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Einsatz am 23.10.2011 in der AWD-Arena

GdP-Niedersachsen: Gewalt rund um den Fußball

Hannover.

Vor dem Spiel Hannover 96 gegen Bayern München kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Besuchern des Blocks N 16 im Stadion und eingesetzten Polizeikräften, weil es Informationen über das Einbringen von verbotener Pyrotechnik gab und es zu aggressivem Verhalten gegenüber Ordnern kam. Der Zwischenfall sowie der Polizeieinsatz werden untersucht.

Die GdP zeigt sich sehr verwundert über schnelle Schlussfolgerungen einiger Kommunalpolitiker über die vermeintliche Unverhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes sowie der Äußerung des Club-Präsidenten Martin Kind, dass er grundsätzlich nichts gegen Pyrotechnik habe, die alle von der Feuerwehr beschriebenen Gefahren vermeide. Dabei, so wird Kind weiter in der Neuen Presse vom 25.10.11 zitiert, sollten im Block dann auch keine Kinder und Familien sein. Dietmar Schilff, GdP-Landesvorsitzender: „Die GdP ist mit den Vereinen im Gespräch und steht weiterhin für Präventionsmaßnahmen und Investitionen in die Fanbetreuung. Wir erwarten aber auch deutliche Worte und Maßnahmen der Vereinsführungen und keinen Kurswechsel bei dem Einsatz von Pyrotechnik.“

Die GdP lehnt den Einsatz von Pyrotechnik in Stadien grundsätzlich ab. Pyrotechnik stellt eine Gesundheitsgefährdung dar und kann zu erheblichen Beeinträchtigungen sowie Sachbeschädigungen führen. Der beißende Qualm lässt sich nicht lenken und sorgt auch in anderen Blöcken und auf dem Spielfeld für Sicht- und Geruchsbehinderungen bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Dietmar Schilff: „Es ist unverständlich, was Pyrotechnik und Fankultur miteinander zu tun haben, ganz abgesehen von Böllern, die zu bösen Verletzungen, wie z.B. Knalltrauma führen. In vielen Stadien haben die Fanclubs tolle Möglichkeiten entwickelt, um ihrer Leidenschaft mit Fahnen, Symbolen, Bannern und anderen Materialien Ausdruck zu verleihen.“

Auch ist die steigende Gewalt rund um die "schönste Nebensache der Welt" bis in die unteren Ligen ein großes Problem. Nach einem Bericht in der Osnabrücker Zeitung (OZ) vom 25.10.2011 ist der Kreis der "Problemfans" unter den Anhängern der 36 Bundesligisten ebenfalls erheblich gewachsen. Die Polizei geht laut OZ von fast 10.000 „Störern“ aus. 7.240 Anhänger stuft sie als „gewaltbereit oder gewaltgeneigt“ (Kategorie B), 2.445 Fans als „Gewalt suchend“ (Kategorie C) ein. Damit ist die Gesamtzahl der Problemfans erneut um 925 oder gut zehn Prozent gestiegen. Im Zehnjahresvergleich ist ein Zuwachs von 3.000 Störern zu verzeichnen. Die Zahl der Strafverfahren gegen Fans verharrt auf hohem Niveau. 5.818 Verfahren leitete die Polizei wegen Straftaten am Rande von Bundesliga- oder Pokal-spielen ein, doppelt so viele wie vor zehn Jahren. In der Saison 2010/2011 sind 846 Menschen zu Schaden gekommen, was einen weiteren Anstieg um 8% zur Spielzeit 2009/2010 bedeutet. Die Einsatzzeiten der Polizei erreichten den zweithöchsten Wert seit 1998. 1,56 Millionen Stunden leisteten die Polizisten 2010/2011.

Viele Polizistinnen und Polizisten sind selber Fußballfans oder spielen Fußball. Inakzeptabel ist es darum umso mehr, dass sie angegangen werden.
Die weit überwiegende Mehrheit der Stadionbesucher ist friedlich und will sich an der Stimmung und an einem guten Spiel erfreuen und lehnt Randale ab. Dietmar Schilff: „Ich bin wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen begeisterter Fußballanhänger. Insoweit kann ich den Ausspruch `Fußballfans sind keine Verbrecher` ausdrücklich unterschreiben. Fankultur und Emotionen sind wichtig und aus den Fußballstadien nicht wegzudenken, aber sie sind ganz bestimmt nicht gleichbedeutend mit Ausschreitungen.“