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Misses Germany besucht GdP

Vom Streifenwagen auf den Laufsteg

Berlin.

Während 4,5 Millionen Zuschauer die Nerven zerreißende Ausscheidungsschlacht um „Germany’s Next Topmodel“ durchlitten, (das notwendige Fragezeichen hinter dem Titel hat Pro 7 weggemogelt) konnte die GdP entspannt die Sommerabende im Biergarten genießen und behaupten: „Wir haben sowieso nicht nur die meisten, die klügsten, sondern auch die schönsten Mitglieder!“ Als die 26jährige Kollegin aus Aschaffenburg, Jessica Seifert, im November vergangenen Jahres den Titel „Misses Germany 2007/2008“ der „Miss Germany Corporation (MGC) gegen 16 Mitbewerberinnen um Beinlängen gewann, jubelte nicht nur das Publikum bei der Endausscheidung im mecklenburgischen Linstow.





Als Misses Germany ihren Besuch in Berlin ankündigte, war zufällig in den übervollen Terminkalendern zweier Spitzenfunktionäre noch etwas frei: GdP-Bundesvorsitzender Konrad Freiberg und Bayerns Vorsitzender Harald Schneider (r.) mit Jessica Seifert vor dem Brandenburger Tor. Fotos (6): Rüdiger Holecek

„Ihr würde ich auch ohne Handschellen folgen“, bekannte ein begeisterter Blogger im Internet und ein anderer: „Ich wünsche mir des Öfteren die Misses Germany im TV zu sehen. Ihre Person strahlt Vorbildwirkung aus, dies sollte außer Schönheit mehr genutzt werden.“ Täglich live erleben können sie Verkehrssünder, Kriminelle und natürlich die Kolleginnen und Kollegen in Aschaffenburg, wo sie seit 2005 im Streifendienst „ihren Mann steht“, wie die Bayern versichern. Und „zulangen“ könne sie auch.

Jessica, die sich nach dem Abitur aus dem brandenburgischen Spreewald zur bayerischen Polizei bewarb, stand schon früh auf dem Laufsteg. Sie bestand Castings in Serie und verdiente sich damit immer etwas nebenher. Ihr Dienstherr in Bayern genehmigte das Modeling als Nebentätigkeit. „Manchmal ist es sehr stressig, wenn plötzlich ein Termin für ein Foto-Shooting oder eine Modenschau per E-Mail kommt. Dann heißt es: Übermorgen muss du da und dort sein. Aber meine Kolleginnen und Kollegen und auch mein Mann sind sehr verständnisvoll und finden es gut, was ich mache.“

Während die jungen Mädchen unter der Fuchtel von Heidi Klumm öffentlich ihrem Traumberuf entgegenschluchzen, hat Jessica Seifert ihren bereits ergriffen: „Mein Wunsch war es immer, Polizistin zu sein. Zur Arbeit zu kommen und nicht wissen, was passieren wird, finde ich interessant.“ So überzeugt, wie sie zu ihrem Beruf steht, steht sie auch zu ihrer GdP. Sie ist engagiertes Mitglied der Jungen Gruppe Unterfranken und engagiert sich in der Frauenarbeit. „Es ist schade, dass unter den jungen Kolleginnen und Kollegen gewerkschaftspolitisches Interesse so schwer zu wecken ist.“ Persönliche Ansprache und persönlicher Kontakt seien wichtig. „Man muss reden. Viele sind erstaunt, was wir alles so machen.“

Am Stammtisch der GdP-Frauengruppe, den sie regelmäßig besucht, drehen sich die Gespräche immer wieder um Thema Nr. 1: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Es gibt beruflich kaum Probleme, die sich von denen unserer männlichen Kollegen unterscheiden. Aber den Beruf und das berufliche Fortkommen mit einer Familiengründung, der Kindererziehung und dem Familienleben unter einen Hut zu bekommen, ist für uns Frauen in der Polizei das Schwierigste. Hierauf sollten wir uns in der gewerkschaftlichen Frauenarbeit besonders konzentrieren.“

Die Misses-Wahlen von MGC gehen ohne Gekreische und Tränen über den Laufsteg. Anders als bei den traditionellen Miss-Wahlen können sich an diesem Wettbewerb auch verheiratete Frauen und Mütter in Abendkleid und Bademode beteiligen. Jessica überzeugte in einem grünen Abendkleid. Grün ist ihre Lieblingsfarbe. Wer ihr zuhört und zusieht, wie sie unter den neidischen Blicken der übrigen Gäste im Cafe Einstein Unter den Linden in Berlin zum Frühstück mit ihrer Traumfigur bei einem großen Stück Apfelstrudel mit Vanillesauce „zulangt“, kann sich kaum vorstellen wie sie es schafft, nach einem schweren Verkehrsunfall mit Toten und Verletzten am nächsten Tag in die Glitzerwelt der Catwalks einzuauchen, um am anderen Tag wieder in die Polizei-Uniform zu schlüpfen. um Randalierer zu bändigen oder Betrunkene aus dem Verkehr zu ziehen.

Zumal, nachdem sie bei der Misses-Wahl nicht nur den Titel, sondern auch eine Ägyptenreise und einen zweijährigen Agentur-Vertrag gewonnen hatte. „Das ist sehr praktisch. Ich hatte nie einen Manager und musste mich um meine Aufträge immer selbst kümmern. Das besorgt jetzt die Agentur für mich, zumindest, so lange der Vertrag läuft.“

Den Rummel um „Germanys Next Top Model“ sieht sie mit distanzierter Skepsis. „Die Mädchen sind noch sehr jung. Wenn sie in dem Beruf bleiben wollen, können sie jetzt viel falsch machen. Die Branche ist sehr kritisch und mag ein solches Buhei eigentlich nicht. Gewinnerin ist in jedem Fall immer die Firma von Heidi Klum.“