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"Schock über Bluttat sitzt tief"

Freiberg: Schulgebäude besser vor unerwünschten Besuchern sichern

Berlin.

„Der Schock über die Bluttat des Todesschützen von Winnenden sitzt auch bei meinen Kolleginnen und Kollegen tief. Den Angehörigen der Verletzten und Toten gehört unser ganzes Mitgefühl“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, nach der Tragödie in Baden-Württemberg. Freiberg: „Vor solchen Taten ist ein lückenloser Schutz nicht möglich. Im Mittelpunkt steht aber die Frage, wie der junge Tatverdächtige an die Schusswaffen gelangen konnte und ob seiner Tat Verhaltensauffälligkeiten vorausgegangen sind. Dies in Verbindung mit der Möglichkeit an Waffen zu gelangen, muss genau untersucht werden.“

Es sollte, so der Gewerkschaftschef, überprüft werden, welche baulichen Voraussetzungen geschaffen werden könnten, „..damit während der Unterrichtszeit nicht jeder X-Beliebige in eine Schule laufen könnte.“ Technische Einlasskontrollen, wie Chipkarten verbunden mit dem Schülerausweis, könnten eine Hürde vor unerwünschten Besuchern aufbauen.


Der GdP-Bundesvorsitzende Konrad Freiberg beim Interview-Dreh mit einem ZDF-Team.

Einer Absage erteilte der GdP-Vorsitzende Forderungen nach Waffenkontrollen in Schulen. Freiberg: „Entschlossene Einzeltäter können auch solche Kontrollen überwinden, die andererseits Millionen Schüler unter Generalverdacht stellen würden.“

Respekt zollte der GdP-Vorsitzende der Polizei in Baden-Württemberg für ihre schnelle Ermittlungsarbeit. Freiberg: „Die Identität des mutmaßlichen Täters konnte schnell festgestellt und die Fahndung eingeleitet werden, deren tragischer Ausgang, bei dem der Täter getötet und Polizisten ver-letzt worden sind, dem Schrecken ein Ende gesetzt hat.“
 
 
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Empfehlungen des Bundesfachausschusses "Kriminalpolizei" der Gewerkschaft der Polizei zu so genannten "School Shootings" - Schwere zielgerichtete Gewalt an Schulen:

Die GdP fordert die Bundesregierung auf, die Bemühungen zur Einrichtung von Frühwarnsystemen zur Verhinderung von school-shooting-Taten tatkräftig zu unterstützen. Von besonderer Bedeutung ist die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, Sozialarbeitern an Schulen, Schulpsychologen und Polizeibeamten zum Thema. Hilfreich kann die Einrichtung sog. „Leaking“-Beauftragter bei den Polizeien der Länder und Schulen sein. Gemeinsame Fortbildungen sowie die Schaffung vernetzter Strukturen sind anzustreben.

Die GdP fordert die Bundesregierung auf, eine „ad-hoc-Kommission“ zur Untersuchung sämtlicher schwerer Schulgewalttaten zu gründen. Die Ergebnisse der Kommission sind Forschungseinrichtungen, den Kultus- und Innenministerien sowie den Polizeien der Länder für die Entwicklung gemeinsamer Präventionsstrategien zur Verfügung zu stellen.

Die GdP fordert die Verschärfung des Waffengesetzes zur Aufbewahrung legaler Waffen, um den Zugang zu Schusswaffen für Kinder und Jugendliche zu erschweren. Verstöße gegen die Aufbewahrungspflichten müssen als Straftat geahndet werden. Die Ordnungsbehörden der Länder sind insoweit zu verstärken, dass ausreichende Kontrollen bei legalen Waffenbesitzern durchgeführt werden können.

Die GdP fordert die Bundesregierung auf, Soziales Lernen und Programme zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und des Empathievermögens bei Kindern und Jugendlichen vermehrt zu fördern sowie Kindergärten und Schuleinrichtungen bei der Durchführung solcher Programme finanziell zu unterstützen. Darüber hinaus setzt sich die GdP verstärkt für die Förderung von Erziehungskompetenzen ein. Auch hier ist die Bundesregierung zur finanziellen Förderung aufgerufen.

Die GdP fordert die Bundesregierung auf, Forschungsprojekte finanziell zu unterstützen und deren Vernetzung zu fördern, die sich mit dem Phänomen „Schwere zielgerichtete Gewalt an Schulen“ befassen. Dabei ist von großem Interesse, wie solche Taten im Vorfeld verhindert werden können. Ein Beispiel eines solchen richtungsweisenden Projektes unter der Beteilung der Polizei Bremen und Polizei Berlin findet sich an der Freien Universität Berlin im Fachbereich Erziehungswissenschaften und Entwicklungspsychologie unter der Leitung von Prof. Dr. Herbert Scheithauer – sog. „Leaking-Projekt“.