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Polizei will verstärkt die Alterskriminalität analysieren

BKA-Präsident: Differenzierte Aussagen zu Tatverdächtigen ab 60 Jahren notwendig

Berlin.

Das Bundeskriminalamt (BKA) nimmt angesichts der älter werdenden Gesellschaft die sogenannte Alterskriminalität in Deutschland intensiver ins Blickfeld. Nach den Worten des BKA-Präsidenten Jörg Ziercke sind ab dem Berichtsjahr 2013 in der Polizeilichen Kriminalstatistik erweiterte Tabellen verfügbar, die den Anteil der Senioren ab 60 Jahren bei Straftaten detaillierter ausweisen. "Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um in dieser Altersgruppe Entwicklungen und Trends zu erkennen und von polizeilicher Seite gezielt darauf reagieren zu können", betonte der BKA-Chef in einem vorab veröffentlichten Wortlaut-Interview mit der Zeitschrift "DEUTSCHE POLIZEI" (DP). Bereits seit 2009 seien differenzierte Aussagen zum Alter von Opfern und Tatverdächtigen möglich.

Die Zahl der registrierten Tatverdächtigen ab 60 plus nahm nach BKA-Angaben zwischen 2002 und 2012 um etwa acht Prozent auf rund 152.000 zu. "Betrachten wir im statistischen Hellfeld die Tatverdächtigenbelastung älterer Menschen, also die Anzahl der Tatverdächtigen ab 60 Jahre bezogen auf 100.000 Einwohner ab 60, so hat diese tatsächlich abgenommen", erläuterte Ziercke. Demnach sank diese Zahl von 2002 bis 2012 von 681 auf 653 pro 100.000 Einwohner, was einen Rückgang von etwa vier Prozent entspricht.

Die meisten Tatverdächtigen dieser Altersgruppe wurden dem BKA zufolge im vergangenen Jahr bei einfachen Diebstahlsdelikten mit 11 Prozent, bevorzugt beim Ladendiebstahl mit 14 Prozent, sowie Beleidigung mit 11 Prozent festgestellt. Aber auch in Fällen der Nötigung und beim Tankbetrug mit jeweils zehn Prozent sowie dem Hausfriedensbruch sei diese Altersgruppe mit einem Anteil von acht Prozent aller registrierten Tatverdächtigen vertreten.

Der Anteil älterer Straftäter sei in den vergangenen zehn Jahren vor allem bei der Nötigung, dem Hausfriedensbruch und der Beleidigung gestiegen. "Sehr hoch ist die Bedeutung von Senioren außerdem bei Straftaten wie etwa der Umweltkriminalität mit einem Anteil von 14 Prozent, der fahrlässigen Brandstiftung mit 25 Prozent, aber auch der Körperverletzung mit Todesfolge, wo ihr Anteil bei 24 Prozent aller Tatverdächtigen liegt", erklärte Ziercke.

Doch Senioren seien nicht nur Täter, sondern würden auch selbst leicht Opfer von Kriminellen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Täter ihr Verhalten gezielt auf das älterer Menschen ausgerichtet hätten. Dies sei beispielsweise bei Trickdiebstählen, Raubdelikten oder auch gewerbsmäßigen Betrugsstraftaten zu beobachten, sagte BKA-Chef Ziercke gegenüber DP.