Zum Inhalt wechseln

GdP-Fachtagung "Vereinbarkeit Beruf, Familie und Pflege" am 5./6. Juni 2013 in Hannover

Hannover.

Auf der GdP-Fachtagung „Vereinbarkeit Beruf, Familie und Pflege“ trafen sich vom 5. – 6. Juni 2013 in Hannover über 60 Gleichstellungsbeauftragte und Hauptpersonalräte, um das Thema in Theorie und Praxis zu beleuchten.

Auf der GdP-Fachtagung „Vereinbarkeit Beruf, Familie und Pflege“ trafen sich vom 5. – 6. Juni 2013 in Hannover über 60 Gleichstellungsbeauftragte und Hauptpersonalräte, um das Thema in Theorie und Praxis zu beleuchten. Den theoretischen Überbau lieferten Dr. Christina Stockfisch und Frank Meissner vom DGB-Projekt „Vereinbarkeit Beruf und Familie gestalten“ mit ihren Vorträgen zur aktuellen Projektarbeit, wie auch zu lebenslauforientierten Arbeitszeiten.


Dr. Christine Stockfisch und Frank Meissner Foto: Terweide


Wie Vereinbarkeitsfragen in der Polizei in Bremen gelöst werden, stellte Gerd Rippe sehr dezidiert in seinem Vortrag dar. Die Polizei in Bremen ist durch die Hertie-Stiftung auditiert und leistet sich ein Koordinierungsteam, bestehend aus zwei Personen, die speziell für Fragen der Vereinbarkeit im Zusammenhang mit der Arbeit bei der Polizei in Bremen zur Verfügung stehen. Die Polizei in Bremen hat im Rahmen des Audits mehrere Aufgabenfelder identifiziert, die dazu beitragen, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege zu verbessern, aber auch die Ressource Personal besser zu nutzen.

Diese sind im Einzelnen:
  • Dienstvereinbarung zur Arbeitszeit
  • Reduzierung von Ausfallzeiten
  • Alternierende Telearbeit
  • Altersgerechte Personalentwicklung
  • Pflegemanagement in Kooperation mit Pflegestützpunkten
  • Betreuung abwesender Mitarbeiter/innen
  • Netzwerkpflege
  • Führungskräftesensibilisierung und Qualifizierung
Sigrid Holschen, ehemalige Gleichstellungsbeauftragte in Bremen, stellte das Projekt „Ersthelfer in Notfällen“ vor. Ziel des Projekts ist es, bei plötzlich auftretenden Pflegefällen eine/einen Ersthelfer/in für den „Erstangriff“ zur Verfügung zu stellen. Der Ersthelfer analysiert mit den Angehörigen die Situation und gibt Ratschläge, wie die Notfallsituation in den Griff zu bekommen ist. Regelmäßig wird dabei mit den Pflegestützpunkten in Kontakt getreten, es gibt aber auch Unterstützung bei Beihilfefragen oder juristischen Fragestellungen. Die Notfallhelfer sind Tag und Nacht erreichbar und für ihren Einsatz geschult und erhalten als aktive Kolleginnen und Kollegen am Einsatztag frei bzw. Rentnerinnen und Rentner (Pensionäre) erhalten eine Kostenpauschale von 50 Euro, die die Polizei Bremen bezahlt, sollte jemand aus dem aktiven Dienst betroffen sein.

Praktische Beispiele zur Lösung der Problemstellung kamen aber nicht nur von der Polizei in Bremen, sondern ebenso aus der Kreispolizeibehörde in Paderborn. Hier stellten Stefanie Lange (Gleichstellungsbeauftrage) und Jörg Wegge (Personaldezernent) die Maßnahmen ihrer Behörde zur Verbesserung der Vereinbarkeit vor. Die Kreispolizeibehörde wurde im Rahmen des DGB-Projektes „Vereinbarkeit Beruf und Familie gestalten“ beraten. Als Tätigkeitsfelder wurden vorgestellt:
  • flexible Arbeitszeiten durch Einführung von Rotationsstellen
  • Betreuung und Bindung von Mitarbeitern/innen
  • Wiedereingliederung nach längerer Abwesenheit
  • Beratungsangebote hinsichtlich Pflege und Kinderbetreuung
  • Zugang zu Führungsfunktionen in Teil- und Vollzeit
Auch die von Martina Filla vorgestellte Broschüre des Bundesfrauenvorstandes zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie enthält eine Vielzahl von Beispielen guter Praxis, die Anregungen für Problemlösungsansätze in den Dienststellen geben sollen. Diese GdP-Broschüre kann über die Landes- und Bezirksgeschäftsstellen bezogen werden.

Die Referenten der Tagung schafften es nicht nur bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Problembewusstsein für diese Problematik zu schärfen, sondern es wurden auch ganz konkrete Lösungsansätze und Konzepte vorgestellt.


Teilnehmerinnen und Teilnehmer Saarland Foto: Terweide


Ein Ziel der Tagung war u. a. auch die Vernetzung von Gleichstellungsbeauftragten und Personalräte, die durch diese gemeinsame Fachtagung vorangetrieben werden soll, das betonte auch Arnold Plickert, stellvertretender GdP-Bundesvorsitzender, der wie auch Dietmar Schilff (ebenfalls stellvertretender GdP-Bundesvorsitzender) und Elke Gündner-Ede (zuständiges GBV-Mitglied für Frauen und Gleichstellungspolitik), mit ihrer Anwesenheit bewiesen, dass das Thema einen hohen Stellenwert in der GdP einnimmt.

Den krönenden Abschluss bildete die Podiumsdiskussion, die sehr souverän von Carmen Tietjen, DGB NRW und Frank Meissner, DGB-Projekt, moderiert wurde. Carmen Tietjen betonte eingangs, dass sie die Thematik der Vereinbarkeit schon seit 1979 begleitet. Damals war es ein reines Frauenthema, dass jedoch mit einer zunehmend sehr gut ausgebildeten Frauengeneration und dem Anspruch der Väter, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, mehr und mehr in den Fokus der Behörden- und Unternehmensleitung gerückt ist. Die Podiumsteilnehmer/innen stellten fest, dass es innerhalb der Behörden einen bunten Strauß an individuellen Lösungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Pflege gibt. Teilzeit ist – je nach Aufgabengebiet - grundsätzlich kein Problem mehr in den Behörden. Elisabeth Schulte, ehemalige Gleichstellungsbeauftragte in NW kritisierte jedoch, dass Teilzeit gleichzeitig das Karriereende bedeutet. Das konnten auch die Podiumsteilnehmer Steffi und Steffen Loth bestätigen.


Arnold Plickert und Elke Gündner-Ede (Podiumsdiskussion) Foto: Terweide


Bei den Vorgesetzten und der Behördenleitung ist sehr wohl bekannt, das teilzeitbeschäftigte Kollegen/innen gute Leistungen erbringen, jedoch auf der Karriereleiter stehen bleiben. Elke Gündner-Ede betonte, dass die Bewertungskriterien bei den Beurteilungen und den Beurteilenden verändert werden müssen. Bei fast 40.000 weiblichen Mitgliedern in der GdP und vielen männlichen Kollegen, die teilzeitbeschäftigt sind, muss das Tempo der Veränderungen forciert werden. Adi Plickert, Landesvorsitzender NW betonte, dass die Polizeiführung die demografische Entwicklung der nächsten Jahre nicht aus dem Auge verlieren darf. In den Polizeipräsidien die von Polizeipräsidentinnen geführt werden, haben Frauen besser die Möglichkeit, in Führungsfunktionen aufzusteigen. Insgesamt waren die Podiumsteilnehmer/innen sich jedoch einig, dass die Akzeptanz für die Vereinbarkeit gestärkt werden muss.

Zum Abschluss rief Martin Schilff, BP, dazu auf, den Opfern der Flutkatastrophe zu helfen. Der DGB hatte ein Spendenkonto eingerichtet „DGB-Gewerkschaften helfen“. Betroffen von der verzweifelten Situation vieler Flutopfer wurden innerhalb weniger Minuten 460,00 € gesammelt und auf das DGB-Konto überwiesen.