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GdP-Personalkampagne "Wir brauchen Verstärkung" aktueller denn je

Radek bei N24: "Die Schlüsselfrage bei der innerern Sicherheit ist die Personalfrage"

Berlin.

Die Schlüsselfrage bei der inneren Sicherheit sei die Personalfrage, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Jörg Radek dem TV-Nachrichtensender N24 am Montag in Berlin. Angesichts offensichtlicher Verabredungen in sozialen Netzwerken von gewaltbereiten Personen äußerte Radek die Sorge vor einem gesellschaftlichen Klimawandel. „Die Polizei hat das staatliche Gewaltmonopol, doch dazu muss sie in die Lage versetzt werden“, stellte der GdP-Vize fest.

Vor dem Hintergrund der Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof in der Silversternacht forderte Radek einen ehrlichen Umgang mit den Vorfällen. Dabei dürfe es keine Tabus geben, mahnte er. Weiterhin forderte er die konsequente Ausweisung kriminell gewordener Ausländer, Grenzkontrollen, die nach tatsächlicher Gesetzeslage vollzogen werden können, sowie ein sogenanntes Lagebild der Kriminalität in und rund um Flüchtlingsheime.

Die operative Zusammenarbeit der Polizeikräfte funktioniere unterdessen gut, auch die Möglichkeit unterstützende Polizeikräfte, auch aus anderen Bundesländern, zu bekommen, sei grundsätzlich gegeben. Radek: „Das Problem liegt nicht bei der Polizei, sondern bei der Politik. Dort werden politische Schwerpunkte definiert, die die Polizei dann eben umsetzen muss.

In Gesprächen mit der Politik habe er oft genug Taubheit diagnostiziert, wenn es um die gravierenden Personallücken bei der Polizei ging. „Da haben viele Politiker die Kostenbrille aufgesetzt, aber die Opferperspektive völlig außer Acht gelassen“, sagte der Gewerkschafter. Ein entsprechender Sinneswandel komme zu einem Zeitpunkt in Gang, wo die geburtenschwachen Jahrgänge auf den Ausbildungsmarkt kommen. „Deshalb muss der Beruf des Polizisten so attraktiv gemacht werden, dass er bei jungen Menschen Interesse weckt. Fakt ist, wir verdienen ja keine Reichtümer. Es ist ja nicht so, dass jede und jeder Polizeibeamter werden will.“

Die öffentlich geäußerte Kritik einiger Politiker, die Polizei habe vor allem in Köln nicht ordentlich gearbeitet, wies Radek zurück. Seine Kolleginnen und Kollegen hätten insbesondere ein Entschuldigung Bundesinnenministers de Maizière verdient.


GdP startete bundesweite Kampagne gegen Personalabbau - Radek: „Polizei braucht Verstärkung!“

Berlin. Mit einer bundesweiten Kampagne für mehr Personal startete die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Ende November 2015 in Berlin einen dringenden Appell an die Regierungen in Bund und Ländern für eine sofortige Abkehr der jahrelangen Sparpolitik bei der Polizei. Unter dem Motto „Wir brauchen Verstärkung“ machte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek deutlich, dass seit der Jahrtausendwende rund 16.000 Stellen ersatzlos weggefallen seien. „Die Polizei ist gezwungen, sich aus der Fläche zurückzuziehen. Deshalb hat die Polizei schon Reviere schließen müssen. Das gefällt den Menschen hierzulande nicht. Das wird uns immer wieder zugetragen“, sagte Radek. Jetzt müsse der Druck auf die Politik konzentriert werden.



Link: zum GdP-YouTube-Channel


„Unsere Kolleginnen und Kollegen werden seit Jahren mit immer mehr Aufgaben betraut – der Bekämpfung des Terrorismus, des Rechts- und Linksextremismus, der organisierten Kriminalität, dem Schutz von Demonstrationen und Fußballspielen, den zunehmenden Einbrüchen in Wohnungen, der Bewältigung der Flüchtlingskrise und vieles mehr.“ Diese Herausforderungen nehme die Polizei an. Doch immer weniger Polizistinnen und Polizisten machten immer mehr Überstunden. „Das geht längst in die Millionen“, betonte der GdP-Vize. Zudem hinterließen die permanent hohen Belastungen deutliche Spuren in den Krankenlisten. So fallen in Berlin nach GdP-Angaben rund 1.000 der etwa 16.000 Beamten längerfristig aus. Unklar sei, wie viele Kollegen sich krank zur Arbeit schleppten. In anderen Ländern erreiche die Krankenquote fast zehn Prozent.



Foto-Arbeiten für das Titelbild der Dezember-Ausgabe von "DEUTSCHE POLIZEI". Foto: Zielasko




Nach einer inszenierten „Kriminellen-Demonstration“, die vor dem Brandenburger Tor überschäumende Freude über die dünne Präsenz der Polizei darstellte, forderte Radek Bürger, Polizisten, ihre Angehörigen und Freunde auf, die Abgeordneten in den Parlamenten mit ihrem Ärger über zu wenig Polizei zu konfrontieren. „Wer damit nicht zufrieden ist, dass die Polizei ihre alltäglichen Aufgaben wegen zu wenig Personal schleifen lassen muss, der möge mit uns gemeinsam und laut nach Verstärkung rufen.“



Auch ein sogenanntes Making of wurde gefertigt. Fotos (2): GdP/Hagen Immel


Die Kampagne wird mit Plakatmotiven, Radiospots, Online-Bannern und der eigenes geschalteten Webseite „wir-brauchen-verstaerkung.info“ die Forderung der Gewerkschaft der Polizei in die Lande tragen.




"Wir werden nicht locker lassen"
Der stellvertretende Bundesvorsitzende Jörg Radek erläutert in einem Interview die numehr gestartete, neue GdP-Kampagne für mehr Personal.


DEUTSCHE POLIZEI: Die GdP hat eine Kampagne gestartet für mehr Personal bei der Polizei. Warum hat sich der Bundesvorstand dafür entschieden, mit einer Kampagne in die Offensive zu gehen?
Jörg Radek: Weil es notwendig ist. 16.000 Stellen wurden seit Ende der neunziger Jahre gestrichen, um Haushaltslöcher zu stopfen und die schwarze Null anzusteuern. Aber die Polizei hat ja nicht weniger zu tun. Es wird auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen und der öffentlichen Sicherheit gespart. Damit muss Schluss sein, wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Polizisten und Polizisten, wir dürfen nicht weiter Personal abbauen, sondern müssen dringend aufstocken, um die Personallücke zu schließen. Die Botschaft der Kampagne lautet deshalb: Wir brauchen Verstärkung.

DP: Warum handelt die Politik nicht? Fehlt es an der Einsicht oder am politischen Willen?
Radek: Wenn man mit den Ministern oder Abgeordneten spricht, haben sie immer Verständnis. Aber Geld in die Hand nehmen, das wollen sie dann doch nicht. Es gibt dann immer Gründe, warum es gerade nicht geht. Und deshalb hat der GdP-Bundesvorstand entschieden: Es reicht! Wir müssen öffentlichen Druck mit einer Kampagne machen, damit sich was ändert.



Link: Videoberichterstattung über die GdP-Kampagne auf "stern.de" Foto: Screenshot stern.de


DP: Die Kampagnenmotive zeigen Kriminelle auf frischer Tat, die sich über den Personalmangel freuen. Für die GdP eine ungewöhnliche Kampagne.
Radek: Ja, wir wollen neue Wege beschreiten. Natürlich ist es gewagt, wenn ausgerechnet die Gewerkschaft der Polizei fröhliche Kriminelle zeigt. Aber wer Aufmerksamkeit will, der muss lauter sein als andere, muss überraschen und zuspitzen. Und das tut die Kampagne. Deshalb haben wir uns für diesen Weg entschieden.

DP: Welche Rolle spielt die Flüchtlingskrise in der Kampagne?
Radek: Das ist ein schwieriges Thema. Natürlich ist die Flüchtlingskrise eine zusätzliche Belastung für die Polizistinnen und Polizisten, das ist ja offensichtlich. Ein Beispiel: Seit Einführung der Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze sind eine halbe Million Überstunden angefallen. Die Kolleginnen und Kollegen dort sind am Limit oder schon weit darüber hinaus. Aber wir haben uns bewusst entschieden, die Flüchtlingskrise in der Kampagne nicht aufzugreifen.



DP: Warum?
Radek: Da kann schnell der Eindruck entstehen, dass wir nur mehr Polizei brauchen wegen der Flüchtlinge. Das ist aber falsch. Wir haben diese Kampagne schon geplant, als von einer Flüchtlingskrise noch keine Rede war. Den Personalmangel haben wir auch nicht erst seit ein paar Wochen oder Monaten, sondern seit Jahren und er ist politisch herbeigeführt worden. Die Flüchtlingskrise verursacht noch mehr Arbeit, weil wir Grenzen kontrollieren, Asylunterkünfte schützen, Demonstrationen begleiten und Konflikte unter den Flüchtlingen beilegen müssen. Aber auch ohne das Thema Flüchtlinge hätten wir zu wenig Personal und würden diese Kampagne machen.

DP: Wo wird die Kampagne laufen?
Radek: Wir hatten jetzt den bundesweiten Auftakt in Berlin und werden im nächsten Jahr den Schwerpunkt auf die Bundesländer legen, weil dort über Geld und Personal bei der Polizei entschieden wird, sieht man von Bundespolizei und Bundeskriminalamt ab. Der Anfang ist gemacht und wir haben noch eine lange Wegstrecke vor uns. Aber die Kolleginnen und Kollegen sind hoch motiviert. Wir haben einen langen Atem und wir werden nicht locker lassen, bis die Personalstärke bei der Polizei auch den vielen Aufgaben entspricht, die wir zu erledigen haben. Die Polizistinnen und Polizisten machen ihre Arbeit gerne und gewissenhaft, aber wir brauchen mehr Leute, um den Job zu erledigen. Und darum appelliere ich auch an die Kolleginnen und Kollegen: Macht mit bei dieser Kampagne, motiviert Eure Familien und Freunde, macht Druck auf Eure Abgeordneten, damit sich etwas ändert.