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GdP NRW fordert grundlegenden Strategiewechsel bei der Kriminalitätsbekämpfung

Sprockhövel.

Mehr als 1,5 Millionen Straftaten werden jedes Jahr in NRW verübt, nur knapp die Hälfte wird aufgeklärt. Um das zu ändern, fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) einen grundlegenden Strategiewechsel in der Kriminalitätsbekämpfung: Statt Straftaten in jedem Einzelfall immer mit Hilfe eines komplexen Ermittlungsverfahrens zu verfolgen, könnten Delikte mit geringer krimineller Energie, wie Schwarzfahren, Ladendiebstähle oder Nachbarschaftskonflikte, auch von der Polizei mit einem Bußgeldbescheid geahndet werden.

So wie das im Verkehrsbereich seit langem bereits üblich ist. „Die Strafe würde dadurch auf dem Fuße folgen und nicht wie bislang erst nach monatelanger Verspätung“, heißt es dazu in einem Kriminalpolitischen Programm, das der GdP-Landesbezirk NRW heute auf seiner Beiratssitzung in Sprockhövel vorgestellt hat. Durch den geringeren Arbeitsaufwand würden Polizei und Staatsanwaltschaft in erheblichem Umfang Ermittlungsressourcen frei bekommen, die sie dringend zur Verfolgung schwerer Straftaten benötigen.

„Es geht nicht darum, Straftaten zu bagatellisieren, sondern unser Ziel ist die effektive Verfolgung der Täter“, sagte heute in Sprockhövel GdP-Landesvorsitzender Arnold Plickert. „Überall dort, wo wir in der Vergangenheit mehr Personal eingesetzt haben, ist die Aufklärungsquote gestiegen. Das bringt mehr, als die knappen Ressourcen der Polizei auf die Verfolgung von Kleinstdelikten zu konzentrieren“, erklärte der GdP-Vorsitzende.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die GdP auch deshalb, weil die Polizei mit zahlreichen neuen Herausforderungen konfrontiert ist, von der Bedrohung durch islamistische Terrorgruppen über die Internetkriminalität bis zur wachsenden Alterskriminalität, ohne dass sie in den kommenden Jahren mehr Personal bekommen wird. „Ein ‚Weiter so‘ hilft uns bei der Kriminalitätsbekämpfung nicht. Deshalb führt an einer grundsätzlichen Überprüfung unserer kriminalpolitischen Handlungskonzepte kein Weg vorbei, wenn wir die Straftäter nicht ungeschoren davonkommen lassen wollen“, sagte Plickert.

In dem mehr als 60 Seiten starken Kriminalpolitischen Programm macht die GdP zahlreiche Detailvorschläge, wie die Kriminalität in den einzelnen Deliktfeldern nachhaltig bekämpft werden kann.