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Sparmaßnahmen der Vergangenheit verstärken Personalkollaps

"Stuttgart21": GdP-Landeschef Seidenspinner fordert Umdenken bei Verantwortlichen

Eberdingen.

Mit jedem weiteren Einsatztag in Stuttgart, anlässlich der dortigen Proteste um Stuttgart 21, wächst der Unmut unter den Polizeibeschäftigten. „Durch die Tatsache, dass man vor Jahren aus fiskalischen Gründen von der bis dato vorherrschenden Mann-/Frauausstattung i.S. Einsatzausstattung abgekommen ist, verstärkt sich der Personalkollaps bei der Polizei“, bemängelt Rüdiger Seidenspinner, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Baden-Württemberg.

Bis zur Fußball-WM 2006 war jeder Polizeibeamte und jede Polizeibeamtin mit einem Einsatzanzug und einem Schutzhelm ausgestattet.
Weil damals die alten „Römerhelme“ ausgetauscht werden mussten, bekamen nicht mehr alle Polizeibeamtinnen und –beamte Einsatzanzüge und Schutzhelme.

„Lediglich 1/3 aller Beamtinnen und Beamten der Einzeldiensthundertschaften“, so der GdP-Chef weiter, „sind für solche Einsätze ausgerüstet. Teilweise haben Dienststellen aus dem eigenen Budget nachbestellt, doch nicht jeder im operativen Dienst verfügt darüber.“

Seidenspinner weiter: „Teilweise wurde auch kein Ersatz für defekte oder nicht mehr passende Einsatzanzüge gekauft, denn auf Grund der Umstellung auf die blaue Dienstkleidung wollte man sich das Geld für grüne Einsatzanzüge sparen. Doch die Ausstattung der Einzeldiensthundertschaften mit blauen Einsatzanzügen, soll sich nun bis 2015 verzögern.“

Seit Jahren kritisiert die Gewerkschaft der Polizei, dass sich die Verantwortlichen lieber mit Statistiken und Zahlenspielereien anstatt mit einem gesunden und vor allem fachkundigen Polizeiverstand um eine sinnvolle Mann-/bzw. Frauausstattung gekümmert haben.

„Es war uns damals schon klar“, so der GdP-Vorsitzende, „dass wir eines Tages hierfür die Rechnung präsentiert bekommen.“

„Mit ‚Stuttgart 21‘ haben wir eine Großlage, bei der – im ständigen Wechsel – zahlreiche unserer Kolleginnen und Kollegen, nach Stuttgart fahren müssen. Da nicht alle mit Einsatzanzug und Schutzhelm ausgestattet sind, fahren immer die Gleichen nach Stuttgart. Das belastet zusätzlich.

Kommen dann noch andere Einsätze, wie Fußballspiele oder andere Demos hinzu, dann wird es verdammt eng. Doch leider bezahlen nicht diejenigen die Rechnung, die berechnet und geplant haben, sondern die Polizeibeamtinnen und -beamten,“ kritisiert Seidenspinner.