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Psychische Belastungen im Vordergrund der Beratungen

Problem: Kranke Polizisten – Experten erörtern Gründe und Gegenmaßnahmen

Potsdam/Berlin.

Wie gesund ist die Polizei? Und vor allem, woran krankt es dort? Immer besorgniserregendere Zahlen zum Krankenstand in den Reihen der deutschen Polizei haben die Gewerkschaft der Polizei (GdP) alarmiert. So fallen nach offiziellen Verlautbarungen beispielsweise sächsische Polizeibeamte häufig doppelt so lange aus wie andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Täglich müssten in Sachsen 1.000 der 11.000 Kolleginnen und Kollegen vom Dienst fernbleiben. Bei der Brandenburger Polizei entfallen statistisch gesehen im vergangenen Jahr auf einen Beamten 35,7 Krankentage und damit 1,5 Tage mehr als 2013. Jeden Tag fehlen so etwa 820 der insgesamt 8200 Polizisten. In Berlin seien nach Angaben der GdP rund 1.000 Beamte berufsunfähig, unklar sei, wie viele Kollegen sich noch krank zur Arbeit schleppten. In Niedersachsen seien etwa acht bis neun Prozent der Kollegen langfristig krank, in manchen Bereichen liege die Zahl noch höher und damit fast doppelt so hoch wie in Teilen der freien Wirtschaft. Auch in Nordrhein-Westfalen lag bei der Polizei 2013 die Krankenquote mit acht Prozent und fast einer Million Krankentage über dem Landesschnitt.

Rund 100 Gewerkschafter, Personalräte und Experten aus dem ganzen Bundesgebiet wollen sich diesem Problembereich auf dem 5. Arbeitsschutzsymposium der Gewerkschaft der Polizei (GdP) am 25. und 26. März 2015 in Potsdam intensiv widmen. Im Fokus der Fachdebatten stehen die Themen „Ärzte in der Polizei“, mögliche krankheitsfördernde Zusammenhänge zwischen Arbeits- und Privatleben, das Finden von Lösungsansätzen zur Verringerung psychischer Belastungen im Dienst und die Klärung der Frage, ob eine betriebliche Gesundheitsförderung oder ein strategisches Gesundheitsmanagement mehr positive Aspekte für die Beschäftigten vorhält.



"Aktuell hohe Aufmerksamkeit für das Thema in der Politik": Prof. Isabel Rothe, Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bei ihrem Leitvortrag zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Foto: GdP/Immel


Dietmar Schilff, stellvertretender GdP-Bundesvorsitzender und zuständig für Arbeitsschutz: „Dramatische Aufgabenzuwächse und massiver Personalabbau lasten immer schwerer auf den Schultern meiner Kolleginnen und Kollegen, egal ob Beamte oder Tarifbeschäftigte. Hinzu kommt – wie zuletzt in Frankfurt am Main –zunehmende, immer öfter brutale Angriffe auf die Einsatzkräfte. Es wird für die Polizei von Tag zu Tag schwieriger, den berechtigten Ansprüchen der Bevölkerung nach hohen Sicherheitsstandards gerecht zu werden – und dabei gesund zu bleiben.“



"Deutlich verbesserte Diagnosen": Prof. Dr. Andrea Fischbach, Deutsche Hochschule der Polizei, über "Fakten, Halbwahrheiten und totalen Blödsinn". Foto: GdP/Immel


Konsequenteres Handeln der politisch und in der Polizei Verantwortlichen beim Arbeitsschutz und für die Gesundheit der Beschäftigten sei dringend erforderlich, so der GdP-Vize. Gehe es um die Ursachen belastungsbedingter Krankheitsausfälle seien die Sichtweisen jedoch nicht immer praxis- und sachgerecht. Die nachhaltige negative Wirkung jahrelanger Sparpolitik auf den Gesundheitszustand der Beschäftigten werde auf den Regierungsbänken und in den Ministerien entweder schlichtweg ignoriert, in sogenannten Strukturreformen verschleiert oder in Arbeitsgruppen verschoben. Schilff: „Um die Gesundheit unserer Kolleginnen und Kolleginnen spürbar besser zu schützen, müssen wir schnell wirksame Mittel und Maßnahmen finden. Dementsprechende Forderungen wird die GdP unbeirrt weiter erheben.“

Link: Mehr Hintergrund Thema Burn-out - IV. Arbeitsschutzsymposium der Gewerkschaft der Polizei