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GdP unterstützt Forschungsprojekt der Universität van Amsterdam

Wie wirken sich Schichtdienstbelastungen auf das Erkennen von Emotionen aus?

Hilden.

Der emotionale Ausdruck im Gesicht eines Menschen ist äußerst vielschichtig. Wir sind in der Lage unserem Umfeld feinste Unterschiede in unserer Gefühlslage durch bestimmte Gesichtsausdrücke zu vermitteln.

Oftmals ist diese nonverbale Sprache genauer, als dass, was wir mit Worten sagen können. Wegen der feinen Unterschiede muss natürlich auch der Interaktionspartner diese richtig interpretieren können. Es ist leicht verständlich, dass Polizeibeamte diese Fähigkeit gerade in kritischen Situationen besitzen müssen: Wie aggressiv ist ein Mensch in einer selbstschutzrelevanten Situation, wie verzweifelt im Kontext von Suiziden, wie ernst nimmt er die Anwesenheit von Beamten im Allgemeinen? Interpretiert man die Situation falsch, also das was der Mensch emotional kommuniziert, kann es zu Fehleinschätzung oder Eskalation kommen. Üblicherweise sind erfahrene Beamte in der Lage, durch jahrelange Übung und eine große Menge von Interaktionen mit Bürgern aller Arten, diese Emotion gut zu erkennen, einzuschätzen und adäquat darauf zu reagieren. Unter besonderen Belastungen allerdings, so die Vermutung der mit dieser Studie nachgegangen werden soll, reduziert sich die Kompetenz, trotz aller Erfahrungen. Beamte, die unter starken sozialen Belastungen stehen, und der Schichtdienst mit seinen Auswirkungen gehört im Vergleich mit anderen Berufen dazu, erleiden möglicherweise unbewusst Einbussen in ihrer Kompetenz Emotionen wahrzunehmen und adäquat darauf zu reagieren. Aus einer belastenden, stressenden Ausgangslage, beispielsweise gegen Ende einer Schicht, kann so ein nervenaufreibender Einsatz werden, in dem nichts so läuft wie sonst. Die automatischen Routinen, auf die man sich sonst so gut verlassen kann, sind aus dem Gleichgewicht. Glücklicherweise kann man Emotionserkennung und –verarbeitung trainieren um diese Einbussen auszugleichen. Sollte sich also zeigen, dass beispielsweise Schichtdienstbelastungen hier einen negativen Effekt haben, dann ist das Ziel dieser Forschung den Beamten einfache Trainingsmöglichkeiten an die Hand zu geben, mittels derer das übliche, im Beruf notwendige Niveau der Emotionserkennung und -verarbeitung gesichert werden kann.
Dieses von Prof. Jonas initiierte Forschungsprojekt verspricht wertvolle Informationen für den Bereich Aus- und Fortbildung. Gerade die -in der Psychologie nicht unumstrittene- Menschenkenntnis bildet für den einschreitenden Polizisten oft die einzige Möglichkeit, eine Person einzuschätzen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich dabei um ein Einschreiten gegen einen so genannten "Störer" im polizeirechtlichen Sinne handelt, oder ob eine Todesnachricht überbracht werden muss.
Langjährige Beobachtungen bestätigen, dass die Wahrscheinlichkeit, das Verhalten einer Person in einer konkreten Situation unter Einbezug deren Gestik und Mimik zu bestimmen, sehr hoch ist.
Insofern ist die Studie zu begrüßen, da sie im Ergebnis Erkenntnisse liefert, die modular in die Aus- und Fortbildung der Polizei eingebaut werden können.

Daher unterstützt die GdP die Studie von Prof. Jonas gerne und bittet hiermit die Leser von DEUTSCHE POLIZEI möglichst rege den -im Übrigen sehr interessanten- Online-Fragebogen -völlig anonym- zu bearbeiten. Der Link zum Fragebogen ist:

www.virtlab.de/schichtdienstbelastung.php