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Gleichstellungstagung der Frauengruppe (Bund) am 7. - 8. April 2016

Zwei Tage war das Mercure-Hotel MOA in Berlin fest in weiblicher GdP-Hand. Zur Gleichstellungstagung der Frauengruppe (Bund) waren 65 Gleichstellungsbeauftragte sowie der Bundesfrauenvorstand eingeladen. Mit einem breiten Themenspektrum sollten die Gleichstellungsbeauftragten und Beauftragten für Chancengleichheit wie sie in einigen Bundesländern heißen, informiert, in ihrer Arbeit unterstützt und der Blickwinkel auf die Gleichstellungsgesetze in den anderen Ländern und beim Bund geschärft werden.

In ihrer Begrüßungsrede erinnerte Elke Gündner-Ede, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes und zuständig für Frauen- und Gleichstellungspolitik, daran, dass der 23. Bundeskongress 2006 den Antrag der Frauengruppe beschlossen hatte, regelmäßig Treffen der GdP-organisierten Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten durchzuführen. Einen Dank richtete Elke Gündner-Ede an die externen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung für ihre Bereitschaft, an den schriftlichen Befragungen und den Interviews von Dr. Andrea Jochmann-Döll teilgenommen zu haben. „Mit Andrea Jochmann-Döll verbindet uns eine langjährige Zusammenarbeit. Bei vielen Projekten, die von der Hans-Böckler-Stiftung finanziert wurden, haben wir sie unterstützt. Das Projekt „Beurteilungen im Polizeivollzugsdienst“, an denen ebenfalls Teilnehmer/innen dieser Tagung als Interviewpartner/innen teilgenommen haben, ist weit über die Grenzen der GdP bekannt und beachtet.“



Aufgrund einer kurzfristigen Erkrankung einer Referentin wurde das Thema „Reform der Gleichstellungsgesetze – Wohin geht die Reise?“ durch die Mitglieder des Geschäftsführenden Bundesfrauenvorstandes Dagmar Hölzl, Erika Krause-Schöne, Wilma Wäntig und Martina Filla vorgestellt.



Ein Themenschwerpunkt bildete das Ergebnis der Studie „Führen in Teilzeit“ von Dr. Andrea Jochmann-Döll. Zu dieser Thematik waren auch die Interviewteilnehmer/innen aus den Ländern und Bezirken eingeladen, um die Ergebnisse zu hören, zu diskutieren und später im Worldcafe Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Eine gezielte Frauenförderung bei der Polizei kommt nach Überzeugung der Bundesfrauengruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ohne sinnvolle Modelle der Teilzeitarbeit in Führungsfunktionen nicht aus.

Teilzeitarbeit bei Führungskräften ist in den Polizeibehörden Deutschlands noch nicht weit verbreitet. Teilzeitarbeit ist aber ein wesentlicher Faktor zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und wird überwiegend von Frauen praktiziert. Deshalb ist „Führen in Teilzeit“ auch gezielte Frauenförderung. Der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow lobte in seinem Grußwort die Frauengruppe, die mit dem Projekt „Führen in Teilzeit“ ein aktuelles wissenschaftliches Projekt von Dr. Andrea Jochmann-Döll und der Hans-Böckler-Stiftung unterstützt hat. Zu den Gästen der Tagung zählte auch Dr. Wolfgang Schulte von der Deutschen Hochschule der Polizei, der großes Interesse an den Ergebnissen der Studie hatte.



Die Ergebnisse des Projektes AZOLA „Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf“ wurden von Dr. Yvonne Lott, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut, vorgestellt.



Im anschließend stattfindenden Worldcafe hatten die Teilnehmerinnen Gelegenheit zu den Themen
    · Frauengleichstellungsgesetze
    · Führen in Teilzeit
    · Gleichstellungsbeauftragte und Gewerkschafterin – wie können wir voneinander profitieren?
    · Hindernisse und Chancen von Teilzeit und Elternzeit
zu diskutieren.

Am zweiten Tag wurden die Teilnehmerinnen von Holger Münch, BKA-Präsident, begrüßt. In seiner Rede erwies sich Münch als engagierter Verfechter der Frauenförderung in Führungspositionen und plädierte für Modelle, die eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatem flexibel ermöglichen. Es müsse eine Führungskultur gestärkt werden, die darauf ausgelegt sei, Familie und Beruf, Privatleben und Job in Einklang zu bringen, betonte er. Münch weiter: „Unsere gemeinsame Botschaft an die Frauen muss sein: „Gestalten Sie aktiv unsere Berufswelt mit, denn, wer sich zu Hause vor allem um die Kinder kümmert, überlässt den Männern die Gestaltungsmacht in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und auch in der Polizei!“ Es sei betriebswirtschaftlich wenig sinnvoll, gut ausgebildete und fähige Mitarbeiterinnen in Führungsfunktionen zu verlieren, nur weil Teilzeitmodelle fehlten. Münch: „Wir haben schon jetzt große Schwierigkeiten in unserem stark wachsenden BKA, genügend Nachwuchs für den höheren Dienst zu gewinnen. Ebenso darf Teilzeitarbeit nicht das Ende der Karriere bedeuten.“



Mit einem sehr authentischen Vortrag über „Strategische Gleichstellungspolitik“ konnte die frühere Bundesfrauenvorsitzende Marion Dix, Niedersachsen, den Gleichstellungsbeauftragten wichtige Impulse geben. Daran schloss sich ein intensiver Erfahrungsaustausch an. Die Wünsche der Teilnehmerinnen wurden gesammelt, werden ausgewertet und finden bei der nächsten Gleichstellungstagung Berücksichtigung.
Das Fazit der Veranstaltung lautet: Die Schnecke Gleichberechtigung kriecht jedenfalls nicht rückwärts!