Zum Inhalt wechseln

50 Jahre GdP

Grußwort des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dieter Schulte

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren, lieber Norbert, liebe Kolleginnen und Kollegen,


wenn man einem Familienmitglied zum Geburtstag gratuliert, dann ist es eigentlich völlig selbstverständlich, dass dieses Mitglied auch von Geburt an zur Familie gehört.

Der Volksmund sagt sogar: Freunde kann man sich aussuchen, in eine Familie wird man hinein geboren.
Aber bei uns, den Gewerkschaften selbst, ist dieses anders als im richtigen Leben.

Ich gratuliere heute im Namen des Deutschen Gewerkschaftsbundes euch, der Gewerkschaft der Polizei, ganz herzlich zum fünfzigjährigen Geburtstag.
Und ich freue mich besonders, dass ihr seit zweiundzwanzig Jahren Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund seid.
Ihr seid also nicht in unsere Familie hineingeboren, sondern ihr habt sie euch selbst ausgesucht.Ich finde, ihr habt damit eine gute Wahl getroffen.
Und darum fällt mein Glückwunsch ganz besonders herzlich aus.

Die Gewerkschaft der Polizei, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Gewerkschaft der Polizei ist eine starke Säule, sie ist ein anerkannter Partner, und ich greife nicht zu hoch, wenn ich hinzufüge, sie ist auch ein geschätzter und gern gesehener Mitstreiter im DGB.

Euer Einsatz für die Beschäftigen der Polizei, euer Engagement für Bürgernähe und Sicherheitspartnerschaft und euer Kampf für Toleranz und Menschenwürde und für den Frieden in unserem Land und damit für unsere Demokratie, dieser Kampf verdient den Dank und die Anerkennung aller.
Eine demokratische Polizei - und ich möchte auch hier und heute daran erinnern -, dies, liebe Kolleginnen und Kollegen, war in der deutschen Geschichte keine Selbstverständlichkeit.Nur allzu oft wurde die Polizei als Knüppel des Obrigkeitsstaates und in den zwölf finsteren Jahren für den Machterhalt einer verbrecherischen Diktatur missbraucht.
Ihr habt damals - vor 50 Jahren - die Chance der jungen Demokratie Bundesrepublik genutzt.Ihr habt eure demokratischen Rechte in diesem Staat wahrgenommen und eine eigenständige und unabhängige Gewerkschaft gegründet und somit auch im Staatsapparat selbst ein wesentliches Stück Demokratie verwirklicht.
Das war damals ein mutiger und zugleich kluger Schritt.Denn der demokratische Staat baut auf aktive Demokraten, die für ihn arbeiten und die in seinem Namen handeln.

Verehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Polizist sein - das heißt: Harte Arbeit leisten, Tag und Nacht bereit sein, viele persönliche Opfer bringen und ein hohes Risiko tragen.
Wir sind stolz auf die ungeheure Leistung, die unsere Polizei erbringt.

Und wir trauern mit euch um die Kolleginnen und Kollegen, die ihren Dienst für das Gemeinwohl mit dem Leben bezahlen mussten.

Wenn aber dann trotz der harten Arbeit und des Risikos heute immer wieder junge Menschen ihren Berufsweg bei der Polizei beginnen, wenn die Polizeiarbeit in dieser Gesellschaft anerkannt wird, so ist dies nicht zuletzt euer Verdienst.

Mit Kompetenz und Konsequenz habt ihr euch in fünfzig Jahren für bessere Arbeitsbedingungen, für menschenwürdige Arbeitszeiten, für eine gute Ausbildung und für eine zukunftsorientierte Weiterbildung eingesetzt.
Ihr habt euch zugleich für mehr Durchlässigkeit in eurem Beruf, für bessere Aufstiegsmöglichkeiten und für die Gleichstellung der Frauen engagiert.

So ist die Arbeit der "Jungen Gruppe der GdP" vorbildlich, und sie gibt der gewerkschaftlichen Jugendarbeit viele zusätzliche Impulse. Dafür ein Dankeschön an eure Jugendorganisation.

Auch eure Mitgliederwerbung und Mitgliederbetreuung ist auf einem guten Weg. Ihr seid eine der wenigen Gewerkschaften und in manchem Jahr die einzige, deren Mitgliederstatistik nach oben weist.

Das ist einerseits Ausdruck des Vertrauens in eure Leistung und macht andererseits Hoffnung, dass auch andere ebenso positive Ergebnisse erzielen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mehr denn je sind die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes auf gegenseitige Unterstützung angewiesen.
Denn wir brauchen die gegenseitige Solidarität aller im Kampf um humane Arbeitsbedingungen in einem funktionsfähigen Sozialstaat.
Und wir wollen gemeinsam in den nächsten Jahren die Tarifmauer überwinden, die unser Land immer noch in Ost und in West teilt.

Auch werden sich die Gewichte im Bund durch die Zusammenschlüsse einiger Gewerkschaften verschieben.
Der Bund selbst ordnet seine Strukturen neu, und ich bin dir, lieber Norbert, dankbar für deine Unterstützung und deinen Rat.
Zusammenhalt und der solidarische Interessenausgleich werden weiter unsere Zusammenarbeit bestimmen.
Dafür werde ich sorgen, und da bin ich sicher: Dies wird uns gemeinsam gelingen.

Wir stehen, liebe Kolleginnen und Kollegen, verehrte Gäste, vor neuen Herausforderungen.Eine globale Wirtschaft, globale Finanzströme und weltweite Informationsnetze, ein im Inneren grenzenloses Europa, das sich für die mittel- und osteuropäischen Nachbarn öffnen will, dies alles stellt ganz neue Anforderungen an jeden von uns.
Ihr seid leider nur allzu oft mit den negativen Seiten dieser Entwicklung konfrontiert:
  • organisierte Kriminalität, >li>grenzüberschreitende Verbrecherbanden,
  • Wirtschafts- und Umweltvergehen in großem Stil.
Um in diesem Kampf bestehen zu können, muss die Polizei besser ausgerüstet sein, und sie muss stärker von der Politik unterstützt werden.

Ich füge aber auch hinzu: Trotz aller Probleme liegen in der Globalisierung ungeheure Chancen, Chancen auf Wachstum und neue Arbeit, Chancen auf neues Wissen und neue Freiheit. Was aus der Zukunft wird, das müssen wir alle mitentscheiden und mitgestalten. Wir brauchen in unserem Land, in Europa und in der internationalen Gemeinschaft nicht weniger Politik, wir brauchen mehr Politik.

Arbeit und soziale Gerechtigkeit, Beteiligung und Mitbestimmung, persönliche Entfaltung und Solidarität, dies sind traditionelle Ziele der Gewerkschaften.
Aber sie sind gerade in Zeiten des Umbruchs wichtiger denn je.

Hermann Lutz hat im Bundesvorstand des DGB immer darauf hingewiesen, wenn im Kampf gegen die Gewalt die Polizei gerufen wird, dann ist das Kind schon meistens in den Brunnen gefallen.Ich sage: Nur eine sozial gerechte und eine solidarische Gesellschaft gibt den Menschen Sicherheit.
Wir müssen den Menschen die Angst vor der Zukunft nehmen, sie müssen erfahren, dass sie bei allem Wandel, bei aller notwendigen Bereitschaft zur Veränderung ein Stück Sicherheit haben und dass sie vor allem auf dem Weg in die Zukunft mitkommen können.

Wir - die Gewerkschaften und die demokratischen Parteien - sind aufgefordert, der Zukunft Richtung und Ziel und damit den Menschen eine Orientierung zu geben, wohin unsere Gesellschaft sich entwickeln soll.
Dann, liebe Kolleginnen und Kollegen, dann können wir auch jenen Rattenfängern endlich das Wasser abgraben, die schon wieder in Deutschland ihr Unwesen treiben.Wer gegen die Gewalt von Skinheads und Neonazis nur nach dem starken Staat ruft, der muss auch immer sagen, was er selbst dazu beitragen kann, um Demokratie und Toleranz im Alltag durchzusetzen.
Und ich warne auch ausdrücklich davor, hier den Menschen in den neuen Ländern die Schuld zuzuschieben. Rechtsextreme Gewalttäter treiben in allen Teilen unseres Landes und auch in den europäischen Nachbarländern ihr Unwesen, und wir müssen ihnen überall entgegentreten mit Zivilcourage und mit persönlichem Engagement.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir Gewerkschaften streiten für ein soziales Europa.
Wir wollen soziale Rechte in Europa verankern und die europäische Mitbestimmung durchsetzen.

Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir werden auch unsere Organisationen auf den Prüfstand stellen müssen und fragen, ob wir nicht auch wirklich europäische Gewerkschaften brauchen.Auf der EXPO in Hannover arbeiten Polizisten vieler Länder bereits Hand in Hand.
Und ich frage, warum sollten nicht auch Gewerkschafter aus vielen Ländern Hand in Hand arbeiten und dabei althergebrachte Grenzen überwinden.
Ihr, die GdP, habt seit fünfzig Jahren eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Polizeigewerkschaften anderer Länder aufgebaut.
Was die Zukunft bringt, das wird man immer erst im Rückblick wissen.
Aber ich bin sicher:
Wir Gewerkschaften sind für die Zukunft gerüstet.

Ich wünsche euch allen und wünsche dir, lieber Norbert, mindestens für die nächsten fünfzig Jahr Glück und Erfolg.
[365]