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Der GdP-Bundesvorsitzende im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung (LVZ):

Freiberg: „Gewalt findet weniger in den Stadien statt“

Berlin.

Im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung bekräftigte der GdP-Bundesvorsitzende Konrad Freiberg die Forderung, dass der Profi-Fußball sich stärker als bisher an der Vorsorge gegen Gewalt im Umfeld der Stadien engagieren müsse. Mit Unverständnis reagierte Freiberg auf die ausbleibende Einladung der GdP zu einem am nächsten Freitag stattfindenden "Runden Tisch" zur Gewalt im Fußballgeschehen. Freiberg: "Wir haben Runde Tische initiiert, Fußball-Gipfel abgehalten und uns seit zwei Jahren ganz konzentriert der Vorbeugung von Fußball-Gewalt zugewendet. Es ist der Sache ganz bestimmt nicht dienlich, wenn uns die Innenminister von den Gesprächen jetzt ausschließen. Unsere Gewerkschaft vertritt 170 000 Mitglieder, das sind rund 60 Prozent der Polizeibediensteten in Deutschland." Bitte lesen das Interview im Wort laut nach dem Klick auf...

LVZ: 1,7 Milliarden Steuern und Abgaben führt die Deutsche Fußball-Liga jährlich ab. Eine gute Rechnung für den Staat, da Fußball-Veranstaltungen inklusive Polizeieinätzen nur rund 200 Millionen Euro jährlich kosten?
Konrad Freiberg: Die Forderung nach Bezahlung der Polizeieinsätze ist sehr populistisch, aber sie geht an den wirklichen Problemen völlig vorbei. Die Zunahme von Gewalt ist ein allgemeines gesellschaftliches Problem. Mittlerweile findet die Gewalt rund um den Fußball immer weniger in den Stadien statt, sondern oft auf öffentlichen Plätzen und auf den Wegen zu den Stadien.

Gäbe es verfassungsrechtliche Wege, den Profifußball stärker an den Polizei-Einsatzkosten zu beteiligen, aber beispielsweise nicht die Organisatoren von Anti-Atom-Großkundgebungen?
Rechtlich wäre es möglich, die erste Bundesliga durch höhere Sicherheitsgebühren an den Einsatzkosten zu beteiligen. Aber den meisten Ärger, die größten Polizeikosten entstehen eben außerhalb der Stadien oder bei Spielen der unteren Ligen, da wo die Vereine wenig Geld haben.

Fußball wirkt gewaltfördernd und nicht gewaltmindernd. Das ist erwiesen. Welche Verantwortung erwächst daraus?
Natürlich stehen die Vereine in der Verantwortung. Das wissen auch der DFB und die Deutsche Fußball-Liga. Heute ist nicht mehr so sehr der gegnerische Fan, sondern der Polizeibeamte das Ziel der Gewalt rund um den Fußball. Die Vereine müssen natürlich mehr in Sicherheit, stärker in betreute Fan-Projekte und noch mehr in gute Ordnungsdienste investieren. Das gilt insbesondere auch für unterklassige Vereine. Der Profi-Fußball muss sich auch finanziell an einem Plus an Sicherheit im Amateurbereich beteiligen. Alleine können die das nicht. Aber die Innenminister können nicht so tun, als ob sie keine Verantwortung tragen. Sie sind dafür verantwortlich, dass Tausende von Polizistenstellen gestrichen wurden, dass die Ausrüstung der Polizei mangelhaft ist und dass die Arbeitsbelastung für die Polizisten nahezu unzumutbar geworden ist.

Ist die Polizei nicht gelegentlich auch mit selbst Ursache für Eskalation, wenn sie im Vorfeld gegenüber Fans bisweilen allzu robust auftritt?
Wer vorbeugend abschreckend wirken will, muss auch große Präsenz demonstrieren. Außerdem gab es sogar schon Mordversuche gegen Polizisten im Rahmen von Fußball-Einsätzen. Die Kollegen spüren genau, dass es gewalttätiger und gefährlicher geworden ist. Auch deshalb muss die Polizei geschützter als früher auftreten. Das wirkt nach außen nicht immer entspannend. Das bedauern wir selbst sehr.

Am 23. April treffen sich die Innenminister und die Fußballspitze zum Gewaltgipfel. Was erwarten Sie sich?
Unsere bisherigen Gespräche mit dem DFB und der DFL haben gezeigt, dass wir alle sehr problembewusst sind. Das beginnt schon mit der besseren Koordination bei der Spielplanung. Völlig unverständlich ist es, dass die Innenminister uns bei dem Gipfel außen vor lassen. Wir haben Runde Tische initiiert, Fußball-Gipfel abgehalten und uns seit zwei Jahren ganz konzentriert der Vorbeugung von Fußball-Gewalt zugewendet. Es ist der Sache ganz bestimmt nicht dienlich, wenn uns die Innenminister von den Gesprächen jetzt ausschließen. Unsere Gewerkschaft vertritt 170 000 Mitglieder, das sind rund 60 Prozent der Polizeibediensteten in Deutschland.

Das Interview führte LVZ-Hauptstadtkorrespondent: Dieter Wonka