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GdP besorgt über zunehmende Internetkriminalität:

Polizei muss Cyber-Gangstern auf den Fersen bleiben können

Berlin.

Ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur wirksameren Bekämpfung der Internetkriminalität fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Internet-Kriminelle. Konrad Freiberg, GdP-Bundesvorsitzender: „Cyber-Gangster müssen keine Ländergrenzen überwinden, um mit Hilfe des weltweiten Computer-Netzwerks ihre Verbrechen zu begehen. Die Polizeien müssen international daher an einem Strang ziehen können."

Freiberg weiter: "Die Globalisierung der Internet-Kriminalität erfordert zwingend eine enge Zusammenarbeit der Polizei auf europäischer und internationaler Ebene. Ohne grenzübergreifende Ermittlungen und identische Rechtsnormen werden die Ermittler den Tätern im Netz nicht auf den Fersen bleiben können.“ Ohne massive Investitionen in Personal, Technik und Schulung, so Freiberg weiter, werde sich die Netz-Kriminalität ungebremst ausweiten.


Hintergrund: Die DP-Titelgeschichte im September zum Thema "Internetkriminalität"
Das Internet sei zwar ein virtueller Tatort, doch erlitten Opfer tatsächlichen Schaden. Über betrügerischen Datenklau, Rechnersabotage, Angriffe auf Computer, Server und Netzwerke bis hin zur Verbreitung von Kinderpornographie, extremistischer Propaganda und zur Vorbereitung terroristischer Anschläge reiche das Spektrum der Kriminellen, die zudem stets auf neueste Techniken zurückgriffen. Die Politik dürfe dies nicht ignorieren.

Es sei daher höchste Zeit, so Freiberg, die polizeiliche Präsenz im Netz hoch zu fahren. Ein hohes Entdeckungsrisiko würde potenzielle Straftäter stark verunsichern. Dazu gehörten auch anlassunabhängige Recherchen.

Als effiziente Schnittstelle einer verbesserten Bekämpfung der Internet-Kriminalität schlägt die GdP die Schaffung von Schwerpunktdienststellen vor, in denen polizeiliche IT-Experten auch laufende Ermittlungstätigkeiten unterstützen.

Dabei könnten bereits vorhandene Dienststellen weiter ausgebaut werden. Freiberg plädiert zudem für die Schaffung eines bundeseinheitlichen Lagebildes „Internet-Kriminalität“, in das auch Erkenntnisse der Dunkelfeldforschung einfließen sollen.
 
 
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BKA-Präsident Ziercke warnt vor "Bankraub des digitalen Zeitalters"
Zum Thema " IT-Kriminalität in Deutschland" traten heute Prof. Dieter Kempf, BITKOM-Präsidiumsmitglied, und BKA-Präsident Jörg Ziercke vor die Hauptstadtpresse. Beide berichteten von einem zunehmenden Trend der IuK-Kriminalität

Nach einem zeitweiligen Rückgang der Online-Betrugsfälle im letzten Jahr , der auf verbesserte Sicherheitsmaßnahmen einiger großer Banken und Sparkassen zurückzuführen war, steige die Fallzahl in diesem Jahr wieder an. Für den Datenklau durch das so genannte phishing, also das illegale Abgreifen von Daten über haargenau nachgebaute Internetseiten von beispielsweise Anbietern von Online-Banking, rechnen BITKOM und BKA mit einer Zunahme von rund 50 Prozent für das Jahr 2009. Gleiches gelte für die zu erwartende Schadenssumme, die auf etwa 11 Milliarden Euro taxiert wurde. BKA-Präsident Jörg Ziercke warnte eindringlich vor dem "Bankraub des digitalen Zeitalters". Letztliches Ziel der Betrügereien der immer kreativer werdenden Cyber-Gangster sei, in den Besitz der gesamten digitalen Identitäten der Opfer zu gelangen.

Als weitere unmittelbare und Besorgnis erregende Gefahr machten beide so genannte Bot-Netze aus. Hier würden, ohne dass es die Nutzer bemerkten, PC's von Tätern gekapert, unter Kontrolle gebracht und zu kriminellen Netzwerken zusammengeführt. Zu Spitzenzeiten, so erklärte BKA-Präsident Ziercke, seien bis zu 700.000 so im BKA-Jargon genannter "Zombie-PC's" im Einsatz. Das größte Netz dieser Art sei vor einiger Zeit in der Ukraine entdeckt worden, wo Kriminelle mehr als 1, 4 Millionen Rechner in 77 Länder manipuliert hatten.
Mit diesen Netzwerken würde indes in der Underground Economy schwunghafter Handel getrieben. Interessenten mieteten sich entsprechende PC-Mengen und starteten damit Angriffe auf Webseiten oder verschickten Milliarden von Spam-Mails. Vor allem die PC's von Betreibern privater Web-Seiten fielen, so Prof. Kempf, als schwächstes Glied der Internetsicherheitskette in die Hände Bot-Netz-Anbietern.

Die Täter von heute, so BKA-Präsident, seien keine Einzelgänger, die im Hinterstübchen Virenattacken aushecken würden, vielmehr handele sich es um international agierende Gruppen. Umso wichtiger sei es, die Bemühungen der Wirtschaft, Hochschulen, Verbände und Behörden zu bündeln. Von dieser Partnerschaft erhofften sich BITKOM und BKA schnellere Reaktionszeiten auf modifizierte IT-Straftaten.

Prof. Kempf mahnte private Internet-Nutzer zu gesundem Misstrauen und einer aktuellen Sicherheitsaussattung des PC's.

Download: Zur gemeinsamen Presseerklärung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) und des Bundeskriminalamtes

Download: Statement des BITKOM Präsidiumsmitgliedes, Prof. Dieter Kempf