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GdP-Symposium "Fußball und Gewalt"

Situationen, die an Bürgerkrieg erinnern

Berlin.

Zahlreiche Praxis erprobte Polizeibeamte aus dem gesamten Bundesgebiet berieten am 14. und 15. Mai 2009 im von der Gewerkschaft der Polizei im Berliner Olympiastadion veranstalteten Symposium „Fußball und Gewalt“ über die zunehmende Gewaltbereitschaft im Zusammenhang mit dem Fußballgeschehen. Der Bremer Innensenator und aktuelle Vorsitzende der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder, Ulrich Mäurer, zeigte sich im Verlauf der Veranstaltung über die Menge der Einsätze, die der Polizei entgegenschlagenden Brutalität und die Anzahl verletzter Einsatzkräfte entsetzt: „Die Einsätze der Polizei gegen diese Krawall suchenden Gruppen haben drastische Ausmaße angenommen. An Wochenenden gibt es Situationen, die an Bürgerkriege erinnern. Ganze Straßenzüge sind anschließend nicht mehr begehbar. Daran kann ich mich nicht und will ich mich nicht gewöhnen.“

Aus Bremen berichtete er: „Nur um einmal die Dimensionen deutlich zu machen; die Bremer Polizei hat vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt die Reisenden aus sechs voll besetzten Bussen geschlossen in Gewahrsam genommen.“


Der Bremer Senator des Innern, Ulrich Mäurer, will sich an Fußballkrawalle nicht gewöhnen.
Die MdB's Heidi Wright und Frank Hofmann (beide SPD) konnte der für Großlagen im Geschäftsführenden GdP-Bundesvorstand zuständige Jörg Radek begrüßen. Die Plätze des DFB und der Fanprojekte blieben leider leer.

Gewaltspirale dreht sich weiter
Die Gewaltspirale, so Jörg Radek, für polizeiliche Großlagen zuständiges Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand, in seinem Begrüßungsstatement, bereite generell Anlass zu großer Sorge. Sie drehe sich weiter, wie die Polizeieinsätze der letzten Wochen gezeigt hätten. Fast 500 verletzte Kolleginnen und Kollegen habe ein einziger Einsatz am 1. Mai in Berlin gefordert. Die unvermittelte und brutale Gewalt, die den Polizisten dort anlässlich einer so genannten politischen Demonstration entgegen geschlagen war, sei symptomatisch für das gewesen, was im täglichen Dienst seit Jahren zu verzeichnen sei: „Angriffe auf Polizeibeamte nehmen zu, die Hemmschwelle, ihnen erhebliche Verletzungen zuzufügen oder gar ihren Tod in Kauf zu nehmen sinkt“, sagte Radek.

Damit einhergehend registriere die Polizei einen zunehmenden Autoritäts- und Respektsverlust. Deutlich werde dies in der Zunahme von Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte um über 25 Prozent in den letzten sieben Jahren. Radek: „Polizeibeamte werden heute weit häufiger als früher auch bei normalen Festnahmeaktionen sehr massiven und oft auch tätlichen Anfeindungen des Beschuldigten sowie seiner Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn ausgesetzt.“

Eben auch bei Fußballspielen hätten Ausschreitungen drastisch zugenommen. Sie lägen rund 30 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Gewaltorientierte Hooligans sogar bei Spielen der Amateurligen seien alltäglich geworden.

„Die Gewerkschaft der Polizei hat dazu auch den Deutschen Fußballbund als Dachverband für den deutschen Fußball eingeladen“, erklärte Radek, doch müsse er die Teilnehmer des GdP-Symposiums enttäuschen. Im Rahmen der DFB-Sportgerichtsbarkeit und seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung hätte die Gewalt im Fußballgeschehen auch ein Thema für den DFB und seine Vereine sein sollen. Radek: „Wir hätten dem Deutschen Fußballbund gerne auf dieser Veranstaltung Gelegenheit gegeben, seine Sicht darzustellen. Leider ist es dazu nicht gekommen.“

Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB): "Politischen Druck auf DFB ausüben."
Interview: Friedrich Eichele, Präsident der Direktion Bundesbereitschaftspolizei fordert mehr Engagment von der Deutschen Bahn.

DFB ein „Staat im Staate“
In der kommenden Fußball-Sommerpause, so regte im Verlauf des Symposiums der Bremer Innensenator und SPD-Politiker Mäurer an, solle ein Spitzengespräch unter Führung des Bundesinnenministers Dr. Wolfgang Schäuble stattfinden. An einem runden Tisch sollten dann alle mit dem Fußballgeschehen befassten Verbände, Institutionen und staatliche Organisationen ein gemeinsames Vorgehen zur Bekämpfung der Fußballgewalt vereinbaren.

Auch die weiteren Teilnehmer der Podiumsdiskussion sowie die Referenten, die zum Auftakt des Symposiums einen umfassenden und schonungslosen Blick auf das Gewaltgeschehen im Zusammenhang mit Fußballeinsätzen ermöglichten, unterstützten den Vorschlag des Senators, möglichst bald einen „Fußballgipfel“ zu veranstalten, äußerten sich aber irritiert über das Fernbleiben von Vertretern des Deutschen Fußballbundes und der Koordinierungsstelle Fanprojekte bei diesem Symposium.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Gerd Landsberg, sagte: „Es sieht so aus, als wolle der DFB mit der negativen Seite des Fußball nichts zu tun haben. Ein Lösung des Gewaltproblems im Fußballgeschehen lässt sich aber nur erzielen, wenn alle Beteiligten sich einbringen. Es kann nicht sein, dass der Fußball-Bund mit dem Spiel viel Geld verdient und dann zu so einer bedeutsamen Veranstaltung nicht kommt.“ Nun müsse eben politischer Druck auf den DFB ausgeübt werden: „Eine Einladung von Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble wird DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger wohl nicht ausschlagen“, so Dr. Landsberg weiter.

Viele der Teilnehmer waren vor kurzem noch im 1. Mai-Einsatz.
Notizen für die Fragerunde.

In die gleiche Kerbe schlug der Präsident der Direktion Bundesbereitschaftspolizei in Fuldatal, Friedrich Eichele. Mit dieser Veranstaltung sei man einen wichtigen Schritt gegangen, um die Brisanz des Themas stärker zu verbreiten. Er verstehe die Absage des DFB nicht.

Der Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder, Jürgen Schubert sagte: „Die Fans gehören zum Verein, deshalb endet die Verantwortlichkeit der Vereine nicht am Stadiontor." Er berichtete, dass die Gesamtzahl der verletzten Personen in der Saison 2007/2008 einen in den letzten zwölf Jahren nicht erreichten Höchststand darstellten. Unter den 501 Personen waren 111 Polizeibeamte, 151 Störer und immerhin 239 Unbeteiligte. Ziehe man die Oberliga hinzu, so waren es gar 932 Personen (187 Polizeibeamte, 398 Störer, 347 Unbeteiligte), die in Zusammenhang mit Fußballspielen verletzt wurden. Auch die Zahl der von der Polizei geleisteten Einsatzstunden, so Inspekteur Schubert, sei auf Rekordniveau. Rund 1, 4 Millionen Arbeitsstunden stünden zu Buche. Während die Länder eine Steigerung von 8,1 Prozent hinnehmen mussten, belief sich die Zunahme im Bund auf 23,3 Prozent.

Jürgen Schubert, Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder: Die Verantwortlichkeit der Vereine endet nicht am Stadiontor.
EPHK Arnold Plickert: Die ZIS-Zahlen beschreiben nur die halbe Wahrheit.

Einen Gesamtüberblick über die Entwicklung des kriminellen Geschehens außerhalb des Spielfeldes stellte den Teilnehmern der Bochumer Erster Polizeihauptkommissar Arnold Plickert vor. Plickert, zudem Mitglied des GdP-Bundesfachausschusses Bereitschaftspolizei, bemängelte, dass die von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) erhobenen Zahlen das tatsächliche Geschehen nicht vollständig abbildeten. Es fehlten Daten über das Strafaufkommen, das Störeraufkommen und die Arbeitsbelastung der Polizei von mindestens drei weiteren, unterklassigen Ligen. Die ZIS-Zahlen, so Plickert, beschrieben tatsächlich nur die halbe Wahrheit.


Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg, der noch bis kurz vor Beginn der Veranstaltung versucht hatte, einen hochrangigen Vertreter des DFB für die Teilnahme am GdP-Symposium zu gewinnen, bilanzierte: „Notfalls müssen eben dann Spiele abgesagt werden, wenn die Polizei nicht über ausreichende Reserven verfügt. Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga scheinen für diese Problematik offenbar nur über ihren Geldbeutel sensibilisieren zu sein.“ Damit, so Freiberg weiter, sei aber nicht die Forderung nach einer Bezahlung von Polizeieinsätzen gemeint. Dies sei einerseits steuerrechtlich kaum umzusetzen. Andererseits könne ja kaum einem Verein eine Polizeieinsatz-Rechnung präsentiert werden, wenn sich dessen Fans an irgendeiner Autobahnraststätte oder bei einem Halt auf einem Wald-und-Wiesen-Bahnhof mit anderen Randalierern prügelten. Freiberg: „Verweigert sich der DFB aber einer gemeinsamen Lösungsfindung, so sollte diese Diskussion eröffnet werden.

Jörg Radek und GdP-Vorsitzender Konrad Freiberg sehen erschreckende Beweissicherungs-Aufnahmen.
Polizeidirektor Uwe Kilz, Präsident Friedrich Eichele und Prof. Michael Knape stellen sich den Fragen der Kollegen und der Presse.

Schon am ersten Tag der Veranstaltung war der Unmut über die Absage der Fußballvertreter unter den Teilnehmern des Symposiums deutlich vernehmbar. Schieres Unverständnis gepaart mit vernehmbarer Verstimmung sorgten dann auch während der Pausen für die eine oder andere an die Adresse des DFB gerichtete Unmutsäußerung. Auf den Punkt brachte es Prof. Michael Knape, Direktor beim Polizeipräsidenten Berlin und Leiter der Direktion 6, die die Berliner Bezirke Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg polizeilich abdeckt: „Der DFB glaubt, eine Welt für sich zu sein, er meint, er sei ein Staat im Staate“.

Maßgeschneiderte Einsätze
Übereinstimmend brandmarkten Diskutanten und Referenten die hohe Belastung der geschlossenen Einheiten, die oft von Einsatz zu Einsatz gehetzt würden. Ohnehin sei ein „Dienstfrei“ meist nur noch reine Theorie. In der Schuld stünden einige Länder, die einen radikalen Abbau ihrer Bereitschaftspolizei betrieben haben. Das sei natürlich billiger. Dadurch verweigerten sie aber auch ihre Hilfeverpflichtung gegenüber den Ländern, die ihre BePo eben nicht massiv reduziert haben. Konrad Freiberg: „Zwischen 2000 und 2006 sind in Deutschland rund 10.000 Polizeivollzugsbeamte abgebaut worden. Da ist es doch kein Wunder, wenn die Kolleginnen und Kollegen nicht mehr aus den Stiefeln kommen.

Friedrich Eichele schilderte teils unzumutbare sanitäre Zustände in Zügen......
....während sein Referent Klaus-Peter Götz den Vortrag steuert.

Senator Mäurer: „In Bremen schiebt die Polizei rund 300.000 Überstunden vor sich her, bald werden es wohl 500.000 Stunden. Ich würde das gerne auszahlen, aber das gibt der Haushalt nicht her.“ Die Polizei der Freien Hansestadt Bremen habe heute den niedrigsten Personalstand seit 30 Jahren. Zwar habe man wohl die Talfahrt hinter sich, doch bis man die künftigen Neueinstellungen „polizeilich abschöpfen“ könne, vergingen eben noch ein paar Jahre. Mäurer: Da müssen wir jetzt durch.“

Auch der ehemalige GSG-9-Chef und heutige Präsident der Direktion Bundesbereitschaftspolizei sieht die Bereitschaftspolizeien der Länder zu schmal aufgestellt. Die jetzige Situation ließe sich nur über eine bessere Koordination der Kräfte beherrschen. Eichele: „Oft sind die Kräfteanforderungen der Länder überdimensioniert, weil man auf Nummer sicher gehen will. Ich plädiere klar für maßgeschneiderte Personaleinsätze.“ Wenn sich doch noch unerwartete Lücken ergäben, so könnten hochmobile Kräftereserven beispielsweise durch die Luft schnell an den Einsatzort gebracht werden.

Prof. Knape präsentierte seine ungefähre Faustregel, dass es regelmäßig zu Ausschreitungen komme, wenn die Polizei mit Stärken von unter 500 Beamten im Einsatz sei. Lediglich wenn ein Großaufgebot vorgehalten werde, bleibe das Ereignis vergleichsweise friedlich.

Politisierte Fan-Gruppen
Die Gewalt am Rande des Fußballgeschehens sei in der Berichterstattung der Medien meist nur eine Randnotiz, kritisierte der IMK-Vorsitzende Ulrich Mäurer. Zu selten würden entsprechende Bilder gezeigt, was letztlich dazu führe, dass die überbordende Gewalt, der die Polizei ausgesetzt ist, in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ausreichend vorkomme. Mäurer: „Wir erleben momentan einen Wandel bei Fußball-Gewalttätern. Es handelt sich immer öfter um schwarz gekleidete und vermummte Personen, die die Auseinandersetzung mit der Polizei förmlich suchen.“ Man könne den Eindruck gewinnen, diese Gruppen hofften fast darauf, keine gegnerischen Fans zu treffen, um sich dann gegen die Polizei zusammenzurotten.“

Immer wieder nutzten die Teilnehmer die Saalmikrofone, ...
...um Referenten, wie PD Uwe Kilz, um weitere Einschätzungen zu bitten.

Der mit der Leipziger und Dresdener Fußballszene vertraute Polizeidirektor Uwe Kilz konnte dem nur zustimmen. „Die Polizei ist das Feindbild vieler Ultras. Sie fühlen sich gegängelt und reagieren beispielsweise aggressiv auf das Verbot des Abbrennens von Pyrotechnik. Für besonders gefährlich hält Uwe Kilz aber die Politisierung einiger Ultra-Gruppierungen. Hier vereinten sich einerseits die traditionelle Abneigung gegen den Verein des Anderen, andererseits kollidierten extreme politische Auffassungen. So träfen beim Lokalderby zwischen dem FC Sachsen Leipzig, dessen Fanlager Beziehungen zur örtlichen linken Szene unterhält, und dem 1. FC Lok Leipzig mit Tendenzen zu rechtsextremen Gedankengut, Vereine aufeinander, die schon aufgrund dieser Konstellation einen entsprechend starken Polizeieinsatz erforderten. Er machte zudem den demographischen Faktor Sachsens für die zunehmende Gewaltbereitschaft im regionalen Fußballgeschehen verantwortlich: „Da viele junge Frauen das Land verlassen haben, verzeichnen wir in Sachsen einen deutlichen Männerüberschuss. Offenbar wollen sie ihren Frust darüber beim Fußball loswerden, trinken reichlich und gehen dann in der Gruppe los.“

Polizei ist Angriffsziel Nr. 1
In der Berliner Fußballszene, so Direktionsleiter Prof. Knape in seinem Impulsreferat, würden seit Jahren große Teile der Anhängerschaft unterklassiger Vereine äußerst gewalttätig auftreten. Vereinseigene Ordner seien bei so genannten Risikospielen zum Teil mit dunklen Sonnenbrillen, vor allem aber mit Pfefferspray und Quarzsandhandschuhen ausgestattet. Prof. Knape: „Eine solche Ausrüstung ist offensichtlich notwendig, weil gewalttätige Aktionen der eigenen Fans zu befürchten sind. Eine spürbare Verbesserung dieses Zustandes ist nicht festzustellen. Im Gegenteil: Betritt die Polizei Zuschauerblöcke, um Maßnahmen der Ordner zu unterstützen, diese verabredungsgemäß gegen Störer zu schützen, werden die Einsatzkräfte von vermummten Gewalttätern angegriffen. Es wird mit Eisen- oder Holzstangen auf die Polizeibeamten eingeprügelt, sie werden mit Bier gefüllten Bechern beworfen, Toilettenhäuschen werden umgeworfen, Zäune, sogar in Massivbauweise, werden eingerissen, um schneller in größeren Horden die Polizei angreifen zu können, um beispielsweise Festgenommene aus dem Zugriff der Polizei zu befreien.“

Die Antwort auf die Frage des bayerischen GdP-Vorsitzenden Harald Schneider ....
...blieb Prof. Michael Knape, Direktor beim Polizeipräsidenten Berlin und Leiter der Direktion 6, nicht schuldig.

Sowohl Verantwortliche des zuständigen Fußballverbandes als auch Vertreter der Polizei kämen bei derartigen Ereignissen immer wieder zu einem eindeutigen Ergebnis: Gewalttätige Aktionen würden vor allem immer dann gestartet, wenn es gegen die Polizei gehe. Sie ist unbestritten Angriffsziel Nummer 1 von Hooliganhorden.“ Er selbst, so der Direktor beim Polizeipräsidenten, habe den Vereinen schon zahlreiche Gesprächsangebote gemacht. Angenommen haben diese aber zumeist nur die Clubs, mit denen es kaum Ärger gebe.

Läuft der Fußball aus dem Ruder?: (v.l) IMK-Vorsitzender und Bremer Senator Ulrich Mäurer, der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg, Präsident Friedrich Eichele, DStGB-Hauptgeschäftsführer Dr. Gerd Landsberg und Moderator Oliver Bendixen vom Bayerischen Rundfunk bei der Podiumsdiskussion.

Über die Öffentlichkeit Gewalt ächten
Die Öffentlichkeit müsse, so der IMK-Vorsitzende Mäurer, mit solchen, erschreckenden Bildern stärker konfrontiert werden. Es reiche nicht, wenn es in der Tagesschau heiße: ‚Am Rande des Spiels zwischen dem FC X und der Spielvereinigung Y wurden bei Ausschreitungen 50 Polizeibeamte und 30 Randalierer verletzt, 90 Personen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen – und nun das Wetter’. Der GdP-Vorsitzende Freiberg glaubt auch, ein Desinteresse bei den Medien wahrzunehmen: „An Gewalt gegen die Polizei haben sich viele Nachrichtenredaktionen offenbar schon gewöhnt. Nur, was gäbe es für einen Aufschrei, wenn aus einem Schwarzen Block Steine auf Politiker oder Manager fliegen würden?“

Die Fragerunden an die Referenten .....
managte Moderator Oliver Bendixen.

Auch der Vertreter des Städte- und Gemeindebundes, Dr. Landsberg, erkennt eine mediale Verharmlosung der Gewalt. Es müsse ein Ziel sein, die Medien wieder für diese Thematik zu gewinnen, um eine gesellschaftliche Ächtung der Gewalt zu befördern. Eine Möglichkeit, so Dr. Landsberg, wäre das Führen einer „Gewaltverhinderungstabelle“, aus der für jeden ersichtlich sei, welche Vereine sich bei der Gewaltprävention besonders ins Zeug lege. Das Gegenteil davon hält der GdP-Vorsitzende für effektiver: „Die Vereine, in deren Umfeld regelmäßig Krawalle passieren, werden so mit einem bundesweit wirkenden negativen Image belegt. Das ist für diese Clubs schon allein finanziell von Bedeutung.“

Alkohol und Sport passen nicht zusammen
Große Einigkeit herrschte über die teils verheerende Wirkung von Alkohol bei Großveranstaltungen vor. Prof. Knape: „Alkohol in Stadien stellt die Polizei vor große Probleme. Alkohol und größere Zuschauermengen passen einfach nicht zusammen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Alkohol nicht nur zu einer Beeinträchtigung der körperlichen Koordination, sondern grundsätzlich auch zur Enthemmung, verbunden mit einer steigenden Bereitschaft zur Begehung von Straftaten, führt.“ Diese Einschätzung des erfahrenen Berliner Polizeiführers bauten der IMK-Vorsitzende Mäurer, Bundesbereitschaftspolizist Eichele und der GdP-Vorsitzende gleich zu einer Forderung nach einem Alkoholverbot in den Stadien und auf den Anreisewegen aus. Mäurer: „Der Alkoholausschank in den Stadien erfolgt vor allem im finanziellen Interesse des Veranstalters. Der nimmt es auch gerne hin, wenn aus Halbtrunkenen im Stadion Volltrunkene werden.“ Das Einzige, worauf sich die Vereine eingelassenen hätten, sei, Bier nur in Papp- oder Plastikbecher abzufüllen.

Inspekteur Schubert im rbb-Interview,...
während im Plenum schon die nächste Wortmeldung anstand.

Auch ein Verbot von Glasflaschen beim Transport durch die Deutsche Bahn, so Präsident Eichele, könne der Polizei helfen. Was die Umsetzung dieses Vorschlags angeht, so zeigte sich der Bundespolizist skeptisch. Er glaube indes nicht, dass die Deutsche Bahn AG dies leisten werde. Die Polizei selbst, habe dafür nicht genügend Personal. Was den Alkoholkonsum während der Fahrt angehe, so brauche die Bahn ja lediglich die Beförderungsbestimmungen ändern, meinte Dr. Landsberg: „Beim Rauchverbot in Zügen und auf Bahnhöfen hat das ja weitgehend geklappt. Er vermisse eine von der Kindheit bis zur Volljährigkeit durchgehende Aufklärung über die Gefahren des Alkoholmissbrauchs.

GdP-Pressesprecher Rüdiger Holecek bat Kollegen der 1. Technischen Einsatzeinheit ( 1. BPA Berlin), den Teilnehmern die Schutzausrüstung der Berliner Polizei zu demonstrieren und zu erläutern.


Hier die modernere Variante, .....
... und rechts die traditionellere Version der Schutzausstattung.

Nicht dem Thema Gewalt ausweichen
In seinem Fazit dankte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg allen Referenten für deren plastische Darstellung der unsäglichen Belastung der Polizei im Fußballgeschehen und den Teilnehmern der Podiumsdiskussion für klare und offene Worte. Freiberg mahnte die Verantwortung aller im Fußballgeschehen beteiligten Gruppen an und forderte insbesondere den Deutschen Fußball-Bund auf, dem Thema Gewalt nicht auszuweichen. Es könne nicht hingenommen werden, das Gesellschaft und vor allem die Polizei die negativen Begleiterscheinungen und Folgen allein trügen.

Beeindruckt verfolgten die Teilnehmer die zahlreichen Einspielfilme der Referenten, die die massiven Gewaltattacken auf die Einsatzkräfte dokumentierten.

Aus den Wortbeiträgen und Reden fasste Freiberg folgende wesentliche Forderungen zusammen.

Die Bereitschaftspolizeien dürfen nicht weiter ausgedünnt werden, sondern benötigen eine spürbare Stärkung. Es kann nicht sein, dass die Kolleginnen und Kollegen in den geschlossenen Einheiten bis an ihre Belastungsgrenzen getrieben werden, keine Freizeiten mehr planen können und praktisch keine geregeltes Familienleben mehr haben. Auch die Justizminister der Länder müssten, ausreichend Personal bereitzustellen, um Problemspiele zu begleiten und eine schnelle Reaktion auf Straftaten über Haftbefehle sicherzustellen. Dazu müsste bei der Erstellung von Spielplänen auf feste Großlagen der Polizei Rücksicht genommen werden.

Um die Hemmschwelle zur Gewaltausübung und das Verletzungsrisiko zu senken, sollten häufiger Alkohol- und vor allem Flaschenverbote auch schon auf den Anreisewegen verhängt werden.

Eine intensive Abstimmung zwischen DFB und Deutsche Bahn AG sollte eine bessere Berücksichtigung der Reisewege von Fans bei Spielbetrieb und Spielplänen gewährleisten. Stadionverbote sollten verstärkt zu Transportverboten der Deutschen Bahn führen. Um die Belästigung von Reisenden zu vermeiden, sollten mehr Sonderzüge eingesetzt werden. Können Vereine dies nicht alleine leisten, so sollte finanzielle Unterstützung fließen. Um die Nutzung von Bahn-Sonderangeboten zu vermeiden, sollten ausschließlich Kombitickets für den Stadionbesuch und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ausgegeben werden.

Der DFB und seine Vereine werden aufgefordert, die Sicherheitsvorschriften aus den Sicherheitsrichtlinien auch in unteren Ligen konsequent durchzusetzen. Zudem müsse die Fanbetreuung auch dort intensiviert werden und die Zuverlässigkeit der Ordnungsdienste sichergestellt werden.

Die GdP heißt Willkommen: Das Olympiastadion bei bestem Wetter ....
und die Teilnehmer bei bester Laune.


Schon vor Beginn der Veranstaltung liefen unter den Experten, hier Prof. Michael Knape und Inspekteur Jürgen Schubert...
...die ersten Fachgespräche. Auch Polizeidirektor Uwe Kilz aus Dresden und sein Kollege René Schütze, Polizeifachschule Leipzig, bei ersten Kontaktaufnahmen.

Der GdP-Forderungskatalog zum Thema "Fußball und Gewalt"

Konsequente Durchsetzung der Sicherheitsvorschriften aus den Sicherheitsrichtlinien auch bei unteren Ligen (4. + 5).

Bessere Berücksichtigung der Reisewege von Fans bei Spielbetrieb/-plan.

Stadionverbote müssen einheitlich gehandhabt werden – auch in klassentieferen Ligen. Stadionverbote sollten verstärkt zu Transportverboten der Deutschen Bahn führen.

Es sollten häufiger Alkohol- und vor allem Flaschenverbote auch schon auf den Anreisewegen verhängt werden.

Gestellung von Sonderzügen durch die Bahn verstärken ggf. – wenn Vereine dies nicht alleine leisten können – durch finanzielle Unterstützung.

Es sollten ausschließlich Kombitickets für den Stadionbesuch und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ausgegeben werden. Das soll verhindern, dass statt eingesetzter Sonderzüge mittels Sonderangeboten der Bahn die Regelzüge genutzt werden.

Ausbau der Fanbetreuung auch bei Vereinen in niedrigeren Ligen – auch mittels finanzieller Unterstützung DFB (oder DFL – da Vereine der 1., 2. und auch 3. Liga Interesse daran haben müssen, dass Fußball kein negatives Image erhält).

Vereine müssen animiert werden, entschiedener gegen Gewalttäter vorzugehen.

Zuverlässigkeit der Ordnungsdienste in unteren Ligen sicherstellen.

Einwirken auf Politiker, dass genügend qualifiziertes Personal vorgehalten wird, um Einsatzgeschehen inklusive Fußballeinsätze sicherzustellen.

Einwirken auf die Justizminister der Länder, ausreichend Personal bereitzustellen, um Problemspiele zu begleiten und eine schnelle Reaktion auf Straftaten (Haftbefehle) sicherzustellen.

Das Nationale Konzept Sport und Sicherheit muss häufiger mit den polizeilichen Gefahrenprognosen abgeglichen werden.

Es sollte ein gemeinsamer „Fußballgipfel“ stattfinden, bei dem alle Verantwortlichen (DFB, DFL, GdP, DB, Kommunen, Politik) mit am Tisch sitzen und das Thema diskutieren, um zukunftssichere Lösungen zu entwickeln.