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Ausgabe September 2016

Die Stimmungslage kippt. In der anhaltenden Debatte über zunehmende Gewalt gegen die Polizei sowie geeignete Maßnahmen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden neuerdings Stimmen laut, die eine Zunahme der Angriffe auf Polizisten und Polizisten grundsätzlich bestreiten.

Verhältnis zwischen Bürger und Polizei: Eine Beziehungskrise spitzt sich zu

Die Polizei gerät damit in den Verdacht, ihre Erfahrungen im Dienst unnötig zu dramatisieren. Die als widerständisch oder provokant erlebten Reaktionen ihrer Klientel wären somit nur Ausdruck einer dem Berufsstand eigenen Überempfindlichkeit. Denn – so wird argumentiert – die „gefühlt wachsende Gewaltbedrohung“ lasse sich empirisch gar nicht belegen.

Im Gegenteil: 99,85 Prozent aller Einsätze verliefen nach einem Medienbericht ohne körperliche oder verbale Gewalt gegen die Polizei. Davon ist der frühere Leiter des Planungsstabs beim Polizeipräsidium in Köln, Udo Behrendes, überzeugt.

Einmal angenommen, es handele sich hier um die Bagatellisierung eines tatsächlich hohen Widerstandspotenzials in der Gesellschaft, dann erscheint eine solche Fehleinschätzung grundsätzlich und besonders angesichts der Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus und die wachsende Fremdenfeindlichkeit für die Polizei folgenschwerer zu sein, als umgekehrt eine möglicherweise von anderer Seite betriebene Überschätzung der Widerstands- und Gewaltbereitschaft. Dass Aussagen, die sich in Prozentzahlen dokumentieren lassen, allgemein und ebenso innerhalb der Polizei besondere Überzeugungskraft besitzen und deshalb häufig überbewertet werden, dürfte allseits bekannt sein.

Wenn man aber bedenkt, dass der genetische Unterschied zwischen Schimpansen und Menschen weniger als ein Prozent beträgt, müssen doch auf Prozentangaben gestützte Behauptungen misstrauisch machen.

Weitere Themen:

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