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GdP zur Entwicklung der Drogenkriminalität

Witthaut: Kampf gegen Drogenkriminalität grenzüberschreitend führen

Berlin.

Die besorgniserregende Zunahme der Drogenkriminalität erfordert nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) international abgestimmte Bekämpfungsstrategien. Vor allem die erneut drastischen Steigerungen bei der sichergestellten Menge (88 Prozent mehr als im Vorjahr) und der Erstkonsumentenzahl (ein Plus von 51 Prozent) kristalliner Methamphetamine, so insbesondere Crystal Meth, verdeutlichten, dass hoch kriminelle Hersteller und Schmuggler die gelockerten Grenzkontrollen in Europa ausnutzten, um ihre Märkte mit Drogen zu überschwemmen. GdP-Bundesvorsitzender Bernhard Witthaut: "Der Kampf gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität muss von den Polizeien Europas gemeinsam geführt werden."

Rauschgiftkriminalität, so Witthaut weiter, sei ein Kontrolldelikt. Die Polizei und der Zoll müssten den Druck auf die Hintermänner des Drogengeschäfts hoch halten können. Dabei setze der Ermittlungsdruck schon bei den Drogen-Konsumenten an. Eine effektive Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität sei indes nur möglich, wenn die Polizei und der Zoll über ausreichende Ressourcen verfüge. Witthaut: "Nicht nur bei der Bundespolizei, sondern auch in den Fachdienststellen der Landeskriminalämter, Polizeidirektionen und Zollbehörden darf am Personal nicht gespart werden. Wer das weiterhin tut, hält die Tür für die Drogenkriminellen weit offen."

Der GdP-Bundesvorsitzende Witthaut erteilte Forderungen nach einer Legalisierung von Cannabis in Deutschland eine Absage. Cannabis werde zu Unrecht als harmlos dargestellt. Moderne Züchtungen erzielten eine stetige Erhöhung des Wirkstoffgehalts Tetrahydrocannabinol (THC). Witthaut: "Bei Konsumenten erhöht sich die Gefahr einer Schädigung des Gehirns. Insbesondere die Entwicklung von Jugendlichen kann bedrohlich beeinträchtigt werden."

Witthaut forderte, an den wirkungsvollen Aufklärungsinitiativen in den Schulen festzuhalten. Dort werde auch klar gestellt, dass die landläufig verbreitete Meinung nach dem legalen Besitz von Cannabis falsch sei. Der GdP-Bundesvorsitzende: "Die Gewerkschaft der Polizei hält es angesichts der hohen Risiken, die in regelmäßigem Cannabiskonsum liegen, für unabdingbar, das richtige gesellschaftliche Signal zu setzen. Die Freigabe von Cannabis ist genau das falsche."



O-Töne für Funk und Fernsehen. - Foto: Michael Zielasko


In der Berliner Bundespressekonferenz haben am heutigen Donnerstag, 25.4.2013, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans und der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke über die Zahl der Drogentoten im Jahr 2012 und über die Entwicklung der Rauschgiftkriminalität im vergangenen Jahr berichtet.

Anteil an Drogenkonsum verstorbener Frauen steigt
Die Zahl der Drogentoten sei mit 944 Personen (im Vorjahr waren es 986), so Dyckmans, auf dem niedrigsten Stand seit 1988. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen lag bei 37 Jahren. Traurig: Ein unter 13-jähriger war dem Drogenkonsum zum Opfer gefallen. Besorgniserregend sei, so die Drogenbeauftragte weiter, dass der Anteil verstorbener Frauen zugenommen hat. Offenbar, so Dyckmans, erreichten Hilfsangebote Frauen nicht im gleichen Maße wie Männer.

Die Zahl der der Polizei erstmalig bekannt gewordenen Konsumenten harter Drogen sank gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent von 21.315 auf 19.559. Deutlich stieg dagegen die Zahl erstauffälliger Crystal-Meth-Verbraucher auf 2.556 an (2011: 1.693).

Crystal Meth im Kommen?
BKA-Präsident Ziercke wollte vor den Hauptstadt-Journalisten den Handel mit kristallinen Methamphetaminen noch nicht auf die gleiche Stufe mit Heroin oder Kokain hieven. Es sei, so Ziercke, eine noch kleinteilige Szene, die momentan in Tschechien und den angrenzenden Ländern, Sachsen, Bayern und Thüringen agiere. Weltweite Strukturen existierten, doch sei Deutschland davon mit Ausnahme einer gewissen "Streuwirkung" noch nicht erfasst. Die, Projekt- Zusammenarbeit mit der tschechischen Seite funktioniere unterdessen sehr gut. Bei zuletzt vermehrten Razzien in Tschechien seien 41 Drogenlabore aufgedeckt worden.

Aufgrund der lokalen Beschränkung der Crystal-Meth-Problematik sehe die Bundesregierung zurzeit von einer bundesweiten Präventionskampagne ab, sagte Dyckmans. Die Gefahr eines Boomerang-Effekts bestehe, weil Neugier auf diese Droge geweckt werden könne. Laut der Drogenbeauftragten lägen aber keine Hinweise vor, dass der Konsum von Crystal Meth bundesweite Dimensionen angenommen habe. Das hätten Nachfragen in großen Städten wie Hamburg, Frankfurt/Main, Köln oder auch Berlin eindeutig gezeigt, wo lediglich Einzelfälle gemeldet worden seien. In Kürze soll eine Studie mehr Aufschluss über die Motive des Crystal-Meth-Konsumenten geben, kündigte Dyckmans an. Ende des Jahres werden erste Ergebnisse erwartet.

Heroin-Transitland
Keine Entwarnung gab Ziercke beim Heroin-Handel. Trotz zurückgehender Fallzahlen und Sicherstellungsmengen im Innern bleibe Deutschland nach wie vor Transitland. So waren 2012 teils große, für die Niederlande bestimmte Mengen des Rauschgiftes entdeckt worden. Dyckmans betonte indes, dass die Droge augenscheinlich an Bedeutung verliere. Einerseits sei das "Spritzen" aufgrund der Ansteckungsgefahren weniger attraktiv, andererseits bestehe die Lust, etwas Neues auszuprobieren. Nicht zuletzt trage die Präventionsarbeit vergangener Jahre Früchte. Es habe sich herumgesprochen, wie gefährlich Heroin ist.

Keine Legalisierung von Cannabis
Auch die Zahl der sogenannten Indoor-Plantagen mit Cannabis-Pflanzen steige unvermindert, berichtete der BKA-Präsident. Im Jahr 2012 wurden 809 (2011: 717) dieser Plantagen sichergestellt, was einem Anstieg von 13 Prozent entspricht. Bedenklich sei, das der THC-Wirkstoffgehalt permanent steige. Eine Legalisierung von Cannabis stehe, so wischte Drogenbeauftragte Dyckmans Forderungen aus dem Oppositionslager vom Tisch, nicht auf der Agenda der Bundesregierung. Das sei "keine weiche", sondern eine sehr gefährliche Droge. Immer mehr der erstmalig zu Behandlungen erschienenen Drogenkonsumenten hätten ernste Probleme mit dem Cannabis-Konsum angegeben.

"Legal Highs" als Herausforderung
Neuartige Designerdrogen, sogenannte Legal Highs, die unter anderem als Kräutermischungen, Lufterfrischer oder Badesalze angeboten würden, stellten nach Auffassung des BKA-Präsidenten, eine große Herausforderung für die Polizei dar. Das sei vor allem auf den Internethandel mit diesen Substanzen zurückzuführen. Allein in Deutschland seien 50 bis 60 solcher Online-Shops bekannt. 375 Postsendungen mit 70 verschiedenen Stoffen seien sichergestellt und 24 Labore zur Herstellung synthetischer Drogen aufgeflogen.

Link: Zur gemeinsamen Pressemeldung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans und des Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke


Im Fokus: Kamerateams warten auf die Hauptakteure der Bundespressekonferenz zur Rauschgiftlage 2012 - Foto: Michael Zielasko


 
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