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Von Zwickau bis China

Ampeln aktuell

Ampelmädchen-Rechnung könnte aufgehen

Nun endlich versüßt ein berockt, bezopftes Ampelmädchen den Aufenthalt der noch altmodisch vor dem Rotlicht verharrenden und vom Grünlicht beruhigt dahin schreitenden Fußgänger – zumindest im sächsischen Zwickau.

Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie dem von 1522 bis 1525 erbauten Gewandhaus am Hauptmarkt, der Gedenkstätte des Komponisten Robert Schumann, dem spätgotischen Dom St. Marien und dem Automobilmuseum August Horch kann sich die von Thüringen, Bayern und Tschechien eingerahmte Heimstätte der „Trabi-Rennpappe“ die mutmaßlich erste (?) gleichberechtigte Fußgängerampel auf die Fahnen schreiben.

Die Stadtvorderen wollen jetzt in einer dreimonatigen Testphase die Entscheidung reifen lassen, ob weitere Vertreter des klassisch männlichen Berufsstandes der Ampelmännchen einer Geschlechtsumwandlung unterzogen werden sollen.

Ob sich männliche Rotlicht-Flegel nun eher davon abhalten lassen, die Straße widrigerseits zu überqueren? Das könnten die pfiffigen Zwickauer Verkehrsexperten ja im Sinn haben. Und gegen solch ein Ergebnis dieser Ampelmädchen-Rechnung ist ja auch kaum etwas einzuwenden.


Chinesische Ampeln bestens bewacht

In China dagegen verlässt man sich nicht nur auf die natürliche Autorität wie auch immer geschlechtlicher Ampelzeichen. Dort hat jede Ampel einen eigenen Bewacher, einen so genannten Verkehrswart. Kai Strittmaier portraitierte für die Süddeutsche Zeitung einen solchen namens Li Changhai. Der 48-jährige achtet mit drei weiteren Kollegen an einer der zahlreichen Kreuzungen Pekings darauf, dass Radfahrer die Lichtzeichen tatsächlich beachten. Würden dort nämlich keine Verkehrswächter stehen, so vertraut Li Changhai dem SZ-Journalisten an, ginge es drunter und drüber in Chinas Metropole.

Strittmaier sagt, Li sei ein freundlicher Ampelwächter. Seine Kollegen schimpften, wenn sich Radfahrer den Anweisungen widersetzten. Doch er ziehe die Leute nicht vom Rad oder beschimpfe sie.
Ein Polizist ist Herr Li übrigens nicht. Seine Anweisungen erhalte er von einem Verkehrspolizisten in der Kreuzungsmitte. Die Chinesen gehen auf Nummer Sicher.

Zum Schluss noch eine kleine historische Notiz: unter der Führung Maos stoppte an roten Ampeln niemand; denn Rot bedeutete einst in China Fortschritt und Aufbruch. Rot, so wurde propagiert, dürfe niemals anhalten, mit Rot gehe es immer voran. Bei Grün habe man dafür warten müssen.