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Konrad Freiberg im Interview mit der Kölnischen Rundschau

"Keine Schleuse vor jeder Gerichtstür“

Berlin.

"Die Gefahren müssen bewertet werden. Wenn jetzt ein Gericht zu dem Schluss kommt, man muss da mehr tun, ist das in Ordnung", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Konrad Freiberg nach der Schießerei im Landshuter Landgericht gegenüber der Kölnischen Rundschau. Lesen Sie hier das Interview im Wotlaut:

Konrad Freiberg ist Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Jens Meifert sprach mit ihm über Sicherheitsschleusen vor Gerichtsgebäuden.


Kölnische Rundschau: Vor dem Gericht in Landshut gab es keinerlei Eingangskontrollen. Und es ist nicht die erste Tat dieser Art in einem Justizgebäude. Brauchen wir Kontrollen vor der Tür?
Freiberg: Die Frage muss jedes Gericht selbst beantworten. Ob nämlich eine besondere Gefährdungslage vorliegt. Man kann nicht alle deutschen Gerichte mit Einlasskontrollen ausstatten, das ist kaum machbar. Und wenn man diesen Fall betrachtet, ist es doch auch mehr oder weniger Zufall, wo die Tat begangen wurde.

Aber es entsteht der Eindruck, dass erst etwas passieren muss: In Köln hat ein vergleichbarer Fall im Jahr 1995 dazu geführt, dass jeder Besucher des Justizzentrums durch eine Sicherheitsschleuse gehen muss. Auch in Landshut wird das jetzt diskutiert werden.
Man soll diese Fragen ja auch stellen. Die Gefahren müssen bewertet werden. Wenn jetzt ein Gericht zu dem Schluss kommt, man muss da mehr tun, ist das in Ordnung. Wenn etwa Fälle von organisierter Kriminalität behandelt werden, dann muss das vielleicht auch sein. Aber ich glaube nicht, dass wir generell vor jedem Gebäude Kontrollen brauchen.

Aber sind Gerichte, wo nun mal Konflikte mit hohem emotionalen Potenzial verhandelt werden, nicht generell Gefährdungsorte?
Ja, aber das haben Sie bei jeder Scheidungsklage. Dann müssen Sie ganz Deutschland schützen. Ich bevorzuge die Prüfung des Einzelfalls um gegebenenfalls Schutz zu beantragen. In der Tat von Landshut halte ich etwas ganz anderes für entscheidend: Woher hatte der Mann die Waffe?

Also die Frage nach dem Besitzrecht.
Ja, durfte er sie haben? Hatte er sie illegal besorgt? Und: Gab es vorher Anzeichen, dass er ein Tötungsdelikt plant? Bei Beziehungstaten gibt es da häufig vorher Signale.

Quelle: Kölnische Rundschau, 7. April 2009