weiterfahren an der Ampel wären 100 Euro fällig, falls das Licht länger als eine Sekunde rot war. Wer auf dem Rad mit dem Handy telefoniert, muss bisher 25 Euro zahlen; den Autofahrer kostet es 40 Euro.

In der Regel zahlen Radler laut Bußgeldkatalog bei Verstößen bisher die Hälfte. Viele Vergehen werden gar nicht erst geahndet, so müssten eigentlich für das Benutzen der Straße, wenn ein Radweg vorhanden ist, 15 Euro gezahlt werden.

Der GdP-Vorsitzende sprach sich auch für eine Anpassung der Promillegrenze an die für Autofahrer aus. Derzeit wird bei Radlern erst ein Wert ab 1,6 Promille geahndet. Nahrung geben ihm Zahlen aus Münster: 2011 waren 51 Radler, die zu tief ins Glas geschaut hatten, in der Fahrradhochburg an Unfällen beteiligt. Die Mehrzahl hatte mehr als 1,6 Promille. Von 8 in den letzten fünf Jahren getöteten Radfahrern waren 5 alkoholisiert. Bei Unfällen mit Autos hätten zu etwa 50 Prozent die Radfahrer Schuld. Und in Berlin stieg die Zahl der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, 2011 auf 7376, das waren 19 Prozent mehr als 2010.

Die Gewerkschaft der Polizei fordert daher ein Einschreiten der Politik. Sie hat Chancen auf Gehör: Derzeit arbeitet eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe an einem Bericht für die Verkehrsministerkonferenz im Herbst, ob Sanktionen für Radfahrer bei groben Verstößen verschärft werden müssen.


Mit freundlicher Genehmigung der "Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)" - dpa/ew Osnabrück. Der Artikel erschien am 16. April 2012.


Foto: memephoto - pixelio.de