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Castor-Transport 2008:

Polizei leistet gute Arbeit unter enormen Belastungen

Berlin/Gorleben.

„Die Polizei hat beim Castor-Transport unter enormen Belastungen gute Arbeit geleistet. Sie hat den Spagat zwischen dem Schutz friedlicher Demonstrationen und der konsequenten Verfolgung von Gewalttaten geschafft“, bilanziert der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, den Einsatz. Die elf Behälter aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage mit radio-aktiven Abfällen waren gegen Mitternacht im Zwischenlager in Gorleben eingetroffen.

Sorge bereitet der GdP die zunehmende Gewaltbereitschaft militanter Kernkraftgegner. Freiberg: „Reisende Gewalttäter haben die Anti-Atomkraftbewegung als neues Betätigungsfeld für sich entdeckt.“ Die Krawallmacher würden die legitimen Demonstrationen der Kernkraftgegner für Randale und brutale Übergriffe missbrauchen. Freiberg befürchtet, dass „das Problem im kommenden Jahr massiv zunehmen wird, weil der Streit um die Atomenergie durch den Bundes-tagswahlkampf weiter angeheizt wird“.

Freiberg appellierte an die Politiker aller Parteien, den Streit um die Kernenergie nicht für eigene Zwecke zu missbrauchen. „Wenn hier an der Eskalationsschraube gedreht wird, müssen meine Kolleginnen und Kollegen das im Einsatz ausbaden.“



Bernhard Witthaut, Vorsitzender der GdP-Niedersachsen und der niedersächsische PHPR-Vorsitzende Martin Hellweg im Gespräch mit dem Leiter des Einsatzabschnitts Aufklärung, Kriminaldirektor Bernd Deutschmann.

Der Vorsitzende des GdP-Landesbezirks Niedersachen und stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut drängt auf ein Konzept zur Endlagerung. Witthaut: „Solange dieses Problem nicht gelöst ist, wird die Region nicht zur Ruhe kommen. Die Castor-Transporte und die Diskussion um Gorleben belasten die Polizei in Niedersachsen seit Jahren bis an ihre Grenzen. Die normale polizeiliche Arbeit kommt über weite Strecken zum Erliegen.“

Bereits am Samstag war der Zeitplan für den Transport heftig durcheinandergeraten, nachdem sich an der deutsch-französischen Grenze drei Personen an die Gleise gekettet hatten und somit die Weiterfahrt des Zuges um zwölf Stunden verzögerten. Im Lauf des Sonntags hatten hunderte Gegner im Wendland erneut versucht, den Transport durch Sitzblockaden, Unterhöhlung des Gleisbetts und brennende Barrikaden aufzuhalten. Am Nachmittag ketteten sich erneut zwei Demonstranten an. Von einer Brücke über der Bahnlinie seilten sich am Abend zwei weitere Atomkraftgegner ab. Kurz vor Mitternacht kletterten drei Demonstranten auf einen der Castor-Behälter.

Brennende Barrikaden machten kurzfristig den Einsatz von Wasserwerfern zum Ablöschen notwendig. Wegen massiver Übergriffe auf die eingesetzten Polizeikräfte und Beschuss von Dienstpferden mit Pyrotechnik, war zeitweilig Schlagstockeinsatz unumgänglich. Auch Hubschrauber seien mit Signalmunition beschossen worden. Auf beiden Seiten gab es Verletzte, mehrere Hundert Personen mussten in Gewahrsam genommen werden.

Bernhard Witthaut, stellvertretender GdP-Bundesvorsitzender und Vorsitzender des Landesbezirks Niedersachsen: „Uns war klar, dass die aktuelle Diskussion um die Kernenergie den Zulauf und die Aktivitäten ihrer Gegner beim diesjährigen Transport erhöhen würde. Immerhin zählte die traditionelle Demonstration in Gorleben am Samstag rund 15000 Teilnehmer. Mit großer Sorgen müssen wir auch beobachten, dass die Gewaltbereitschaft des militanten Teils der Kernkraftgegner ebenfalls angestiegen ist.“

Bundesweit waren mehrere Brandstiftungen gegen Betriebseinrichtungen der Deutschen Bahn AG verübt worden. Nach derzeitigen Ermittlungen wurden die Straftaten durch bisher unbekannte Täter auf der Rheintalstrecke bei Karlsruhe sowie im Bereich Hamburg – Reinbek, Großraum Berlin, Hamm und Wiesbaden begangen. Durch den Einsatz von Brandbeschleunigern führten Schwelbrände und offene Brände zu erheblichen Sachschäden an Kabeln für Signal- Funk- und Telefonanlagen. Dadurch mussten die jeweiligen Teilstrecken für die Dauer der Schadenbeseitigung gesperrt werden. Witthaut: „Auch nach dem aktuellen Transport wird die Region wegen der Debatte um das Endlager in Gorleben nicht zur Ruhe kommen.“

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sorgte mit der Veröffentlichung Strahlenmessungen an den Behältern kurz vor dem Straßentransport für Aufregung. Nach ihren Angaben setzen die neuen französischen Atommüll-Behälter deutlich mehr Neutronenstrahlung frei als die alten Castor-Behälter. Die von den Behältern ausgehende Strahlung sei eigenen Messungen zufolge 40 Prozent höher als beim Castor-Transport 2005. Nach Angaben einer Sprecherin des Eisenbahnbundesamtes in Bonn sind die durch das Gefahrengutrecht vorgegebenen Grenzwerte allerdings eingehalten.

Besuch bei der Gesamteinsatzleitung: (v. l.) Friedrich Niehörster (Präsident der Polizeidirektion Lüneburg); Matthias Oltersdorf (Vizepräsident PD Lüneburg); Frank Freienberg aus dem Führungsstab; Reiner Fischer (Gewerkschaftssekretär GdP-Niedersachsen) und der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg.

Auch die Gewerkschaft der Polizei war mit starken Kräften beim diesjährigen Castor-Transport im Einsatz. Personalräte und Vertrauensleute aus allen Entsenderländern und
allen Ebenen suchten Kolleginnen und Kollegen vor Ort auf, um sich von der Qualität der Betreuung zu überzeugen. Kleinere Anliegen und Probleme konnten so vor Ort geregelt werden. Am Samstag hatte sich GdP-Bundesvorsitzender Konrad Freiberg ein Bild von der Lage verschafft. Nach Besuchen in mehreren Unterkünften und Gesprächen mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen zieht er eine positive Bilanz: „Die Unterbringung erfüll trotz ihrer Bandbreite - von Hotel über die Kaserne bis zum Container – die Qualität, für die die GdP viele Jahre gekämpft hat.“



(v. l.) Martin Hellweg ( PHPR-Vorsitzender Niedersachsen); Friedrich Niehörster (Präsident der Polizeidirektion Lüneburg); Matthias Oltersdorf (Vizepräsident PD Lüneburg); Thomas Osterroth (Präsident der Bundespolizeidirektion Hannover); GdP-Vorsitzender Konrad Freiberg; Rainer Fischer (Gewerkschaftssekretär) und der niedersächsische GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut

Siehe auch: „Gourmet-Tipps aus der Fünf-Sterne-Küche